JC Vance c/o Iran-Verhandlungen: Donald Trump stellt seinen Vize uff die Probe

Die Waffenruhe für den Iran-Krieg ist höchst fragil. Noch soll in Islamabad verhandelt werden. Donald Trump hat seinen Vizepräsidenten damit beauftragt, der sich bei einer solchen Mission offenkundig zu bewähren hat


JD Vance muss sich bei seinem Boss Donald Trump bewähren

Foto: Imago / MediaPunch


In der Sowjetunion akkreditierte Korrespondenten haben gelegentlich Machtkonstellationen ermitteln wollen, indem sie darauf achteten, wie Politbüromitglieder oder relevante Minister bei öffentlichen Anlässen positioniert waren. Wer stand hoch im Kurs, wer nicht? Man schlussfolgerte aus dem Ranking auf mögliche Agenden, doch sicher war das nie.

Im Hause Donald Trump zählt viel, wer dem Präsidenten nahesteht und gelobt wird für einen „fantastischen Job“ und wer nicht. Vizepräsident JD Vance blieb während der machttrunkenen Wochen der Angriffe auf den Iran oder beim Bruch der Souveränität Venezuelas Anfang Januar eher im Hintergrund, kein gutes Zeichen für das Ringen um die Nachfolge von Trump.

Der Vizepräsident gilt eigentlich als Kriegs-Skeptiker

Als nun die Nachricht über die Waffenruhe mit dem Iran kursierte, teilte Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, mit, Vance werde das US-Team bei den anstehenden Verhandlungen in Pakistan leiten. Dabei seien als Unterhändler auch Steve Witkoff und Jared Kushner, Letzterer Trumps Schwiegersohn, der offenbar sein Vertrauen genießt.

Tochter Ivanka Trump, Kushners Ehefrau und Mutter von Trumps Enkeln, hat man schon lange nicht mehr gesehen im Weißen Haus. Der Hausherr könnte erbost darüber sein, dass sich Ivanka bei der Kongressanhörung über den Ansturm auf das Kapitol im Januar 2021 von der Lüge über die gestohlenen Präsidentenwahlen 2020 distanziert hat.

Warum Vance für die Sondierungen? Das Ganze ließe sich als eine Art Bewährung dafür sehen, ob der wirklich bei der Sache ist. In den Medien wird Vance gern als Isolationist dargestellt, der zum isolierten Isolationisten wurde, weil er dem Iran-Krieg mit Skepsis begegnete. In Erinnerung bleibt sein Kommentar im „Tim Dillon“-Podcast im Herbst 2024. Es sei in besonderer Weise „im US-Interesse, nicht gegen den Iran in den Krieg zu ziehen“, hieß es da.

Weitere warnende Sprüche von Vance sind bekannt: Die Washington Post zitierte ihn vor Kriegsbeginn, er bleibe „skeptisch bei militärischen Interventionen im Ausland“. Trump könnte also mit der Nominierung von Vance als Chefverhandler die Loyalität der MAGA-Bewegung binden wollen, die sich an Trumps frühere Kriegsskepsis erinnert.

Unterstützung von Donald Trump und Peter Thiel

Vance selbst ist anscheinend bereit, seine Trump-kritischen Ansichten bei Bedarf über den Haufen zu werfen und wandlungsfähig wie sein Chef zu sein. Will man Psychologe spielen: Trump tut das aus einer Haltung der Arroganz und Stärke, der sich alle anpassen müssen. Der in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Vance, unterwegs im politischen Hamsterrad auf dem vermeintlichen Weg nach oben, tut es, um nicht an Terrain zu verlieren.

Mit Trumps Beistand und mit Geld von Tech-Milliardär Peter Thiel, hat Vance 2022 die Senatswahl in Ohio gewonnen, auch als Verfechter der Version von den Trump 2020 geraubten Wahlen. Trump hat Vance unterstützt, man kann das heute noch im Internet abrufen: „J.D. küsst meinen Arsch, er will meine Zustimmung.“ Und er sei ein unglaublicher Patriot.

Wie das Fact-Checking-Büro PolitiFact resümiert, habe Vance seine vor Beginn der Senatskampagne zuweilen scharfe Kritik an Trump bei der Kandidatur zurückgeschraubt. Keine Frage, Vances Interesse liegt bei Trump. Zumindest jetzt noch. Im Wahlkampf 2024 kam er mehrmals auf die unsinnige These zurück, Migranten in den USA würden Haustiere essen.

JD Vance reist als Wahlhelfer für Viktor Orbán nach Ungarn

Im März 2025, während der Hochzeit des Trumpistischen Grönland-Begehrens reiste Vance zum US-Stützpunkt Pituffik auf der Insel. In Ungarn griff er zu Wochenbeginn in den Wahlkampf ein zugunsten des von MAGA-Denkern und -Politikern in den USA geliebten Viktor Orbán, sich beschwerend über die „ausländische Einflussnahme der EU“ auf die Wahl.

Und nun soll Vance zu den Iran-Verhandlungen als Abgesandter eines Weißen Hauses, das behauptet, Trump habe einen umfassenden Sieg erkämpft. Oder um Sprecherin Leavitt zu zitieren: „Präsident Trump hat erreicht, dass die Straße von Hormus wieder offen ist.“ Man dürfe seine Fähigkeit „nie unterschätzen, amerikanische Interessen erfolgreich zu fördern und Frieden zu vermitteln“.

Bryan Metzge, Reporter der Plattform Business Insider, hat ein Video von einer Trump-Ansprache am 1. April auf die Plattform X gestellt. Da lobte Trump, dass Vance etwas Gewicht verloren habe, und fragte seinen Vize, wie es bei den damals angeblich laufenden Verhandlungen mit dem Iran aussehe.

Man werde den Präsidenten briefen, hört man Vance sagen. Daraufhin Trump: „Wenn es nicht passiert, werde ich JD Vance verantwortlich machen. Wenn es passiert, werde ich vollen Kredit beanspruchen.“

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