Die Bahn-Tochter DB Systel managt die IT-Systeme des Unternehmens. Doch auch in diesem Bereich will die Bahn Stellen streichen. Die Belegschaft wehrt sich.
„Systel kaputt = Bahn kaputt“: Die Protestplakate bei der Kundgebung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG vor dem Frankfurter Hauptbahnhof sind eindeutig.
„Irgendwann fährt kein Zug mehr“, sagt Burkhard Nobbe, Betriebsrat der EVG-Betriebsgruppe DB Systel GmbH. „Die Deutsche Bahn hat eine Vielzahl gravierender Probleme, die IT gehört nicht dazu.“
Unter den Beschäftigten der DB Systel herrschen Unsicherheit und Unverständnis. Warum, so fragen sich hier viele, will der DB-Vorstand zusätzlich zu den vielen echten Problemen im Konzern auch noch ein IT-Problem schaffen?
Wer oder was ist die DB Systel?
Die DB Systel ist der interne IT-Dienstleister der Deutschen Bahn. An den drei Hauptstandorten der DB Systel sind etwa 7.200 Mitarbeitende beschäftigt: in Berlin circa 1.600, in Erfurt rund 650 und in Frankfurt am Main etwa 4.900 Mitarbeitende. Für die Bahn entwickelt und betreibt die DB Systel den DB-Navigator, die Internet-Fahrplanauskunft und die Buchungsplattform.
Auch für den Bahnbetrieb schafft DB Systel essenzielle Anwendungen wie den Elektronischen Buchfahrplan und das Projekt „Digitaler Fahrplan“. Über den Elektronischen Buchfahrplan wird der Fahrplan auf den Führerstand der Lok übertragen, ohne den keine Zugfahrt stattfinden kann.
Streitpunkt Stellenabbau
Im September 2025 hatte der DB-Konzern einen Personalabbau von 1.900 Vollzeitstellen bei der DB Systel bis Ende 2029 angekündigt. „Aktuelle, noch nicht bestätigte Planungen sehen sogar einen Abbau von 4.000 Stellen vor“, so die EVG-Betriebsgruppe DB Systel. Zwei von drei Stellen würden so wegfallen.
„Grundsätzlich wollen und müssen wir als Unternehmen schlanker, schneller und kundenorientierter werden“, verteidigt eine Bahn-Sprecherin die Pläne. „Das gilt auch für die konzerninternen Dienstleister und damit die DB Systel. In den nächsten Monaten werden im Rahmen des Neustarts deshalb entsprechende Zukunftskonzepte erarbeitet.“ Unternehmerische Entscheidungen, auch bezüglich der Standorte, sind Stand jetzt nicht gefallen.
Zentraler IT-Dienstleister unverzichtbar
„Es kommt uns vor wie aus der Hüfte geschossen“, sagt Gewerkschafter Nobbe. „Eine komplette IT-Abteilung krempelt man nicht kurzfristig um.“ Sowohl Politik, als auch die Bahn setzten auf die Digitalisierung der Bahn als Voraussetzung für deren Zukunftsfähigkeit.
„Auch heute wird für eine Zugfahrt ein Fahrplan vereinzelt noch mit Stift und Lineal konstruiert, über mehrere Reißbretter verteilt“, sagt Nobbe. „Teile der DB Systel anderen Konzerngesellschaft zuzuschlagen wäre fatal.“ Die DB Systel warnt also vor Dezentralisierung der IT-Kompetenz.
Die Befürchtung: explodierende Kosten durch Ausgliederung von IT-Dienstleistungen auf andere Bereiche. Synergie-Effekte durch zentrale Beschaffung zum Beispiel von Hardware oder Software-Lizenzen ließen sich nur erzielen, wenn zentral eingekauft werde. Auch die EVG warnt vor Kostensteigerung und Parallelstrukturen.
Cybersicherheit in Gefahr?
„Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist über Jahrzehnte mehr und mehr marode geworden“, analysiert Nobbe. „Die IT eines Unternehmens kann deutlich schneller kaputtgespart werden.“
Im Mai 2017 wurden etliche Rechner der Deutschen Bahn, darunter viele Fahrplanmonitore an Bahnhöfen, von einem Schadcode namens „Wannacry“ befallen. „Die Infektion geschah nur deshalb, weil sämtlichen befallenen Rechnern ein wenige Tage zuvor bereitgestelltes wichtiges Sicherheits-Update fehlte“, so die EVG-Betriebsgruppe DB Systel. „Die befallenen Rechner wurden nicht durch die DB Systel betrieben, sondern von anderen DB-Geschäftsbereichen selbst gemanagt. Dezentral“, so Nobbe.
Erst kürzlich, Mitte Februar, legte eine sogenannte DDoS-Attacke Auskunfts- und Buchungssysteme der Bahn mit über einer Milliarde Anfragen pro Minute lahm. „Ohne die leistungsstarke Cyber Security der DB Systel wären wir heute noch nicht wieder am Start. Wenn Cyber Security in Amateurhände gegeben wird, geht gar nichts mehr“, bestätigt Nobbe.
Bahn beruhigt Kunden
„Wir werden nichts umsetzen, was die Betriebssicherheit unserer IT-Systeme gefährdet. Unsere IT-Services und Informationen für die Kunden haben weiterhin höchste Priorität und werden stetig verbessert“, versichert eine Bahn-Sprecherin.
„Digitalisierung und IT sind ein wesentlicher Schlüssel, um die Bahn pünktlicher, verlässlicher und wirtschaftlicher zu machen. Dafür brauchen wir einen starken internen IT-Dienstleister wie die DB Systel, um mit voller Kraft unsere Digitalisierungsprojekte zu treiben und zu unterstützen.“
Source: tagesschau.de