Israel hat den Tod des nächsten Mitglieds der iranischen Führungsspitze bekannt gegeben. Zugleich erklärte der israelische Verteidigungsminister, die Armee seines Landes habe grünes Licht für weitere gezielte Tötungen.
Israel setzt gezielte Angriffe auf Vertreter der iranischen Führung fort. Einen Tag nach dem Tod des einflussreichen iranischen Sicherheitschefs Ali Laridschani und des Chefs der Basidsch-Miliz, Gholamresa Soleimani, teilte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz mit, auch Irans Geheimdienstminister Esmail Chatib sei getötet worden.
Katz warnte, Regierungschef Benjamin Netanjahu und er hätten der israelischen Armee erlaubt, jeden hochrangigen Vertreter der iranischen Führung zu „eliminieren“, ohne dass weitere Genehmigungen erforderlich seien. Die Tötung Laridschanis gilt als der schwerste Schlag für die Führung in Teheran seit der Tötung von Irans oberstem Führer, Ajatollah Ali Chamenei, am ersten Kriegstag Ende Februar.
Irans Geheimdienstminister Chatib wurde laut Israel getötet
Irans Außenminister Abbas Araghtschi sagte, Teheran sei durch die Tötung Laridschanis und anderer hochrangiger Führungsmitglieder nicht in seiner Handlungsfähigkeit beeinträchtigt. Die USA und Israel verstünden nicht, dass die Islamische Republik ein robustes politisches System sei, das nicht von einzelnen Personen abhänge, sagt der Außenminister in einem Interview des Senders Al-Dschasira. Der Staat funktioniere weiter.
Trauerzug in Teheran
In Teheran versammelten sich unterdessen Anhänger der Regierung zu Trauerfeiern. Auf im Staatsfernsehen gezeigten Videobildern waren im Stadtzentrum der Millionenmetropole zahlreiche Menschen zu sehen, die einen Sattelschlepper umringten, der Särge durch die Stadt fuhr. Ein Foto der Nachrichtenagentur FARS, die der Islamischen Revolutionsgarde nahesteht, soll Laridschanis Sarg und den seines Sohnes zeigen, der bei dem israelischen Angriff ebenfalls getötet wurde.
Die Menschen trauerten nach Angaben der staatlichen Medien auch um den Kommandeur der paramilitärischen Basidsch-Miliz sowie um die Besatzung eines iranischen Kriegsschiffs, das die USA vor Sri Lanka versenkt hatten.
Moskau spricht von Mord
Russland kritisierte unterdessen die gezielte Tötung von Mitgliedern der iranischen Führungsspitze. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete Laridschanis Tötung als Mord. Man verurteile unmissverständlich alle Handlungen, die darauf abzielten, Mitglieder der Führung Irans zu ermorden oder zu eliminieren, sagt Peskow vor der Presse.
Tote bei iranischen Angriff in Israel
Die Islamische Revolutionsgarde erklärte, sie habe als Vergeltung für Laridschanis Tötung Raketen auf das Zentrum Israels abgefeuert. Auch der Chef der regulären iranischen Armee, Amir Hatami drohte, die Antwort „auf die Ermordung des Vorsitzenden des Obersten Nationalen Sicherheitsrats“ werde entschlossen sein.
In Israel teilten die Rettungskräfte mit, zwei Menschen seien durch einen iranischen Raketenangriff nahe Tel Aviv getötet worden. Mehrere Stellen im Zentrum des Landes wurden in der Nacht Behördenangaben zufolge von herabfallenden Geschossen getroffen. Die Polizei erklärte, eine Streubombe habe ein Wohnhaus in Ramat Gan nahe Tel Aviv getroffen. Streumunition gilt als besonders verheerend: Eine Streubombe kann Hunderte kleinerer Bomben freisetzen, die oft größere Gegenden zerstören können. Israel und Iran werfen sich gegenseitig den Einsatz von Streubomben vor.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der Konfliktparteien können nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Die USA und Israel setzten ihre Angriffe nach iranischen Angaben in verschiedene Regionen des Landes fort, darunter auch in der Hauptstadt Teheran. Des weiteren wurden demnach Ziele in der Provinz Lorestan und die Stadt Hamedan im Westen des Landes sowie Ziele in der Provinz Fars im Süden angegriffen.
Auch das von Russland gebaute Atomkraftwerk Buschehr war gestern getroffen worden, nach Angaben aus Moskau entstanden jedoch keine Schäden. Der Angriff habe ein Gebäude in der Nähe des Reaktors getroffen. Erhöhte Strahlungswerte gebe es nicht. Es war der erste Angriff auf die Atomanlage in Buschehr seit Beginn der Angriffe auf Iran am 28. Februar. Russland sprach von einer eklatanten Missachtung zentraler Regeln und Prinzipien der internationalen Sicherheit.
Israel weitete auch seine Luftangriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut aus. Dabei wurden nach libanesischen Angaben mindestens zwölf Menschen getötet und ein zehnstöckiges Gebäude nahe dem Stadtzentrum zerstört.
Wadephul für Deeskalation
Bundesaußenminister Johann Wadephul und sein französischer Amtskollege Jean-Noël Barrot riefen unterdessen zu einer Deeskalation auf und warnten vor den Folgen des Konflikts für Europa. Der Krieg habe „ein wirkliches Eskalationspotenzial, was nicht nur diese Region, sondern die Welt insgesamt in eine allergrößte Krise stürzen kann“, sagte der CDU-Politiker bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Barrot in Berlin.
Er machte auch deutlich, dass er nicht an eine friedliche Übergabe der Macht in Iran glaube. Ein Regimewechsel sei zwar wünschenswert, sagte der Minister. Nur sei es nicht so, dass militärische Engagements von außen etwa im Irak oder auch in Libyen „zu einem geordneten Regimewechsel in der Weise geführt haben, dass es hinterher eine freiheitliche, demokratische, rechtsstaatliche Struktur gegeben hat“, betont Wadephul. Dies sei „die nüchterne Analyse, die wir ziehen müssen, und das ist die Grundlage aller Überlegungen, die wir jetzt haben.“
Source: tagesschau.de