Iris Berben schwärmt im Interview von ihrem neuen Kinofilm „Ein fast perfekter Antrag“ – und verrät, was sie an der Rolle so fasziniert.
Iris Berben (75) hat in ihrer jahrzehntelangen Karriere so ziemlich alles gespielt – dennoch scheint ihr ihre neue Rolle als Kunstprofessorin Alice Olsen in der romantischen Komödie „Ein fast perfekter Antrag“ (Kinostart: 26. Februar) besonders am Herzen zu liegen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät die Schauspielerin, warum ausgerechnet dieser Film sie so begeistert hat.
In der Kinokomödie von Erfolgsregisseur Marc Rothemund (57, „Sophie Scholl – Die letzten Tage“) trifft der eigenwillige Witwer Walter Adler (Heiner Lauterbach, 72), ein pensionierter Ingenieur, der als pedantischer Restaurantkritiker unterwegs ist, bei einem Restaurantbesuch zufällig auf seine Jugendliebe Alice (Berben). 40 Jahre zuvor war sein Heiratsantrag an sie spektakulär gescheitert. Alice ist mittlerweile Kunstprofessorin, lebt unabhängig und hat kein Interesse an Beziehungsstress. Doch Walter gibt nicht auf und schreibt sich kurzerhand als Gaststudent in ihren Kurs ein.
Für Berben war bereits das Drehbuch von Richard Kropf (46, „4 Blocks“) der entscheidende Grund zuzusagen: „Ich fand die Frauenfigur wunderbar normal – gerade das ist ja selten. Sie ist selbstbestimmt, unabhängig, neugierig, wach, offen, auch widersprüchlich“, erklärt die 75-Jährige. „Solche Rollen werden meist für Frauen Anfang 30 oder 40 geschrieben. Aber diese Figur ist Ende 60, vielleicht 70 – und ich mag das, weil wir solche Charaktere im Kino viel zu selten sehen.“
Iris und Alice – mehr als nur eine Rolle
Zwischen Berben und ihrer Filmfigur gibt es durchaus Parallelen, wie die Schauspielerin selbst zugibt: „Alice und ich sind im selben Alter, und ich finde, ihre Haltung zum Leben ist eine schöne Metapher für meinen Beruf: offen und wach zu bleiben, neugierig zu sein, das Leben selbst zu interpretieren.“ Und noch etwas treibt sie an, seit Jahrzehnten: „Ich habe ja schon in den 1960ern für solche Frauen gekämpft – umso schöner, sie heute verkörpern zu dürfen.“
Auch das Ende des Films begeistert Berben – ohne zu viel zu verraten: „Es ist sehr erwachsen erzählt – und in einer Leichtigkeit, die heutzutage vermutlich guttut.“ Der Film sei ein Plädoyer für die Freiheit in der Liebe: „Es geht um die Freiheit, sich jeden Tag neu füreinander zu entscheiden. Das ist doch wunderbar erwachsen.“
Gerade in schwierigen Zeiten könne Kino etwas bewirken, glaubt Berben. „In Zeiten, die oft überfordern, kann Kino ein sozialer Ort sein, an dem ganz verschiedene Menschen gemeinsam träumen. Wenn man danach rausgeht und denkt: ‚So schlimm ist es gar nicht. Es gibt immer eine zweite oder dritte Chance‘ – dann hat der Film etwas richtig gemacht.“
Regensburg als heimlicher Star
Gedreht wurde der Film in Regensburg – und die bayerische Stadt hinterließ bei Berben einen bleibenden Eindruck: „Es war ein Traum. Regensburg war fast wie ein weiterer Hauptdarsteller. Diese Stadt hat so viel Atmosphäre – die Steinerne Brücke, die Universität, die Gassen.“
Auch für die Arbeit am Set findet die zigfach ausgezeichnete Schauspielerin nur lobende Worte. Laut Berben herrschte insbesondere im Zusammenspiel mit den jüngeren Darstellern eine „großartige und leidenschaftliche“ Atmosphäre: „Die jungen Leute hatten nicht nur Lust, ihre eigene Rolle zu spielen, sondern das Ganze als Ensemble zu begreifen. Das fand ich wunderbar.“ Auch Heiner Lauterbachs Tochter Maya Lauterbach (23) spielt im Film mit, was bei den Dreharbeiten aber keine Rolle spielte. „Man hat das am Set gar nicht gespürt“, lobt Berben. „Heiner ist aber auch klug genug, Privates draußen zu lassen. Maya war vollkommen in die Gruppe integriert, sehr professionell. Die beiden haben aber auch schon öfter zusammen gedreht und somit Erfahrung.“
Und wie bleibt man offen für die jüngere Generation? Berbens Antwort ist so schlicht wie einleuchtend: „Indem man nie aufhört, Fragen zu stellen. Fragen sind für mich wichtiger als Antworten – weil sie ein Zeichen dafür sind, dass man noch denkt, fühlt und lernen will.“
SpotOnNews
Source: stern.de