Iran-Verhandlungen: Die USA nach sich ziehen in Islamabad so getan, wie hätten sie den Krieg gewonnen

US-Vizepräsident JD Vance wollte mit seinen Forderungen an Irans Delegation in Pakistan, dass alles wieder so wird, wie es vor Beginn des Krieges war. Er ist gescheitert. Teheran weiß besser denn je, was Abschreckungskapazitäten wert sind


US-Vizepräsident JD Vance taucht am 24. April 2025 auf dem Kriegs- und Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Deutschland auf, um aufzutanken.

Foto: Kenny Holston/Picture Alliance/Reuters


Die Stärke des Iran besteht darin, dass die USA die Kampfhandlungen nicht ohne weiteres wieder aufnehmen können. Die Schwäche der Trump-Regierung resultiert daraus, dass sie einen Verhandlungserfolg braucht, der nur durch relevante Zugeständnisse an Teheran zu erreichen ist. Diese Schwäche ist zugleich die Folge ihres Unvermögens oder Unwillens, dafür zu sorgen, dass Israel seine Angriffe auf den Libanon unterlässt. Ein regionaler Krieg wie dieser braucht eine regionale Lösung oder ist nicht wirklich einzudämmen.

Verhandeln ohne Israel

Von vornherein stand daher fest: Dies konnte der Verhandlungsversuch in Pakistan nicht, eben weil Israel nicht beteiligt bzw. durch die USA von einer Teilnahme befreit war. Warum kam das Treffen in Islamabad angesichts dessen dennoch zustande und dann noch auf einer Ebene, die den US-Vizepräsidenten einschloss? Ein unverkennbarer diplomatischer Erfolg für Teheran.

Donald Trump war mit seinem kriegerischen Latein offensichtlich am Ende. Er musste dringend etwas tun gegen die weltökonomischen Kollateralschäden dieses Feldzuges, die ihm auch innenpolitisch zusetzen. Die globalen Energiemärkte waren zu Geiseln seines Krieges geworden. Und es war klar: Solange der andauerte, würden sie das bleiben.

Die USA sprechen mit einem Regime, das sie beseitigen wollten

Die iranische Führung wiederum konnte es nur Recht sein, durch Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi auf Augenhöhe mit den USA zu verhandeln. Man wurde als Souverän respektiert und war doch eben noch dazu ausersehen, durch gezielte Enthauptungsschläge eliminiert zu werden. Die Begegnung von Islamabad am 11. April war der sinnfällige Beweis dafür, dass sich die Trump-Regierung mit dem Ausbleiben eines Regime Changes abfinden muss, ihn aber aus notorischer Gewohnheit nicht aufgegeben haben dürfte.

Da sich die Vereinigten Staaten seit der Islamischen Revolution von 1979 nie mit der Existenz einer Islamischen Republik im Iran abgefunden haben, steht diese seit 47 Jahren zwischen Sein und Nichtsein. Noch nie jedoch wurde, wie seit der Nacht vom 27. zum 28. Februar geschehen, ein offener Krieg in dieser Intensität und mit der erklärten Absicht geführt, dieses System von außen zu stürzen, indem seine Autoritäten und Repräsentanten zur Kapitulation gezwungen werden.

Es ist nichts mehr so, wie es zu Beginn des Krieges war

Donald Trump hat am 6. März ein Abkommen ausgeschlossen, um den Waffengang zu beenden. Stattdessen schrieb er auf seiner Plattform Truth Social, er verlange „die bedingungslose Kapitulation“. Die blieb aus. Die iranischen Streitkräfte konnten sich durch einen flexiblen, wirkungsvollen und asymmetrischen Widerstand behaupten. Zu welchem Preis, mit welchen Opfern lässt sich von außen nur schwer einschätzen (bekannt ist nur, dass bis zum ersten Tag der Waffenruhe 6.400 iranische Militärs ums Leben kamen).

Welchen Preis es für die USA und Israel hat, mit der Operation Epic Fury“ nicht den durchschlagenden Erfolg erzielt zu haben, zeigt das vorläufige Scheitern der Sondierungen in Islamabad. Vizepräsident JD Vance ist dort mit einem Forderungskatalog aufgetreten, als ließe sich die Zeit bis zum 27. Februar 2026 zurückdrehen. Als hätte es den Kriegsverlauf mit all seinen Begleiterscheinungen bis zum 8. April nicht gegeben.

Irans Atomprogramm

Aber es ist nichts mehr so, wie es zu Beginn des Krieges war. Die von den US-Gesandten vor einer möglichen Verständigung erhobenen Bedingungen – von der Freigabe der Straße von Hormus bis zum Verzicht auf das Raketen- und Nuklearprogramm – sind der Situation nicht angemessen. Teheran verfügt über Abschreckungskapazitäten, die es auf keinen Fall aufgeben wird. Es käme einer Selbstentblößung gleich.

So bleibt auch das Atomprogramm – egal, wieviel momentan davon übrig ist – als Verhandlungsgegenstand nützlich. Darauf zu verzichten, hat ein Regime nicht nötig, das seit dem ersten Kriegstag nichts zu verlieren hatte, weil es um sein Überleben kämpfte – und überlebt hat.

AbbasDeutschlandDie ZeitDonaldEndeFuryGeiselnIranIslamabadIsraelKrieglebenLibanonMANMohammadPakistanRaketenRechtRegierungTAGTeheranTrumpTruth SocialUSUSAVanceVerzichtWeilWeißZeitZur