Der spanische Außenminister José Manuel Albares zeigt sich von den Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus „überrascht“. Dessen Äußerungen erweckten den Anschein, als würden sie die Drohungen von US-Präsident Donald Trump unterstützen, den Handel mit Spanien einzuschränken.
Merz hatte bei seinem Treffen mit Trump gesagt, dass man versuchen werde, Spanien davon zu überzeugen, die in der Nato vereinbarten Verteidigungsausgaben in Höhe von drei oder dreieinhalb Prozent am Bruttoinlandsprodukt zu erreichen. „Spanien ist das einzige Land, das nicht bereit ist, dies zu akzeptieren“, sagte Merz.
Zuvor hatte Trump Spanien mit einem vollständigen US-Handelsembargo gedroht, nachdem der Nato-Verbündete sich geweigert hatte, dem US-Militär die Nutzung seiner Stützpunkte für Missionen im Zusammenhang mit Angriffen auf den Iran zu gestatten. „Spanien war schrecklich“, sagte Trump zu Reportern während des Treffens mit dem deutschen Bundeskanzler und fügte hinzu, er habe Finanzminister Scott Bessent angewiesen, „alle Geschäfte“ mit Spanien abzubrechen. „Wir wollen nichts mehr mit Spanien zu tun haben.“
Merz hatte Spanien zunächst nicht in Schutz genommen
„Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht nutzen dürfen“, sagte Trump. Merz hatte Spanien daraufhin nicht in Schutz genommen. Erst nach dem Treffen mit Trump habe er zu ihm gesagt: „Spanien ist Mitglied der Europäischen Union und als solche führen wir Verhandlungen über ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht.“
Merz warnte Trump davor, dass die EU bei Strafmaßnahmen gegen Spanien gemeinsam reagieren werde. Trumps Kritik an dem britischen Premierminister Keir Starmer nannte er unfair. Großbritannien leiste „einen wirklich sehr, sehr großen, sehr, sehr wertvollen Beitrag“, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Merz sagte jedoch, dass er diese Kritik nur hinter verschlossenen Türen geäußert habe. Er habe Trump unter vier Augen mitgeteilt, dass Spanien nicht von einem im vergangenen Jahr zwischen Brüssel und Washington geschlossenen Handelsabkommen ausgeschlossen werden könne.
Die USA mussten 15 Flugzeuge, darunter Tankflugzeuge, von den Militärstützpunkten Rota und Moron in Südspanien verlegen, nachdem die sozialistische Führung des Landes erklärt hatte, sie werde nicht zulassen, dass diese für einen Angriff auf den Iran eingesetzt würden.
Außenminister Johann Wadephul betonte nach der US-Kritik die Solidarität innerhalb der EU. Nach dem informellen Treffen des Ostseerats in Warschau, sagte der CDU-Politiker: Europa lasse sich nicht auseinanderdividieren. „Und wir lassen auch nicht zu, dass ein einzelner Mitgliedstaat wettbewerbsrechtlich oder beim Marktzugang bedroht wird.“ Die EU stehe zusammen, sagte der Minister. „Und das gilt auch für Spanien ganz selbstverständlich.“
Macron sichert Spanien Unterstützung zu
Nach den Drohungen von Trump gegen Spanien telefonierte zudem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez. In dem Gespräch habe Macron den Spaniern die „europäische Solidarität Frankreichs“ zugesichert, hieß es aus seinem Umfeld.
Frankreich sah sich in der Vergangenheit bereits mehrfach der Kritik Trumps ausgesetzt. So hatte Trump im Januar wegen der zögerlichen Haltung Frankreichs beim Beitritt zum von den USA ins Leben gerufenen Friedensrat für den Gazastreifen mit Zöllen von 200 Prozent auf Wein und Champagner gedroht.
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