Wie sehr das Kriegsgeschehen im Nahen Osten auch an den Nerven in Berlin zerrt, konnte man in einem Interview hören, das der Deutschlandfunk mit Armin Laschet führte. Darin explodierte der sonst so sanft wirkende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag geradezu, weil der Interviewer, dem er eine „Israel-Phobie“ unterstellte, „in jedes Thema“ habe „Israel hineinmischen“ wollen.
Wie aber sollte man nicht über Israel sprechen in einem Gespräch über den amerikanisch-israelischen Krieg gegen Iran, über die Militärschläge Israels in Libanon und über die Rolle Deutschlands in einer Krisen- und Kriegsregion, in der nun wirklich alles mit allem zusammenhängt?
Das konnte auch Bundeskanzler Merz nicht vermeiden, als er berichtete, Netanjahu zur Beendigung der „nochmals verschärften Angriffe“ in Libanon aufgefordert zu haben, die auch Laschet als unverhältnismäßig einstufte (und damit unausgesprochen als völkerrechtswidrig).
In Berlin, aber auch in anderen europäischen Hauptstädten fürchtet man, dass die Fortsetzung des israelischen Feldzugs gegen die Hizbullah, die letzte bedeutende Schattenarmee Irans, Teheran dazu bringen könnte, wieder zu den Waffen zu greifen. Damit würde auch die Sperrung der Straße von Hormus verlängert, die auch in der vereinbarten, aber brüchigen Feuerpause nur von den einzelnen Schiffen durchfahren werden kann, denen die Mullahs die Passage erlauben, offenbar gegen Wegezoll.
Berlin versucht aber nicht nur auf Israel einzuwirken, sondern nach langer Funkstille auch auf Teheran. Da es nicht einmal der Supermacht USA gelang, das Mullah-Regime wegzubomben und eine Schlagader der Weltwirtschaft aus dessen Würgegriff zu befreien, bleibt auch den Europäern wenig anderes übrig, als mit Teheran zu reden, ohne Erfolgsgarantie. Das gälte erst recht, wenn Trump die Lust an dem von ihm und Netanjahu angerichteten Schlamassel verlöre und es der restlichen Welt überließe, mit einem Regime zurechtzukommen, das nun an einem ganz langen Hebel sitzt.
Source: faz.net