Isar Aerospace stoppt Raketenstart erneut – Leck verhindert zweiten Testflug

Schon wieder wird ein Startversuch der deutschen Kleinrakete „Spectrum“ von Isar Aerospace abgesagt. Gut eine Stunde vor dem geplanten Startzeitpunkt um 22:00 Uhr teilte das Start-up am Donnerstag mit, dass der Versuch wegen eines Lecks in einem Verbundwerkstoff-Druckbehälter abgebrochen wird. Ein neuer Termin wird nicht genannt.

Geplant war der insgesamt zweite Flug der 28 Meter hohen, zweistufigen Rakete. Beim ersten Start vor gut einem Jahr dauerte der Flug nur 30 Sekunden, dann stürzte die Rakete in der Nähe ihres Startplatzes in Nordnorwegen ab. Für den zweiten Flug gab es nun bereits drei fehlgeschlagene Anläufe.

Zunächst gab es einen Versuch am 21. Januar, doch wenige Stunden vor der Zündung der Triebwerke wurde der Countdown wegen Problemen mit einem Druckventil unterbrochen. Ein weiterer Anlauf am 25. März wurde wenige Sekunden vor dem Abheben abgebrochen, weil sich ein Fischerboot in der Sicherheitszone vor dem Startplatz befand und sich der Treibstoff durch die Verzögerung zu stark erhitzte. Nun ist es bereits die dritte Startabsage – zum zweiten Mal wegen eines technischen Fehlers an der neu entwickelten Rakete.

Der 34-jährige Chef und Mitgründer von Isar Aerospace, Daniel Metzler, übt sich in Zweckoptimismus. In einer Stellungnahme erklärt er: „Wir werden zweifellos die Umlaufbahn erreichen und den zuverlässigen Zugang zum Weltraum demonstrieren. Startabbrüche gehören zur Raketenindustrie. Jedes erfolgreiche Raketenunternehmen hat diese Erfahrung gemacht.“ Er spielt damit auf die Geschichte des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk an, dessen erste Rakete „Falcon 1“ erst im vierten Versuch 2008 eine Nutzlast in eine Erdumlaufbahn transportierte. Inzwischen ist SpaceX mit weitem Abstand der weltweit größte Raketenbetreiber.

Einen neuen Starttermin nennt Metzler noch nicht. Allgemein erklärt er: „Unsere Teams analysieren den Vorfall, und wir werden in Kürze wieder startbereit sein.“

Die Spectrum-Rakete sollte bei dem Qualifizierungsflug fünf Kleinstsatelliten und ein weiteres Experiment in einen Erdorbit transportieren. Wäre dies gelungen, wäre es die erste deutsche Rakete gewesen, die jemals eine Nutzlast in eine stabile Erdumlaufbahn befördert – und zugleich der erste erfolgreiche kommerzielle Raketenstart vom europäischen Festland.

Isar-Aerospace-Chef Metzler hatte bereits im Vorfeld des Starts die Erwartungen gedämpft. Das Ziel der Mission mit dem Motto „Onward and Upward“ sei es, „signifikanten Fortschritt“ zu zeigen. „Dazu werden wir unsere Systeme erneut an ihre Grenzen bringen“, erklärte der 34-Jährige. Es gehe auch darum, Daten für weitere Fortschritte zu sammeln.

Wettlauf um Europas Zugang zum All

Auf Isar Aerospace lasten derzeit mehrere Herausforderungen: Zum einen gibt es einen drastischen Engpass bei Raketen, um die zahlreichen geplanten Satellitenkonstellationen mit mehreren Hundert Satelliten in den Weltraum zu befördern. So ist das Münchner Start-up bis 2028 ausgebucht. Ein großer Bedarf besteht beispielsweise beim Militär. Auch die Politik plädiert für einen souveränen europäischen Zugang zum Weltraum, um nicht länger auf US-Konkurrenten wie SpaceX angewiesen zu sein.

Isar-Aerospace-Chef Metzler will die Produktion daher möglichst schnell ausweiten. Bereits am siebten Exemplar wird gearbeitet. Mittel- und langfristig ist eine Produktion von 40 Raketen jährlich geplant. Der zweite Start soll zudem ein Meilenstein sein, um weitere Investoren anzulocken. So ist angeblich eine Finanzierungsrunde über 250 Millionen Euro an einen erfolgreichen Qualifikationsflug geknüpft. Dies würde die Bewertung auf rund zwei Milliarden Euro erhöhen. Das Unternehmen will sich dazu jedoch nicht äußern.

Isar Aerospace steht zudem unter zeitlichem Druck, im Kleinraketenwettbewerb der europäischen Weltraumorganisation ESA bis Ende 2027 einen erfolgreichen Orbitalflug vorweisen zu können. Die ESA vergibt anschließend Startaufträge und fördert die Entwicklung leistungsfähigerer Modelle. Zunächst hat die ESA fünf Start-ups für den Wettbewerb ausgewählt, darunter Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg (RFA) aus Deutschland.

Der deutsche Wettbewerber plant im Sommer seinen Erststart und dann erst 2027 den nächsten Versuch. RFA will mit seiner Rakete mehr Nutzlast als Isar Aerospace transportieren, nämlich 1,3 Tonnen statt einer Tonne. Das ist zwar anspruchsvoll und technisch herausfordernd, im Branchenvergleich jedoch noch sehr wenig. Europas Ariane-6-Rakete kann bis zu 22 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn befördern, und die weltgrößte Rakete „Starship“ von Elon Musk soll 100 bis 150 Tonnen Nutzlast schaffen und eines Tages vollständig wiederverwendbar sein. Der nächste Starship-Start ist für Anfang bis Mitte Mai geplant.

Source: welt.de

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