Irankrieg: 30.000 deutsche Urlauber in dieser Golf-Region in Not

Die Rückkehr von Reisenden aus der Golfregion läuft an. Am Dienstagmittag landete in Frankfurt das erste Passagierflugzeug aus Dubai seit der Eskalation des Nahostkonflikts. Nach der Landung des Airbus A380 der Airline Emirates lagen sich Heimkehrer mit Freunden und Familien in den Armen. Kurz zuvor waren Flüge nach London und Paris gestartet. Schon am späten Vorabend war nach Daten der Seite Flightradar24 in Richtung Deutschland ein DHL-Frachtflug nach Leipzig abgehoben. Für den Abend wurde in München ein zweiter Flieger der Gesellschaft Emirates erwartet. An Bord sollte auch eine größere Zahl von Urlaubern sein, die mit dem Reisekonzern TUI im Urlaub waren, wie ein Konzernsprecher auf der Reisemesse ITB in Berlin bestätigte.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind rund 30.000 deutsche Kunden von Reiseveranstaltern in der Region gestrandet, nachdem nach Angriffen der Luftraum gesperrt worden ist. Allein TUI hat mehr als 5000 Passagiere auf zwei Kreuzfahrtschiffen, die seit dem Wochenende in den Häfen von Abu Dhabi und Doha liegen. Die Bundesregierung will ihre Rückholaktion für Kinder, Kranke und Schwangere aus Nahost an diesem Mittwoch starten.

Ein erster Flug sei nach Maskat geplant, der Hauptstadt des Omans, kündigte Außenminister Johann Wadephul (CDU) im Sender Welt TV an. Wie lange es dauern wird, bis alle Betroffenen heimgekehrt sein werden, ist offen. Für konkrete Angaben sei es zu früh. „Der Zeithorizont lässt sich erst genau bestimmen, sobald sich der Flugverkehr etwas normalisiert“, erklärte TUI-Deutschland-Chef Benjamin Jacobi auf der ITB. Aktuell sei der Flughafen in Dubai noch für den regulären Verkehr geschlossen, lediglich einige Heimkehrflüge für festsitzende Reisende fänden bislang statt.

Deutsche Reiseveranstalter buchen ihre Gäste um

TUI erklärte, dass die jeweiligen Airlines, bei denen für die betroffenen Urlauber Flüge gebucht waren, den Reisenden mitteilen würden, wann Ersatzverbindungen angesetzt würden. Die Kreuzfahrtsparte TUI Cruises führe keinen Auswahlprozess durch, in dem einzelne Passagiere bevorzugt werden könnten. Sowohl TUI als auch die Deutsche Lufthansa haben sich bereiterklärt, mit eigenen Flügen Rückholaktionen zu unterstützen. An Flugzeugen und Besatzungen dafür scheitere es nicht, es seien aber wegen der bestehenden Verkehrseinschränkungen behördliche Sondergenehmigungen nötig.

Für TUI kommt hinzu, dass die deutsche TUI-Fly-Flotte regulär nur auf kürzeren Strecken eingesetzt wird und über keine Landerechte in den Emiraten verfügt. So starteten am Dienstag lediglich Maschinen der beiden emiratischen Airlines Etihad und Emirates. Dass Maschinen deutscher Airlines zeitnah selbst Flüge aus der Golfregion anbieten, gilt laut Branchenverband als eher unwahrscheinlich. „Sie bräuchten eine Absicherung durch eine Versicherung“, sagte der DRV auf Anfrage der F.A.Z.

Deutsche Reiseveranstalter buchen ihre Gäste auf diese Flüge um. Mittlerweile befinden sich Unternehmen der Reisebranche und das Auswärtige Amt in einem intensiven Austausch, um möglichst zügig Reisende heimkehren zu lassen. Jenseits der offiziellen Veranstaltungen auf der Reisemesse wird allerdings geraunt, dass dieser Austausch zunächst zögerlich anlief.

Flüge nach Moskau würden demnach umgerechnet 20.000 Euro kosten

Wie die Bundesregierung will auch die französische Regierung schutzbedürftige Landsleute ausfliegen. „Wir bereiten uns darauf vor, Flüge zu chartern, vor allem für die Menschen, die begleitet werden müssen“, sagte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot am Dienstag dem Sender BFM. Frankreich habe Plätze bei kommerziellen Fluggesellschaften reserviert, werde aber voraussichtlich auch eigene Flugzeuge chartern oder möglicherweise Regierungsmaschinen einsetzen. Wie viele Menschen dies nutzen könnten, sagte er nicht.

Berichten zufolge verlassen Reisende die betroffenen Länder gen Riad in Saudi-Arabien. Von der Stadt im Landesinneren heben mehr Maschinen ab, wie die Plattform Flightradar24 zeigt. Das Portal „Business Insider“ berichtet gar von SUV-Konvois privater Sicherheitsfirmen, die Manager zu Privatjets nach Riad oder in den Oman bringen. Laut der englischen Zeitung „The Guardian“ stiegen die Preise für private Jets aus diesen Ländern stark. Flüge nach Moskau würden demnach umgerechnet 20.000 Euro kosten, nach Istanbul gar 85.000 Euro – der dreifache Preis.

Reisende sollten sich allerdings „nicht eigenständig zum Flughafen oder in das Nachbarland begeben. Dies ist die ausdrückliche Aufforderung im Reisehinweis des Auswärtigen Amts“, so der DRV. Nicht nur Rückholaktionen der Urlauber beschäftigen deutsche Unternehmen, der Krieg beeinträchtigt auch den globalen Frachtverkehr. Etwa 18 Prozent der weltweiten Kapazität in der Luftfracht seien durch ‌die jetzige Situation „gegroundet“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Schweizer Logistikkonzerns Kühne + Nagel, Stefan Paul, am Dienstag im Gespräch mit Journalisten.

Versicherer haben Preise um 50 Prozent erhöht

Wegen der fehlenden Kapazität könne es in rund einer Woche in Asien für Fracht in Richtung Amerika und vor allem in Richtung Europa zu einem Rückstau kommen. Es gebe nicht genug Maschinen, um die anfallenden Waren an ihren Bestimmungsort zu bringen. Und damit steige die Komplexität. „Das ist so ein bisschen ähnlich, aber natürlich eingegrenzter, wie wir das während der Corona-Pandemie gesehen haben“, sagte Paul. Dubais Fluggesellschaft Emirates lade Fracht nicht nur in den Passagiermaschinen zu, sondern habe auch eine Flotte von Frachtmaschinen, die nun nicht fliegen könnten.

Kühne + Nagel, das mit einem Umsatz von 24,5 Milliarden Franken zu den führenden See- und Luftfrachtspediteuren der Welt zählt, versucht, den sich abzeichnenden Transportbedarf mit Chartermaschinen zu decken. Man will Frachtflugzeuge mieten, die derzeit in anderen Teilen der Welt unterwegs sind. Für die Kunden, die ihre Ware unbedingt von A nach B bringen wollen, dafür nun aber nicht mehr das Drehkreuz Dubai nutzen können, wird das allerdings teuer. Paul erinnerte daran, dass sich die Charterpreise in der Pandemie relativ schnell verdoppelt hätten. „Das sind in etwa die Ausschläge, wenn zu wenig Kapazität auf eine gleich bleibende oder steigende Nachfrage stößt.“

Vor Kriegsbeginn kostete es im Schnitt 450.000 Dollar, eine Frachtmaschine vom Typ B777 für die Strecke von Asien nach Europa zu chartern. Die Preisaufschläge gebe Kühne + Nagel ebenso an die eigenen Kunden weiter, wie die Reedereien ihrerseits die Risiko-, Treibstoff- und Versicherungszuschläge weiterreichten. Die Versicherer hätten die Preise für den Kriegsversicherungsschutz in der Region um rund 50 Prozent erhöht.

Die Reiseanbieter TUI und Alltours erklärten am Dienstag in Berlin, dass für Reisende keine Mehrkosten durch notgedrungen längere Aufenthalte entstehen sollen. Befürchtungen zu möglichen Nachzahlungen waren aufgekommen, da es in der Branche gestützt auf die EU-Fluggastrechteverordnung ansonsten gebräuchlich ist, für drei Tage für Verpflegung und Unterbringungen aufzukommen.

Alltours-Manager Georg Welbers erklärte, dass das Unternehmen angesichts der Sonderlage keine Begrenzung vorsehe. Einen Nachfragedämpfer für den Sommer erwarten die Reiseanbieter nicht. Die Buchungsstände lägen über den Vergleichswerten aus dem Vorjahr, auch in den vergangenen Tagen seien mehr Neubuchungen eingegangen, allerdings war vor genau einem Jahr die Karnevalshochphase. Urlauber würden sich 2026 aber zum Teil in der Zielwahl noch umentscheiden. „Es ist zu erwarten, dass im westlichen Mittelmeerraum die Preise noch etwas anziehen“, sagte TUI-Manager Jacobi. Hotelpartner dort würden sich schon auf höhere Nachfrage einstellen.

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