Wenn die Welt kriegerischer wird und die Finanzmärkte nervös werden, dann ist die Reaktion oft die gleiche. Die Anleger flüchten in sichere Häfen, also vor allem in Gold, den Schweizer Franken, den Dollar und in amerikanische Staatsanleihen. Doch diesmal ist es nicht so eindeutig.
Seit im Nahen Osten die Bomben fallen, ist Gold entgegen den Erwartungen um sieben Prozent gefallen, und die Kurse von US-Staatsanleihen sind auf dem niedrigsten Stand des Jahres. Von Schutzfunktion in Krisenzeiten also keine Spur. Auf der anderen Seite war der Franken tatsächlich etwas gefragter, aber vor allem der Dollar. Am Montag und Dienstag, den ersten Handelstagen nach Kriegsausbruch, legte er 2,5 Cent zum Euro zu. Für den Devisenmarkt sind das heftige Ausschläge.
Internationales Geld fühlt sich nicht sicherer in den USA
Man könnte nun annehmen, dass die Vereinigten Staaten trotz der Trump’schen Handelspolitik wieder zum sicheren Hafen geworden sind, nachdem es 2025 daran einige Zweifel gab. Doch schon die negative Entwicklung der US-Staatsanleihen lässt daran zweifeln.
Die Stärke des Dollars ist vielmehr dem geschuldet, dass der Handel mit Öl und Gas in dieser Währung abgerechnet wird. Die jüngsten Energiepreissteigerungen führen dadurch auch zu einer höheren Nachfrage nach Dollar. Das heißt also nicht, dass sich das internationale Geld in den USA sicherer fühlt.
Allerdings sind die USA auch Nettoexporteur von Öl und damit derzeit weniger anfällig für Energiepreiserhöhungen als Europa oder Asien. Professionelle Anleger reduzieren daher ihre bisherige Übergewichtung in europäische Unternehmen und nichtamerikanische Währungen und schichten sie in die USA um. Das stützt den Dollar. Anleihen leiden hingegen durch steigende Inflationssorgen wegen der höheren Energiepreise. Mit einem sicheren Hafen USA hat das alles wenig zu tun.
Source: faz.net