Johann Wadephul: Wie dieser Krieg gegen den Iran zu Europas Risiko wird

Wie sehr sich der Krieg gegen den Iran ausweitet, bekommt
der deutsche Außenminister zu spüren, als er seine Pläne umschmeißen muss.
Kurzfristig geht es nach Zypern, nach Israel, in die Golfstaaten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar und in die Türkei. Als Johann Wadephul aus Jerusalem abfliegen will, ertönt ein
Warnsignal, weil wieder mal eine Rakete oder Drohne auf Israel zufliegt. Also
alle schnell raus aus der Militärmaschine A400M und ab in den Schutzkeller.

Im saudischen Riad sitzt der Außenminister schon in der Maschine auf der Startbahn, als der gesamte Luftraum über Saudi-Arabien
gesperrt wird und das Flugzeug warten muss. Als Wadephul in Abu Dhabi,
Hauptstadt der Emirate, landen soll, dreht die Militärmaschine ein paar Runden
in der Luft. Später sehen wir, warum: Nahe dem Flughafen stieg eine
Rauchsäule auf – Drohnen waren eingeschlagen, als die Maschine in den
Landeanflug gehen wollte.

Aus dem katarischen Doha nimmt Wadephul drei deutsche
Familien im Flugzeug mit, denn noch immer ist der Luftraum in Katar
teilweise gesperrt. Bilder, die zeigen, wie der deutsche Außenminister sich um
Landsleute kümmert, kommen ihm recht.

In manchem Land ist er kaum eine Stunde

Die Golfstaaten haben den Iran nicht angegriffen. Dieser
Krieg ist nicht ihr Krieg, aber der Iran macht ihn zu ihrem. Und je länger er dauert, desto unberechenbarer und gefährlicher wird das Regime im Kampf um
sein Überleben. Es hat die Straße von Hormus, „die Lebensader dieser Welt“, wie
Wadephul sie nennt, blockiert und droht, sie zu verminen – eine Meerenge, die
den Persischen Golf mit dem offenen Meer verbindet und deren Fahrrinne an
manchen Stellen nicht breiter ist als drei Kilometer. Öl, Flüssiggas und
Düngemittel stauen sich, was schon jetzt schwere Folgen für die Weltwirtschaft
hat.

In den Golfstaaten wirken die Führungen erschüttert vom
iranischen Vorgehen. Sie hoffen auf internationale Unterstützung. Gerade erst
haben sie gemeinsam mit Jordanien eine UN-Resolution verantwortet, die die
Blockade der Straße von Hormus sowie die Angriffe des Iran auf seine Nachbarn
verurteilt – Russland und China enthielten sich. Was aber kann Johann Wadephul
diesen Ländern anbieten?

Der Außenminister in Doha vor der A400M

Zusagen von 93 Millionen Euro für Hilfsorganisationen bringt
Wadephul mit, für Syrien, die Palästinensischen Gebiete und für den Libanon, wo
nun nahezu 700.000 Menschen auf der Flucht sind aufgrund des israelischen
Kampfs gegen die Hisbollah. Aber hauptsächlich geht es ihm darum, Präsenz zu
zeigen. Er betont, dass er seit Beginn des Krieges gegen den Iran der erste
europäische Minister sei, der Israel und die Golfstaaten besucht. Wadephul
bringt keine Ideen mit, wie die Europäer bei Friedensbemühungen helfen oder
sich zumindest nach einem Ende des Krieges an Verhandlungen beteiligen könnten.

In manchem Land ist er kaum eine Stunde, dann geht es schon
weiter, nächstes Gespräch im Staat nebenan. „Pendeldiplomatie“ nennt Johann
Wadephul das. Aber das klingt etwas hochtrabend, denn eigentlich gibt es
nichts, was die Deutschen den Angegriffenen geben könnten oder wollten. Selbst
den Vorstößen der G7, jene Schiffe militärisch zu eskortieren, die die Straße von Hormus passieren, setzt Wadephul entgegen, es gebe nur einen diplomatischen
Weg, die Meerenge passierbar zu machen.

Immer wieder betonen dieser Tage der Kanzler und sein
Außenminister, dass „die größte sicherheitspolitische Bedrohung auf unserem
Kontinent nach wie vor von Russland ausgeht“. Waffensysteme und Flugabwehr
braucht die Ukraine dringend. Frühzeitig haben die Deutschen den Golfstaaten
zu verstehen gegeben, sie könnten sie nicht unterstützen, auch wenn die
italienische Regierungschefin Giorgia Meloni eine Flugabwehr für Zypern und die
Golfstaaten erwägt. Schon frohlocken die Russen, dass „die Ukraine den Wettbewerb
um US-Aufmerksamkeit und Patriot-Raketen gegen die Entwicklungen im Mittleren
Osten“ verliere – so zitiert ein russisches Staatsmedium einen ihrer
Diplomaten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj halte verzweifelt
Kontakte zu den arabischen Führern.

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