Auch nach dem Beginn der zwischen den USA, Israel und dem Iran vereinbarten Waffenruhe wird weiter gekämpft. Vor allem Israel und die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon haben sich auch in der Nacht gegenseitig mit Raketen beschossen. Unter anderem in Tel Aviv lösten nahende Raketen Luftalarm aus. Zuvor hatten Israels Streitkräfte nach eigener Aussage Stellungen der Hisbollah im Libanon angegriffen. Dabei seien etwa zehn Abschussrampen getroffen worden, von denen aus zuvor Geschosse auf den Norden Israels abgefeuert worden seien, teilte das Militär mit. Die Zahl der Toten im Libanon durch israelische Angriffe am Mittwoch ist nach libanesischen Angaben inzwischen auf mehr als 300 gestiegen.
Israel und Libanon wollen Friedensgespräche führen
Trotz der fortwährenden Angriffe hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu Friedensgespräche mit dem Libanon in Aussicht gestellt. Der Libanon habe ihn wiederholt um direkte Gespräche gebeten, behauptete Netanjahu. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump in einem Interview gesagt, er habe mit Netanjahu gesprochen und dieser habe ihm eine Reduzierung der Attacken
zugesagt. Netanjahu bestätigte diese Angaben nicht. Stattdessen sagte er, Israel
werde die libanesische Hisbollah-Miliz weiterhin mit Härte bekämpfen und
nicht aufhören, ehe es Sicherheit für die Bevölkerung im Norden Israels
gebe.
Nach Angaben des US-Außenministeriums sollen die Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon kommende Woche in der US-Hauptstadt Washington stattfinden.
Durchfahrt durch Straße von Hormus weiterhin eingeschränkt
Auch zwei Tage nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe durchfahren nach wie vor nur wenige Schiffe die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus. Darunter waren zwei Tanker unter iranischer Flagge, wie das Schifffahrtsanalyseunternehmen Kpler mitteilte. Laut Daten der Plattform MarineTraffic passierte später ein erster nicht iranischer Tanker die Meerenge. Demnach handelte es sich um den unter gabunischer Flagge fahrenden Öltanker MSG. Am Donnerstag nahmen laut Kpler offenbar ein Dutzend weitere Schiffe Kurs auf die Meerenge zwischen dem Iran und Oman.
US-Präsident Trump beschuldigte den Iran, die Abmachungen bezüglich der Straße von Hormus verletzt zu haben. Der Iran mache einen „schlechten Job“ dabei, Öltanker durch die Meerenge fahren zu lassen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Er bezeichnete das Vorgehen des Iran als „unehrenhaft“. Das entspreche nicht der Vereinbarung, die man getroffen habe, schrieb Trump weiter. Es gebe Berichte, wonach der Iran Gebühren von Tankern für die Durchfahrt verlange. Er drohte, das solle der Iran besser nicht tun – „und falls sie es tun, sollten sie besser jetzt damit aufhören!“
Kuwait meldet Angriffe trotz Waffenruhe
Dass die Waffenruhe äußerst fragil ist, zeigte sich auch in Kuwait. Das Golfemirat meldete „feindliche Drohnenangriffe“. Die Drohnen seien in den Luftraum des Landes eingedrungen und hätten „mehrere wichtige Einrichtungen“ zum Ziel gehabt, teilte die Armee auf X unter Verweis auf Angaben des Verteidigungsministeriums mit. Die Abwehrsysteme seien aktiviert worden. Es war der erste gemeldete Angriff in einem Golfstaat am Tag nach der Bekanntgabe der zweiwöchigen Feuerpause zwischen den USA, Israel und dem Iran.
Irans früherer Außenminister Charrasi bei Luftangriff getötet
Der frühere iranische Außenminister Kamal Charrasi starb Behördenangaben zufolge nach einem Luftangriff an seinen Verletzungen. Er sei vor einigen Tagen bei einem israelisch-amerikanischen Luftangriff verwundet worden und sei nun ein Märtyrer, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Charrasi war von 1997 bis 2005 Außenminister der Islamischen Republik. Zuletzt war er Leiter des Strategischen Rats für Auswärtige Beziehungen. Medienberichten zufolge beriet er den obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei, der zu Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran getötet worden war.
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