Israel und Saudis warnen USA vor Schlag gegen Teheran – „Nur Trump weiß, welches er unternehmen wird“

Medienberichten zufolge warnen Israel, Katar, Saudi-Arabien und andere Staaten die USA vor einem Schlag gegen Teheran. Sie sorgen sich um einen Flächenbrand in der Region. Gleichzeitig ist ein US-Flugzeugträger auf dem Weg in die Region.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und mehrere arabische Staaten haben die Vereinigten Staaten gebeten, etwaige Pläne für einen Angriff auf den Iran zu verschieben. Das berichtet die „New York Times“ unter anderem unter Berufung auf einen hochrangigen US-Regierungsbeamten und arabische Staatsvertreter.

Katar, Saudi-Arabien, Oman und Ägypten, allesamt Partner Washingtons, haben die Trump-Regierung demnach ebenfalls gebeten, den Iran nicht anzugreifen, sagte ein Vertreter eines arabischen Golfstaates laut „Times“. Hochrangige Vertreter dieser Länder hätten in den letzten zwei Tagen US-Beamte mit dersselben Bitte kontaktiert, so der Regierungsvertreter. Sie hätten den Amerikanern mitgeteilt, dass ein Angriff der USA zu einem größeren regionalen Konflikt führen könnte.

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Die arabischen Staaten haben dem Bericht zufolge nicht nur an die USA appelliert, sondern auch iranische Regierungsvertreter gebeten, keine Länder in der Region anzugreifen, falls die Vereinigten Staaten einen Militärschlag gegen den Iran beschließen sollten. Die vier Staaten hätten ihre Botschaften an Washington und Teheran aufeinander abgestimmt. Zwei Diplomaten in Nahost hätten ebenfalls gesagt, dass mehrere arabische Staaten die Trump-Regierung dazu gedrängt hätten, den Iran nicht anzugreifen.

„Wir glauben an den Dialog und daran, dass alle Meinungsverschiedenheiten am Verhandlungstisch gelöst werden können“, zitiert die „Times“ den saudischen Innenminister Adel al-Jubeir.

Trumps Sprecherin Karoline Leavitt habe lediglich eingeräumt, dass Trump mit Netanjahu gesprochen habe, es jedoch abgelehnt, Einzelheiten zu nennen. Das Büro des israelischen Premierministers habe nicht auf Anfragen der „New York Times“ reagiert.

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Ob die Vereinigten Staaten diesen angeblichen Warnungen ihrer Alliierten Folge leisten, ist unklar. Nach den Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran verstärken die USA derzeit Medienberichten zufolge ihre militärische Präsenz in Nahost. Der Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ und Begleitschiffe seien auf dem Weg vom Südchinesischen Meer in die Region, berichteten unter anderem die „New York Times“ und das Portal „Axios“.

Der von einem Atomreaktor angetriebene Flugzeugträger transportiert normalerweise mehrere Tausend Soldaten sowie Dutzende Kampfflugzeuge und wird von Zerstörern der Marine begleitet. Die „USS Abraham Lincoln“ soll in etwa einer Woche im Nahen Osten ankommen. Zudem würden zusätzliche Waffen und Verteidigungsausrüstung dorthin gebracht, berichtete die „New York Times“. Es könnten auch weitere Kampfflugzeuge folgen. Eine offizielle Bestätigung der Verlegung durch das Pentagon gab es zunächst nicht.

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Seit Beginn der Massenproteste gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik Ende Dezember hat Trump dem Iran bereits mehrfach mit einem Eingreifen der USA gedroht. Ausgelöst wurden die Proteste unter anderem von einer dramatischen Wirtschaftskrise, einer sehr hohen Inflationsrate und großer Unzufriedenheit mit der Führung in Teheran. Irans Sicherheitsapparat hat die Proteste brutal niedergeschlagen. Menschenrechtler sprechen von Tausenden Toten.

„Alle Optionen auf dem Tisch, um das Schlachten zu beenden“

Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York drohte der UN-Botschafter der USA, Mike Waltz, dem Iran erneut mit einer militärischen Eskalation. US-Präsident Donald Trump sei „ein Mann der Tat, nicht der endlosen Worte, wie wir sie bei den UN sehen“, sagte er. „Er hat klargestellt, dass alle Optionen auf dem Tisch liegen, um das Schlachten zu beenden.“

Das Treffen des Sicherheitsrats war auf Bitten der USA angesetzt worden. Das Gremium ist das mächtigste Organ der Vereinten Nationen. Seine Aufgabe ist es, internationalen Frieden und Sicherheit zu wahren. Häufig blockieren sich dort die Großmächte USA, Russland und China jedoch gegenseitig.

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Die Vereinten Nationen forderten den Iran auf, jegliche geplanten Hinrichtungen von Demonstranten aufzuhalten und alle Todesfälle unabhängig und transparent aufzuklären. UN-Generalsekretär António Guterres rufe alle Beteiligten zu größtmöglicher Zurückhaltung auf, hieß es.

Angeblich wegen US-Druck Hinrichtungen abgesagt

Nach Darstellung des Weißen Hauses wurden auf US-Druck 800 geplante Hinrichtungen abgesagt. Sprecherin Karoline Leavitt machte keine Angaben zur Quelle für diese Information, die Trump erhalten haben soll. Die vom Weißen Haus genannte Zahl von angeblich 800 abgesagten Hinrichtungen scheint ungewöhnlich hoch. Im ganzen Jahr 2024 etwa wurden im Iran laut Amnesty International 972 Menschen hingerichtet.

Am Mittwoch hatte eine Sperrung des iranischen Luftraums Spekulationen über einen möglichen US-Luftangriff ausgelöst. „Nur Präsident Trump weiß, was er unternehmen wird“ – und eine sehr kleine Gruppe von Beratern sei mit seinen Ansätzen vertraut, sagte Leavitt.

Laut der US-Website „Axios“ zögere Trump eine Entscheidung zu einem möglichen Angriff auf den Iran bislang hinaus, während das Weiße Haus darüber unter anderem mit Verbündeten berate – darunter die zuvor erwähnten Staaten Israel oder Katar.

Der stellvertretende iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Gholamhossein Darzi, hat die USA derweil im UN-Sicherheitsrats scharf kritisiert. Er warf der US-Regierung vor, „sich direkt an der Lenkung der Unruhen im Iran hin zu Gewalt“ zu beteiligen. „Unter dem hohlen Vorwand der Sorge um das iranische Volk und angeblicher Unterstützung der Menschenrechte versuchen die Vereinigten Staaten, sich als Freund des iranischen Volkes darzustellen – während sie gleichzeitig den Boden für politische Destabilisierung und militärische Intervention unter dem Deckmantel eines sogenannten ‚humanitären‘ Narrativs bereiten“, so Darzi.

jac/mit dpa

Source: welt.de

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