Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben mehrere Angriffe auf Ziele der Hisbollah im Libanon gestartet. Man habe damit begonnen, Stellungen der mit dem Iran verbündeten Miliz im gesamten Libanon anzugreifen, teilte die Armee in der Nacht auf X mit. Augenzeugen berichteten von Explosionen auch in südlichen Vororten der Hauptstadt Beirut.
„Die Hisbollah hat über Nacht einen Feldzug gegen Israel eröffnet und ist für jede Eskalation voll verantwortlich“, sagte der israelische Generalstabschef Ejal Samir. In Beirut sowie im Südlibanon sollen je ein zentrales Mitglied angegriffen worden sein, wie das israelische Militär mitteilte. Die Hisbollah äußerte sich zunächst nicht dazu.
Zuvor hatte die Hisbollah-Miliz Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär teilte mit, ein Geschoss, das die Grenze überschritten hatte, sei abgefangen worden. Mehrere weitere seien in unbewohnten Gebieten niedergegangen, hieß es. Verletzte oder Schäden wurden nicht gemeldet.
Die Hisbollah hat die Angriffe laut einer Mitteilung als Vergeltung für die Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei ausgeführt. Die fortgesetzten israelischen Angriffe gäben ihr das Recht, sich „zur geeigneten Zeit und am geeigneten Ort“ zu verteidigen, teilte die Miliz mit. Die Hisbollah hatte sich nach der Tötung zunächst zwar solidarisch mit dem Iran erklärt, eine direkte Beteiligung an den Kämpfen jedoch offengelassen.
Ein Jahr Waffenruhe zwischen Hisbollah und Israel
Es war das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel vor mehr als einem Jahr, dass die Miliz sich zu einem Angriff gegen das Land bekannte. Die Vereinbarung aus dem November 2024 sieht einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon vor, im Gegenzug soll sich die Hisbollah von der israelisch-libanesischen Grenze zurückziehen und entwaffnet werden. Beide Seiten haben sich Verstöße vorgeworfen.
Seit Samstagmorgen greifen Israel und die USA den Iran an. Israels Militär bombardierte unter anderem Chameneis Amtssitz in Teheran. Irans Staatsmedien hatten den Tod des Staatsoberhaupts in der Nacht zum Sonntag bestätigt. Irans Revolutionsgarde kündigte kurz darauf Rache für den Tod Chameneis an.
Die schiitische Hisbollah ist eine paramilitärische Gruppe, die Anfang der Achtzigerjahre während des libanesischen Bürgerkriegs entstanden ist. Auch nach dem jüngsten Krieg mit Israel, in dem die Miliz stark geschwächt wurde, soll sie noch über Zehntausende Kämpfer und große militärische Fähigkeiten verfügen.
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