Irankrieg: So steht es um die Öl- und Gasproduktion im Nahen Osten

Erdölfeld in Shaybah, Saudi-ArabienQuelle: AFP

Knapp drei Wochen nach Beginn des Krieges im Nahen Osten mehren sich die Sorgen um eine länger anhaltende Energiekrise. Schon jetzt handelt es sich nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) um die größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des global organisierten Ölmarkts. Wann die Welt wieder mit Öl und Gas aus der Region versorgt wird, hängt aber nicht nur von der Dauer des Konfliktes und einer möglichen abermaligen Öffnung der Straße von Hormus ab, sondern auch vom Zustand der Produktionsanlagen.

Der F.A.Z. vorliegende Daten des norwegischen Beratungsunternehmens Rystad Energy zeigen erstmals, wie stark die Mineralölkonzerne ihre Produktion in der Region mittlerweile gedrosselt haben – manche, weil die Brennstoffe nicht abtransportiert werden können, andere als Vorsichtsmaßnahme oder weil Anlagen tatsächlich beschädigt wurden. 

„Zuerst dachten viele Energiehändler, der Krieg gehe schnell zu Ende “, sagt Tatiana Mitrova vom Center on Global Energy Policy an der US-amerikanischen Columbia University. „Aber jetzt sehen wir immer wieder heftige Angriffe auf die Energieinfrastruktur, darunter Raffinerien und Häfen. “ Das neue Regime in Iran hatte nach einem israelischen Angriff auf das Aghdasieh-Öllager und dem anschließenden „schwarzen Regen “ in Teheran deutlich gemacht, dass es keine roten Linien mehr gebe. 

„Ich befürchte, dass es jetzt noch schlimmer kommt “, sagt Mitrova. „Und das bedeutet, dass der Wiederaufbau der Anlagen deutlich länger dauern könnte – selbst wenn der militärische Konflikt sich irgendwann wieder beruhigt.“ Auch der deutsche Gashändler Uniper geht davon aus, dass Iran ganz gezielt die Energieinfrastruktur seiner Nachbarländer ins Visier nimmt. „Wir nehmen an, dass sie diese Strategie so lange verfolgen werden, wie sie können “, sagt Chefanalyst Gregor Pett.

In den vergangenen Tagen stand besonders die Insel Kharg im Fokus, auf der sich Irans wichtigstes Öllager sowie Exportterminal befinden. Die USA haben nach eigenen Angaben bislang nur militärische Infrastruktur auf der Insel beschossen, aber Präsident Donald Trump hat schon damit gedroht, auch die Ölinfrastruktur zu attackieren, sollte Iran den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus weiter blockieren. Die meisten Ölfelder in Iran haben jetzt schon ihre Produktion eingeschränkt, zeigen die Daten von Rystad. Mindestens drei Öllager sowie eine Raffinerie im Süden wurden von israelischen Luftschlägen getroffen. 

Der mit Abstand größte Ölproduzent im Nahen Osten ist Saudi-Arabien; dort wurden vor dem Krieg nach IEA-Angaben jeden Tag 10,4 Millionen Barrel gefördert. Jetzt hat Staatskonzern Saudi Aramco den Export aus seinen größten Offshorefeldern Safaniya, Marjan, Zuluf und Abu Safa ganz eingestellt sowie die Produktion in Shaybah und Berri als Vorsichtsmaßnahme gedrosselt. Besonders kritisch wäre ein Ausfall der Abqaiq-Raffinerie, die als die größte der Welt gilt.

Insgesamt ist nach Angaben von Rystad schon jetzt ein Fünftel des gesamten saudischen Angebots betroffen, etwa zwei Millionen Barrel am Tag. Ein ähnliches Bild bietet sich in Irak, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten (siehe Karte). Oft kann das Öl nicht abtransportiert werden, sodass es nun im Boden verbleibt. In Bahrain wurde die Sitra-Raffinerie von einer Drohne getroffen. Rystad geht davon aus, dass es etwa einen Monat dauern könnte, die Förderung in geschlossenen, physisch noch intakten Anlagen wieder hochzufahren. 

Übersichtlicher ist die Situation beim Gas: Qatar war vor dem Krieg einer der wichtigsten Flüssiggasproduzenten weltweit. Doch nach einem israelischen Drohnenangriff Anfang März auf die größte Raffinerie des Landes hat Qatar Energy höhere Gewalt geltend gemacht und den Betrieb eingestellt – obwohl die Anlage nach Rystad-Erkenntnissen physisch kaum beschädigt wurde. Doch weil das Flüssiggas weder abtransportiert noch vor Ort gespeichert werden kann, ergibt ein Weiterbetrieb für Qatar Energy keinen Sinn. Ein Wiederhochfahren der Anlage könnte demnach etwa eine Woche dauern. 

Uniper-Analyst Pett geht davon aus, dass sich die Märkte derzeit auf eine längere Krise vorbereiten. „Selbst wenn die Angriffe aufhören und weniger Infrastruktur als erwartet zerstört ist, wird eine Risikoprämie im Markt verbleiben “, sagt er. Sprich: Öl und Gas im Vergleich zu der Zeit vor dem Krieg verteuern. Optimistischer gibt sich die IEA; sie schätzt, dass sich die Ölproduktion im Nahen Osten bis zum Sommer schrittweise erholen könnte, verweist aber ebenfalls auf ein „hohes Maß an Unsicherheit “ in ihrer Prognose. 

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