Irans Öl-Depots unter Beschuss: Teherans Bevölkerung droht im Gift zu ersticken

Dichter, schwarzer Rauch steigt noch immer in den Himmel, Ruß bedeckt Straßen und Autos. Balkone sind von schwarzem Schlamm verkrustet. Eine giftige Luft bedroht die Lungen der Menschen, als Teheran nach einer Nacht ständiger Luftangriffe auf die Öllager erwacht ist.

In Nachrichten, die dem Guardian zugesandt wurden, schildern Menschen, in welcher Lage sie sich befinden. Einige sprechen von „apokalyptischen Zuständen“. Da die Sonne verdunkelt ist, müssen sie mitten am Tag die Lampen einschalten, um in der Düsternis etwas sehen zu können. Vier Öllager und ein Logistikzentrum für Erdölprodukte sind bisher getroffen worden. Die Behörden geben an, dass an einem der Angriffsorte sechs Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden sind.

„Die Situation ist so beängstigend, dass man sie kaum beschreiben kann“

Videos von Bürgerjournalisten zeigen, wie noch lange nach dem Beschuss gewaltige Flammen über den Dächern der Stadt liegen und weiterhin dichter Rauch über den Öllagern aufsteigt. Als es vor Tagen in der Zehn-Millionen-Metropole regnete, wurde gewarnt vor einem giftigen, säurehaltigen Niederschlag. Viele Einwohner wachten mit Schmerzen im Hals und brennenden Augen auf.

Negin*, eine Aktivistin und ehemalige politische Gefangene, die im zentralöstlichen Teil der Stadt lebt, teilte per Sprachnachricht mit: „Die Situation ist so beängstigend, dass man sie kaum beschreiben kann. Rauch hüllt die ganze Stadt ein. Ich habe starke Atemnot und ein Brennen in den Augen. Vielen anderen geht es genauso. Trotzdem müssen die Menschen nach draußen. Ihnen bleibt keine Wahl. Viele Lokale wollten öffnen, mussten aber gleich wieder schließen – der Erstickungsgefahr wegen.“

Die staatliche Umweltbehörde rät den Menschen, in ihren Häusern zu bleiben. Der iranische Rote Halbmond warnt vor möglichem sauren Regen, ausgelöst durch giftige Chemikalien, und empfiehlt, Klimaanlagen nicht einzuschalten. Außerdem sollten Lebensmittel besonders geschützt werden. Der Gouverneur fordert seit Tagen zum Tragen von Masken auf, sobald man ins Freie tritt.

Dr. Shahram Kordasti, ein in Großbritannien lebender iranischer Hämatologe und Onkologe, weist darauf hin, dass durch die Brände freigesetzte giftige Gase vor allem für die Atemwege gefährlich sind. Asthma, Lungen- und Herzkrankheiten würden akut verschlimmert.

Was passiert, wenn die Stauseen verseucht werden?

Negin, die sich eine Maske und einen Inhalator kaufen konnte, meint: „Ich appelliere an alle, die dazu in der Lage sind, besonders an die ausländischen Medien, über unsere Situation nachzudenken. Was sollen die Menschen unter diesen Umständen tun? Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

Über die anhaltenden amerikanisch-israelischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung äußert sie: „Das ist nicht mehr nur eine Menschenrechtsverletzung, sondern ein zutiefst unmenschliches Verhalten. Wenn jemand ein Problem mit der Regierung der Islamischen Republik hat, ist das eine Sache – aber nicht mit uns, dem Volk. Man kann nicht einfach Wasserversorgungssysteme oder Raffinerien angreifen. Der Großteil des Wassers in Teheran stammt aus Stauseen. Was passiert, wenn diese verseucht werden? Die Menschen sind im Grunde ihrem Schicksal überlassen.“

Negin, die sich entschieden hat, in Teheran zu bleiben, empfindet ein Gefühl großer Hilflosigkeit. „Im Land herrscht Mangel an Grundnahrungsmitteln. Kaum irgendwo gab es noch Benzin. Heute bekommen die Menschen vielerorts nur noch fünf Liter Treibstoff. Die Lage ist extrem belastend.“

Es liegt ein Geruch in der Luft, den ich nicht beschreiben kann“

Mehdi* ist ein 42-jähriger Restaurantbesitzer, der im Westen der Stadt lebt. Er schreibt, die Angst, giftige Gase einzuatmen und irgendetwas zu berühren, sei ähnlich groß wie während der Covid-Pandemie. „Wir stehen derart unter Schock, dass wir nicht einmal die Fenster und Balkone säubern. Überall ist Ruß, den wir nicht einmal mit Handschuhen anzufassen wagen. Meine Augen brennen, und ich sehe draußen Menschen ohne Masken, die ihrem Alltag nachgehen. Es liegt ein Geruch in der Luft, den ich nicht beschreiben kann.“

Mehdi berichtet weiter, er plane, die Stadt zu verlassen. Es sei zu gefährlich, in seinem Restaurant Essen zu servieren, solange man nicht wisse, ob das Wasser sicher sei. „Glaubt mir, wir sind auf uns allein gestellt. Dieses Regime kümmert sich nicht um uns, aber warum sollte ich eine ausländische Macht bitten, sich um uns zu kümmern? Warum die anflehen, die behaupten, wir hätten das provoziert: Nein! Wir haben nicht um den Tod unserer Leute gebeten. Und wenn es euch egal war, als sie uns niedergemäht haben, dann haltet jetzt den Mund.“

Als Israel vermehrt Öllager angriff, versuchte die 39-jährige Mehnaz* aus dem Süden der Hauptstadt zu fliehen. Sie nahm an, die Angriffe würden sich noch verschlimmern. Also packten sie und ihr Mann das Nötigste zusammen und stiegen ins Auto. Nach wenigen Minuten Fahrt sahen sie helle Flammen am Himmel, die aus der Richtung des Öldepots in Shahr-e Rey kamen. Allerdings glaubten sie, es handle sich nur um eine der üblichen Explosionen, und fuhren weiter, ohne zu ahnen, dass Unmengen von Rohöl verbrannten.

Da das Regime eine Internetsperre verhängt hat, kursieren so gut wie keine Informationen darüber, was, wo und wie schwer getroffen worden ist. Mehnaz schrieb noch: „Ich dachte, ich könnte sicher fliehen, aber ich musste zurückkehren, weil es kein Durchkommen gab. Teheran brennt. Im Moment ist es unmöglich, die Stadt zu verlassen. Ich weiß nicht, ob ich abwarten oder mich in die Flammen wagen und hinausfahren soll. Ich habe nicht einmal eine Maske.“ Schließlich ist Mehnaz doch noch geflohen und hat bei ihren Eltern in der Provinz Zuflucht gesucht.

*Name geändert

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