Zunächst sah es nach einer Entspannung aus: Die USA und der Iran einigten sich auf eine Waffenruhe, nach wochenlanger Blockade konnten wieder Öltanker durch die Straße von Hormus fahren. Dann scheiterten Friedensgespräche in Pakistan und US-Präsident Donald Trump kündigte eine US-Blockade der Meerenge an. An diesem Montag um 16 Uhr (MEZ) soll sie in Kraft treten. Was sie für die Lage vor Ort, für den internationalen Ölhandel und den weiteren Krieg bedeuten könnte:
Wie genau soll die Blockade aussehen?
In seiner
ersten Ankündigung schrieb US-Präsident Donald Trump, man werde die
Durchfahrt aller Schiffe durch die Straße von Hormus stoppen. Später
stellte das zuständige Regionalkommando Centcom klar, die Blockade gelte
nur für Schiffe, die iranische Häfen ansteuern oder verlassen. Unter
welcher Flagge die Schiffe dabei fahren, wird vermutlich nicht
entscheidend sein. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge werde darüber
hinaus nicht eingeschränkt – ein Schiff, das Öl an einem Terminal im
Oman aufnimmt, dürfte demnach die Straße passieren.
Schiffe, die
iranisches Öl transportieren, sollen hingegen von der US-Marine gestoppt
oder zum Umkehren gezwungen werden. Soldaten der Navy würden dann
vermutlich die Schiffe beobachten, eskortieren oder abfangen und wenn
nötig auch an Bord gehen. Centcom forderte Seeleute auf, sich über die
aktuelle Lage zu informieren und per Funk Kontakt zur US-Marine
aufzunehmen.
Wie ist die Lage vor Ort?
Am Montag blieb der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus stark eingeschränkt. Schiffe scheinen die Meerenge zu meiden. Analysen von Schiffsdaten des Trackingportals Vesselfinder zeigen, dass derzeit mindestens 14 Schiffe im Bereich der Straße von Hormus unterwegs sind.
Drei mit Rohöl oder Ölprodukten beladene Tanker haben in den vergangenen Stunden den Persischen Golf vor dem Inkrafttreten der US-Blockade verlassen. Alle drei Schiffe bewegten sich entlang der vom Iran vorgegeben Route. Mindestens ein Öltanker unter der Flagge Vietnams hat die Straße von Hormus in die entgegensetzte Richtung auf dem Weg in die Vereinigten Arabischen Emirate durchquert. Auch ein chinesisches Frachtschiff unter der Flagge der Marschallinseln fuhr am Vormittag in den Persischen Golf ein. Als Ziel hatte das Frachtschiff einen Hafen im Irak angegeben.
Die Analysefirma Windward bezeichnet die Passage dennoch weiterhin als „unsicher“, obwohl die Anzahl der durchfahrenden Schiffe derzeit etwas höher ist als in den vergangenen Tagen. Einige Reeder änderten ihre Pläne kurzfristig, bevor die US-Deadline für die Blockade verstrichen war. Mindestens zwei Schiffe, ein Tanker für Flüssigerdgas unter der Flagge Hongkongs und ein chinesisches Frachtschiff, die am Montag in den Persischen Golf unterwegs waren, sind in den vergangenen Stunden umgedreht. Beide Schiffe entfernten sich inzwischen wieder von der Straße von Hormus.
Wie viel Öl könnte vom Markt ferngehalten werden?
Ob die Ankündigung genau so umgesetzt wird und Öltanker ohne iranische Beteiligung tatsächlich ungehindert durchfahren können, wie Trump sagt, bleibt abzuwarten. Vor der Ankündigung einer Waffenruhe waren nach Angaben des Rohstoffmarktanalysten Kpler durch die Blockade durch den Iran täglich um die 11 Millionen Barrel Öl (jeweils rund 159 Liter) vom Markt genommen worden. Vor allem der Irak war von der Schließung schwer betroffen und exportierte laut Kpler anstatt möglichen 4 Millionen Barrel nur noch rund 900.000 Barrel täglich.
Sollte jetzt nur der Ölexport des Iran blockiert werden, würde weiterhin eine wichtige Quelle des Ölmarktes abgeschnitten. Vor Kriegsbeginn hatte der Iran seine Ölproduktion hochgefahren. Im März wurden pro Tag etwa 1,84 Millionen Barrel, im bisherigen April rund 1,71 Millionen Barrel Öl exportiert (zum Vergleich: 2025 lag der Durchschnitt bei 1,68 Millionen Barrel am Tag).
Die Frage ist jedoch auch, wie schnell die momentan in der Straße von Hormus liegenden Tanker die Meerenge nun verlassen können. Vor dem Krieg wurden rund 20 Prozent aller weltweiten Öl- und Erdgasexporte über die Straße von Hormus abgewickelt. Zuletzt lagen nach Kpler-Angaben 187 Tanker im Persischen Golf vor Anker, die rund 172 Millionen Barrel Öl gelagert hatten – Öl, das auf dem Markt bisher weiter fehlt und die Preise treibt.
Wer ist besonders von der Blockade betroffen?
Der asiatische Markt gehört zu den Hauptabnehmern iranischen Öls. 2025 soll die Volksrepublik China nach Angaben von Kpler rund 80 Prozent des gesamten iranischen Öls gekauft haben. 12 Prozent aller chinesischen Ölimporte kommen aus dem Iran, ein weiterer Großteil aus anderen Staaten des Persischen Golfs wie Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Selbst wenn Letztere nun wieder nach China exportieren dürfen, würde für das Land demnach trotzdem eine wichtige Importquelle für Rohöl wegfallen. Dennoch ist der Iran abhängiger von China als umgekehrt. Laut Miad Maleki, Seniorberater beim konservativen Thinktank Foundation for Defense of Democracies in Washington, könnte die Blockade den Iran rund 276 Millionen US-Dollar pro Tag kosten.
Insgesamt wird ein Großteil des durch die Straße von Hormus transportierten Öls nach Asien verschifft. Nach Angaben des US-Energieministeriums gingen 2024 rund 84 Prozent aller Öltransporte aus der Region dorthin. Im vergangenen Monat verkündeten die USA eine Sanktionsausnahme, die es anderen Käufern, zum Beispiel Indien, ermöglichte, iranisches Öl zu importieren. Ob dies nach den jüngsten Entwicklungen weiterhin gilt, ist unklar.
Welche Auswirkungen hatte die Ankündigung der Blockade?
Direkt nach Trumps Ankündigung stiegen die Ölpreise wieder stärker an, nachdem sie im Zuge der Waffenruhe zwischen Israel, den USA und dem Iran auf rund 95,20 US-Dollar gesunken waren. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um rund acht Prozent auf 102,80 Dollar je Barrel. Auch der Preis der US-Sorte WTI zur Lieferung im Mai legte in der Nacht wieder zu.
Vor allem bedeutet die geplante US-Blockade aber eine noch angespanntere Situation in der Region. Trump hatte den Iran davor gewarnt, die US-Marine bei ihrer Aktion zu stören: „Jeder Iraner, der auf uns oder auf friedliche Schiffe schießt, wird zur Hölle gejagt“, schrieb er. Die Streitkräfte seien „einsatzbereit“.
Die iranische Führung wiederum versteht die Blockade als einen Bruch der vereinbarten Waffenruhe. Das Militär bezeichnete sie als einen „Akt der Piraterie“. Militärische Auseinandersetzungen können dabei nicht ausgeschlossen werden. So warnte die iranische Marine offenbar bereits ein US-Kriegsschiff davor, die Straße von Hormus zu durchqueren und drohte mit einem Angriff „innerhalb von 30 Minuten“, wenn es seinen Kurs fortsetzen sollte. Auch eine mögliche Inspektion durch US-Soldaten von Schiffen, die den Iran ansteuern oder verlassen wollen, könnte zu militärischen Auseinandersetzungen führen.
Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters und dpa