Der Iran hat nach Angaben des Staatsfernsehens zwei ballistische Raketen auf einen von Großbritannien und den USA gemeinsam genutzten Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia abgefeuert. Keines der beiden Geschosse habe die Militärbasis im Indischen Ozean getroffen, berichteten das Wall Street Journal und der Sender CNN unter Berufung auf ranghohe US-Beamte. Demnach versagte eines während des Fluges und das zweite wurde abgefangen.
Der Stützpunkt auf Diego Garcia liegt etwa 4.000 Kilometer südöstlich der iranischen Küste. Dieser Distanz kommt militärstrategisch große Bedeutung zu. Sie lag bis jetzt außerhalb der offiziell bestätigten Reichweite des iranischen Raketenarsenals von 2.000 Kilometern. Es gab aber schon lange Befürchtungen, dass der Iran über die technologischen Mittel verfügt, den Radius über die bisherigen 2.000 Kilometer hinaus zu verdoppeln. Iranische Raketen könnten dann theoretisch nicht nur Deutschland, sondern auch Süd-, West- und Nordeuropa erreichen.
Iranische Staatsmedien stellten den Angriff deswegen als Beweis militärischer Stärke dar. Die der Revolutionsgarde nahestehende Nachrichtenagentur Fars behauptete, der Iran könne auch Europa erreichen. Die Raketenkapazitäten des Iran bestünden weiterhin und widerlegten die Behauptung von US-Präsident Donald Trump, dass diese zu 100 Prozent zerstört worden seien.
Diego Garcia ist britisches Territorium
Die Revolutionsgarde erklärte im Staatsfunk, man spreche mit den Gegnern nur noch eine Sprache der militärischen Stärke. Diese Stärke habe man auch in der Straße von Hormus bewiesen. Die Garden behaupteten, Israel, die USA und der Westen hätten ihr Ansehen verloren und spielten keine Rolle mehr in der Region. „Wir haben die Kontrolle über den Himmel über euren Köpfen“, hieß es weiter.
Beobachter sehen darin demonstratives Selbstbewusstsein und den Versuch, die innenpolitische Macht der Revolutionsgarde zu unterstreichen. Israel und die USA haben nach drei Wochen Krieg die Lufthoheit über dem Iran.
Der Nahostfachmann Nawaf al-Thani schrieb dazu auf der Plattform X: „Eine Reichweite von 4.000 Kilometern verändert die Lage grundlegend.“ Danny Citrinowicz, einer der führenden Irananalysten, erklärte auf X, der jüngste Raketenangriff sei eine direkte Folge der sich wandelnden Machtverhältnisse im Iran – insbesondere der zunehmenden Dominanz der Revolutionsgarde. Unter dem getöteten Ajatollah Ali Chamenei habe mehr militärische Zurückhaltung geherrscht. Der israelische Iranexperte Raz Zimmt schrieb auf der Plattform, dass der Iran versuche, den Konflikt als strategische Chance zu nutzen, um eine neue regionale Ordnung zu gestalten. Nach seiner Analyse will das Regime in Teheran seine Nachbarn durch Abschreckung dazu bringen, die US-Militärpräsenz in der Region zu beenden.
Diego Garcia ist das größte Atoll des Chagos-Archipels im Indischen Ozean. Das Gebiet ist britisches Territorium und wird militärisch von Großbritannien und den USA genutzt. Es liegt fernab der großen Landmassen, mehrere Hundert Kilometer südlich der Malediven und weit westlich von Australien. Die Basis auf dem Atoll verfügt über eine rund 3,6 Kilometer lange Landebahn. Sie ist für schwere, strategische Bomber ausgelegt. Der Hafen kann große Flugzeugträgergruppen und Versorgungsschiffe aufnehmen. Schweres Militärgerät kann im Krisenfall schnell in den Persischen Golf verschifft werden.
Auf der Insel gibt es eine Bodenstation für das globale Navigationssatellitensystem GPS sowie Weltraumüberwachungs- und Kommunikationsanlagen. Weil der Stützpunkt abgeschieden liegt und dennoch große Reichweiten ermöglicht, gilt er als ein strategischer Schlüsselpunkt der US-britischen Militärpräsenz im Indischen Ozean.