Die in der Opec-Gruppe zusammengeschlossenen erdölexportierenden Länder haben zum zweiten Mal in Folge eine Erhöhung ihrer Produktionsquoten für den kommenden Monat beschlossen. Als Reaktion auf die durch den
Irankrieg ausgelöste Mangel-Versorgung an den Energiemärkten wollen sie ab Mai 206.000 Barrel zusätzlich pro Tag fördern, teilte die Organisation am
Sonntag mit. Zur Opec-Gruppe gehören die weltweit führenden Ölproduzenten Saudi-Arabien, Russland und mehrere
Golfstaaten.
Experten zufolge
dürfte der Schritt zunächst jedoch nicht zu einer Verbesserung der
Lage an den Ölmärkten führen. Denn wichtige Mitglieder der Gruppe können ihre Produktion wegen des Irankriegs nicht steigern. Die
Exporte der Opec-Mitglieder Saudi-Arabien, Kuwait, Vereinigte
Arabische Emirate und Irak fallen aus, weil Iran die Straße von Hormus blockiert. Zudem hat der Iran immer wieder Erdölförderanlagen in den Golfstaaten angegriffen.
Die Opec-Gruppe teilte mit, dass infolge von
Schäden an der Energieinfrastruktur weiterhin mit Preisschwankungen auf
dem Ölmarkt zu rechnen sei. Von entscheidender Bedeutung sei „die
Sicherung internationaler Seewege, um einen ununterbrochenen
Energiefluss zu gewährleisten“, hieß es weiter. Die weltweite Versorgung werde
möglicherweise noch lange beeinträchtigt sein.
Rückkehr zum Normalbetrieb könnte Monate dauern
Die beschlossene Quotenerhöhung entspricht weniger als zwei
Prozent der ausgefallenen Liefermenge. Sie signalisiere jedoch
die Bereitschaft, die Förderung nach einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus hochzufahren, hieß es aus Opec-Kreisen. Mehrere Vertreter der Golfstaaten sagten, eine Rückkehr zum
Normalbetrieb werde selbst bei einem sofortigen Kriegsende Monate
dauern.
Die Opec+ umfasst 22 Mitglieder, darunter den Iran. An den monatlichen Produktionsentscheidungen sind in den vergangenen Jahren jedoch nur acht Länder beteiligt gewesen. Diese hatten bereits für April eine Erhöhung beschlossen.