Die Enthüllungen über Jack Lang werden täglich grotesker:
Der frühere Pariser Kulturminister und Museumsdirektor war nicht nur ein Freund
des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Er profitierte auch enorm von dessen Nähe. Aus den Epstein-Akten geht hervor, dass Lang sich von ihm Autos mit
Chauffeur, einen Privatjet und Geld für eine schmeichelhafte Filmreportage über
sich selbst organisieren ließ. Beide Männer führten zudem ein gemeinsames Konto
in einem Steuerparadies. Epstein empfing Lang in seiner 800 Quadratmeter großen
Wohnung im luxuriösen 16. Arrondissement nahe der Champs-Élysées.
Am Wochenende trat Lang schließlich als Leiter des
renommierten Instituts der arabischen Kultur (IMA) zurück, das in einem
imposanten Bau im Herzen von Paris seinen Sitz hat. Lang wird bislang
keineswegs vorgeworfen, an Epsteins Missbrauch Hunderter Mädchen und Frauen beteiligt
gewesen zu sein. Der Sozialist behauptet, er habe Epstein zwar als „charmant“ wahrgenommen, aber nichts von dessen
früherer Verurteilung gewusst. Und das, obwohl viele französische Zeitungen über
den Fall berichteten.
Er zahlte nie einen Cent
Kurz nach Langs Rücktritt melden sich nun Weggefährten zu
Wort, die sein Verhältnis zu Geld schildern. Und diese Berichte sind ebenso skurril wie aufschlussreich. Beim Filmfestival in Cannes, so berichtet dessen früherer Präsident Pierre Lescure, hinterließ Lang hohe Schulden. Das
Festival zahlte für zwei Nächte und zwei Frühstücke, doch das Ehepaar Lang
blieb viele Tage länger, speiste luxuriös mit Freunden und zahlte nie einen
Cent. „Am Ende wollte sie kein Hotel in Cannes mehr aufnehmen“, sagt Lescure.
Ähnliches berichtet Le
Monde über ein Pariser Restaurant, dem Lang „zehn Jahre
Mittagessen“ schulden soll.
Auch wenn Lang angesichts der Aufregung um die Epstein-Files derzeit im Fokus steht,
wirft er damit ein Schlaglicht auf die Elite Frankreichs. Skandale, stets
gepaart mit Luxus, trafen vor ihm schon viele Amtsträger. So etwa den grünen
Umweltminister François de Rugy, der auf Staatskosten mit seiner Frau prunkvolle
Dinner in Parlamentsräumen veranstaltete – mit Einladungskarten auf edlem
Papier, Kristallgläsern, Silberplatten voller Langusten, goldenen Löffeln und
üppigen Blumensträußen. De Rugy verteidigte die Feste als dienstlich notwendig. Bis er zurücktrat.
Oder den früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, gerade erst für seinen Berufungsprozess aus dem
Gefängnis entlassen. Er erntete Kritik, weil er am Abend seines Wahlsiegs 2007 in
einem Pariser Luxusrestaurant diniert hatte und seine ersten Ferien als Präsident
auf der Superjacht
des rechtspopulistischen Milliardärs Vincent Bolloré verbrachte, die
üblicherweise für 200 000 Euro in der Woche vermietet wird. Er habe sich für
nichts zu entschuldigen oder zu verstecken, sagte Sarkozy damals. Sein
konservativer Parteikollege und Präsidentschaftskandidat François Fillon bekam
während seiner Wahlkampagne maßgeschneiderte Anzüge und goldene Uhren von
Geschäftsleuten geschenkt.