Iran: Wer ist Modschtaba Chamenei?


Porträt

Stand: 09.03.2026 • 09:59 Uhr

Modschtaba Chamenei ist der neue oberste Führer Irans. Nach dem Tod seines Vaters war sein Name schon länger im Gespräch. Wer ist Modschtaba und was bedeutet die Entscheidung für das Land?

Die optische Ähnlichkeit mit dem Vater sieht man sofort. Jetzt tritt Modschtaba Chamenei auch politisch und religiös in dessen Fußstapfen – als neuer Oberster Anführer des Iran. Der 56-Jährige gilt, wie sein Vater, der getötete Ajatollah Ali Chamenei, als religiöser Hardliner: ein ranghoher Geistlicher, der der Revolutionsgarde nahesteht.

Bislang war Modschtaba Chamenei eher im Verborgenen tätig, arbeitete im Büro des Vaters mit, soll aber schon da viel Einfluss gehabt haben. In der Öffentlichkeit tauchte sein Name erstmals 2005 auf, als der Hardliner Mahmud Ahmadinedschad Präsident Irans wurde.

Damals beschuldigte der reformorientierte Gegenkandidat Mehdi Karroubi Modschtaba Chamenei, in die Wahl eingegriffen zu haben, über seine Kontakte zur Revolutionsgarde und zur dazugehörigen Basidsch-Miliz. Sie hätten Geld an religiöse Gruppen verteilt, um Ahmadinedschad zur Wahl zu verhelfen. Ähnliche Vorwürfe gab es bei der Wiederwahl vier Jahre später, was Massenproteste auslöste, die als „Grüne Bewegung“ bekannt wurden.

Langjährige Verbindung zur Revolutionsgarde

Die enge Verbindung zur Revolutionsgarde knüpfte Modschtaba schon in jungen Jahren. Ende der 1980er-Jahre trat er der Gruppe bei, die mittlerweile auch von der Europäischen Union als Terrororganisation gelistet wird. Zusammen mit ihrer Basidsch-Miliz ist sie verantwortlich für die Verfolgung und Ermordung von Regimekritikern und für die brutale Niederschlagung der Proteste im Land.

Seine religiöse Karriere hingegen begann Modschtaba Chamenei verhältnismäßig spät: Mit 30 Jahren entschied er sich für Turban und Gewand. Damals ging er nach Ghom, um seine religiösen Studien fortzusetzen. Die Stadt gilt als bedeutendes Zentrum für schiitische Theologie.

Modschtaba Chamenei könnte auf Ablehnung stoßen

Ein großer Teil der Menschen im Iran dürfte Modschtaba Chamenei, wie schon seinen Vater, ablehnen. Und auch in regimenahen Kreisen hatte es schon im Vorfeld Kritik gegeben. Dass der Sohn die Geschicke des Vaters übernimmt, halten selbst manche Anhänger des Regimes für falsch, weil es den Eindruck einer Erbmonarchie erwecken könnte – ein Modell, das die islamische Revolution mit dem Sturz des Schas eigentlich ablösen wollte.

Im aktuellen Krieg könnte Modschtaba zur neuen Zielscheibe werden: Israel hat bereits angekündigt, nach der Tötung von Ajatollah Ali Chamenei auch jeden Nachfolger ins Visier zu nehmen.

Source: tagesschau.de