Italiens umsatzstärkste Bank will im Ausland expandieren. Das Bankhaus Intesa Sanpaolo aus Mailand setzt dafür in erster Linie auf organisches Wachstum und nicht auf Übernahmen – anders als der Erzrivale Unicredit mit seinem Griff nach der Commerzbank. Besonders in den Bereichen Vermögensverwaltung und Versicherungen will sich Intesa ausbreiten, wie der Vorstandsvorsitzende Carlo Messina am Montag bei der Präsentation eines neuen Vierjahresplans bekannt gab. Die Bank hat digitale Angebote im Auge, aber auch das Filialgeschäft für Privatkunden, für das neue Lizenzen beantragt werden. Grundsätzlich sei er kein Befürworter großer Zukäufe, weil die Verkäufer dabei meist ungerechtfertigt hohe Prämien für die zu übernehmenden Firmenwerte verlangen würden, sagte Messina, doch in diesem Fall „kann ich nicht die Übernahme eines Netzwerkes von Finanzberatern ausschließen“. Zudem will die Bank Finanzberater von anderen Arbeitgebern zu sich locken, wie Messina betont.
Deutschland, Frankreich und Spanien im Visier
Intesa Sanpaolo stößt in Italien an Wachstumsgrenzen, denn den Heimatmarkt dominiert die Bank wie keine andere. Daher drängt es den Finanzkonzern nun ins Ausland. Vor allem in Deutschland, Frankreich und Spanien sowie in mehreren osteuropäischen Ländern will Intesa Sanpaolo über „integrierte Hubs“ expandieren. Diese sollen unterschiedliche Kundensegmente ansprechen: Zum einen größere Zielgruppen mit der Vermögensberatung, die über digitale Kanäle erreicht werden sollen. Hierzu soll der hauseigene Online-Anbieter Isybank dienen, der in Italien schon gestartet ist, sowie die digitale Bank- und Investmentplattform Fideuram, die ebenfalls zu Intesa Sanpaolo gehört. Versicherungsprodukte etwa im Bereich von Krankenversicherungen oder Schadensversicherungen werden zu dem künftigen Angebot gehören, heißt es.
Die konzernweite digitale Bankplattform namens Isytech werde die technische Grundlage der Expansion bilden. Zudem will die italienische Bank verstärkt wohlhabenden Kunden mit eigenen Finanzberatern Anlageprodukte und Beratungsdienstleistungen anbieten. Die Ansprache von Unternehmenskunden soll weitergeführt werden. Über die heute bestehenden Niederlassungen von Intesa Sanpaolo in Frankfurt, Paris und Madrid besteht dieses Geschäftsfeld bereits, doch es läuft auf kleiner Flamme und soll daher ausgebaut werden. Die Marketingausgaben dafür will Intesa Sanpaolo ausdrücklich anheben. Strategische Partnerschaften, wie sie die Bank etwa mit Blackrock auf den Märkten Belgien und Luxemburg betreibt, sollen ausgebaut werden.
200 Millionen Euro will die Bank investieren
Insgesamt sieht die Bank für diese Expansion 200 Millionen Euro an Investitionen vor. Ausdrücklich betont sie, dass sie in ihrem neuen Strategieplan zunächst keine Erträge eingeplant habe, denn die Schaffung einer nachhaltigen Wachstumsgrundlage stehe anfangs im Vordergrund. Bis mindestens Ende 2027 will der Vorstandsvorsitzende Messina persönlich einen Steuerungsausschuss für die Auslandsexpansion leiten. Neue Filialen und Büros in großen Städten sollen von 2027 an hinzukommen, teilt die Bank mit.
An Selbstbewusstsein fehlt es der italienischen Bank nicht. „Wir sind die führende Bank Europas im Hinblick auf die Widerstandsfähigkeit und können in jedem Szenario reüssieren“, sagte Messina und bezog sich damit auf die Stresstests der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde, in der Intesa Sanpaolo besonders gut abschnitt. An der Börse ist der Konzern mit seinen rund 90.000 Mitarbeitern derzeit etwa 104 Milliarden Euro wert, gut 40 Prozent mehr als vor zwölf Monaten. Mit dieser Marktkapitalisierung ist die Bank zwar gegenüber dem Erzrivalen Unicredit ins Hintertreffen geraten, denn diesen bewerten die Anleger derzeit mit rund 10 Milliarden Euro höher. Doch Intesa Sanpaolo sieht sich als der solidere Anbieter, der ohne Übernahmephantasien der Anleger seinen Weg auf Basis einer konservativen Planung gehe.
Der neue Strategieplan sieht vor, dass der Nettogewinn von 9,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr bis 2029 auf 11,5 Milliarden Euro steigt. Die Rendite auf das Eigenkapital soll von 18 auf 22 Prozent klettern. Der Anteil der faulen Kredite werde auf fast null sinken, heißt es, zudem verringere sich nach der Planung in dem Zeitraum die schon niedrige Kosten-Einnahme-Quote von gut 42 auf unter 37 Prozent.
Dabei betont die Bank, wie stark sie die Aktionäre honorieren werde. 75 Prozent des Nettogewinns würden in der Periode bis 2029 als Dividende ausgeschüttet und weitere 20 Prozent kämen als Aktienrückkäufe hinzu. Wenn der Plan aufgehe, würden somit bis 2029 rund 50 Milliarden Euro den Anteilseignern zugeführt werden. Die Aktie von Intesa Sanpaolo reagierte am Montag dennoch kaum verändert. Die Analysten des Brokers Jefferies konstatierten „realistische Annahmen und vorsichtige Wachstumsraten“. Bei disziplinierter Kostenkontrolle gelänge es der Bank, hohe Gewinne zu erzeugen.
Source: faz.net