Einfach mal die Füße hochlegen und Netflix bingen? Für den Vorsteher eines Klosters in Italien Teufelszeug! Er warnt vor Streamingdiensten und Social Media.
In mehreren Ländern der Welt wird derzeit intensiv über eine Social Media-Verbot für Kinder und Jugendliche diskutiert. Der Vorwurf vieler Experten: Die Plattformen seien darauf ausgelegt, ihre Nutzer süchtig zu machen. Zudem sei es möglich, gerade junge Menschen mit subtilen (politischen) Botschaften zu beeinflussen.
Doch nicht nur Teenager sind aus Sicht von Pater Matteo Ferrari eine kritische Zielgruppe. Der italienische Generalsuperior des Kamaldulenserklosters in der Toskana fordert Mönche seiner Einsiedelei auf, digitalen Medien und Streamingdiensten den Rücken zu kehren, darüber berichtete unter anderem der britische „Guardian„.
In einem langen Brief, den er auf Facebook veröffentlichte, betonte Ferrari, dass die Zimmer des Klosters Orte des Gebets und ausdrücklich „nicht für die Nutzung von Netflix oder anderer Plattformen“ bestimmt seien. Diese Technologien seien „speziell darauf ausgelegt, Sucht zu erzeugen“ und sollten „unbedingt vermieden werden“, so Ferrari weiter.
Kein Netflix im Kloster? „Mönche werden zu Filmexperten statt zu Suchenden Gottes“
Der 51-Jährige meint es mit seinem Anliegen offenbar sehr ernst. Er führt weiter aus, dass soziale Medien und das Anschauen von „Filmen im Internet“ eine Herausforderung für das Kloster- und Ordensleben darstellten. Man könne nicht so tun, als ob es diese Herausforderungen nicht gebe.
Die Einrichtung, der Ferrari vorsteht, wurde im 11. Jahrhundert von Romuald von Ravenna gegründet und bietet Platz für neun Mönche. Zweck des Rückzugsortes ist seither, dass sich die Ordensbrüder hier dem Gebet und der Bibel widmen können. In Einzelzimmern sollen die Mönche entsprechend ihre Zeit in stiller Meditation verbringen.
Doch genau diese Tradition scheint Ferrari in Gefahr zu sehen. In seinem Brief schreibt er: „Wenn der Raum in ein Kino verwandelt wird, wo bleibt dann unsere klösterliche und romualdische Spiritualität?“ Während Streamingdienste oder Social Media-Plattformen für die meisten Menschen längst zum Alltag gehören, würde Ferrari die Angebote am liebsten ganz aus seinem Kloster verbannen und greift bei seinem Anliegen zum ganz großen Besteck: So betont er, dass es „echte Cinephilie-Süchte“ gebe, die dazu führen könnten, dass die Mönche eher zu „Filmexperten statt zu Suchenden Gottes“ werden. Es sei „viel gesünder“ für Mönche, ihre Zeit allein damit zu verbringen, „über Momente der Gemeinschaft nachzudenken“.
Der Einwurf des Generalsuperiors wärmt eine Diskussion auf, die seit Jahren in der katholischen Kirche geführt wird: Wie umgehen mit modernen Medien? Insbesondere in einer Zeit, in der immer mehr Menschen aus der Kirche austreten und sich weniger junge Leute für Glaubensfragen interessieren. Fest steht, dass Ferrari mit seiner Einstellung im Gegensatz zum 2025 verstorbenen Papst Franziskus steht. Dieser forderte Glaubensleute 2022 noch auf, soziale Medien zu nutzen, um „voranzukommen, zu kommunizieren“ und so mehr Menschen zu erreichen. Obgleich der gestorbene Pontifex auch damals schon vor den Gefahren von Pornografie im Internet warnte.
Gegenüber der Regionalzeitung „La Nazione“ erklärte Ferrari, sein Ziel sei es nicht, den Mönchen Vorwürfe zu machen, sondern sie einzuladen, „über ein Thema nachzudenken, das das Leben aller Menschen durchdringt und nicht ignoriert werden kann“.
pgo
Source: stern.de