„Es ist eben Krieg“ – Präsident Trump spielt die Bedeutung des Abschusses eines US-Kampfjets herunter. Doch der innenpolitische Druck auf ihn dürfte wachsen. Ein Crewmitglied wird noch vermisst. Sowohl die USA als auch Iran suchen nach ihm.
Der Abschuss eines US-Kampfjets über iranischem Gebiet wirkt sich laut US-Präsident Donald Trump nicht auf Verhandlungen mit der Führung in Teheran aus. „Nein, überhaupt nicht“, antwortete Trump im US-Sender NBC auf eine entsprechende Frage und ergänzte: „Es ist eben Krieg.“
Zuvor hatten Irans Streitkräfte gemeldet, dass ein US-Kampfflugzeug durch ein neues Verteidigungssystem getroffen worden sei. Nach Angaben von US-Medien handelte es sich dabei um eine Maschine vom Typ F-15E. Den Berichten zufolge konnte eines der beiden Besatzungsmitglieder von US-Spezialeinheiten gerettet werden.
Wohl zweiter Jet und Hubschrauber getroffen
Bei dieser Such- und Rettungsmission wurde US-Medien zufolge zudem ein US-Kampfflugzeug in der Region nahe der Straße von Hormus getroffen. Der Pilot des Flugzeugs vom Typ A-10 schaffte es demnach, seine beschädigte Maschine in den Luftraum Kuwaits zu steuern und sich in Sicherheit zu bringen. Offizielle Äußerungen der US-Armee dazu gibt es bislang nicht.
Iran traf nach Informationen von NBC News und der Washington Post auch zwei Black-Hawk-Hubschrauber, die ebenfalls an der Mission beteiligt waren. Soldaten seien verletzt worden, hätten sich aber in Sicherheit bringen können.
Die US-Armee hat bei dem seit gut einem Monat andauernden Einsatz in Iran bereits einige Flugzeuge verloren, darunter ein Tankflugzeug, das im Irak abgestürzt war, sowie drei F-15-Jets, die versehentlich von Kuwait abgeschossen wurden.
Trump gerät unter Druck
Die Vorfälle stellen eine weitere Eskalation des von den USA und Israel begonnenen Krieges dar und zeigen: Iran ist immer noch dazu in der Lage, den Angreifern gefährlich zu werden. Trump setzt das unter Druck: Er und sein Team hatten zuletzt den Eindruck erweckt, dass US-Flugzeuge in Irans Luftraum keine Angriffe mehr fürchten müssten. Die USA hätten die Lufthoheit erlangt. Immer wieder suggerierte der Präsident, dass die militärischen Fähigkeiten des iranischen Regimes nahezu vernichtet seien.
Die Basis von Trumps Republikanischer Partei zeigt sich über den Kriegseinsatz gespalten. Im Wahlkampf hatte Trump seinen Anhängern noch versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Zudem steigen die Lebenshaltungskosten in den USA auch wegen des Iran-Krieges weiter – eines der entscheidenden Themen vor den im November anstehenden Zwischenwahlen.
Wer findet das vermisste Crewmitglied?
Iranische und US-Streitkräfte suchen derzeit nach dem zweiten Crewmitglied der F-15E-Maschine. Bilder und Videos auf Onlineplattformen zeigten mutmaßlich tief fliegende US-Hubschrauber und mindestens ein Flugzeug in der Gegend. Ein Journalist eines iranischen Lokalsenders erklärte, jeder, der ein Besatzungsmitglied lebend gefangen nehme, werde „eine Belohnung erhalten“.
Auf die Frage, was er tun würde, falls das noch gesuchte Crew-Mitglied gefangengenommen oder verletzt werden sollte, sagte Trump laut der britischen Zeitung The Independent in einem Telefoninterview: „Nun, das kann ich nicht kommentieren, weil – wir hoffen, dass das nicht passieren wird.“
Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied ist für die USA einer Expertin zufolge eine „kritische Mission“, die die Haltung der US-Bevölkerung zum Krieg maßgeblich beeinflussen könnte. Sollte Iran das Besatzungsmitglied zuerst finden, wäre das „ein großer Gewinn“ für die Führung in Teheran, sagte Laurel Rapp, Direktorin des Nordamerika-Programms der Denkfabrik Chatham House, der BBC. Iran hätte dann „ein sehr starkes Druckmittel“.
Militärbudget soll massiv steigen
Für den Haushalt 2027 plant der US-Präsident, die Ausgaben für das Militär massiv zu erhöhen. Sie sollen auf 1,5 Billionen Dollar (1,3 Billionen Euro) steigen, wie aus einem vom Weißen Haus veröffentlichten Etatentwurf hervorgeht. Das wäre laut US-Medien ein Höchststand in der jüngeren Geschichte des Landes. Für das laufende Haushaltsjahr 2026 sind für den Verteidigungsbereich nur rund 1 Billion Dollar (870 Milliarden Euro) eingeplant.
Der Budgetplan der Regierung wird dem US-Parlament vorgelegt. Er dient als eine Art Fahrplan und zeigt, welche Prioritäten die Regierung setzt. Der Kongress entscheidet später über eine Reihe von Haushaltsgesetzen, die der Präsident dann unterschreiben muss, damit sie in Kraft treten. Trump hatte bereits zu Jahresanfang bekanntgemacht, dass er die Verteidigungsausgaben steigern will.
Source: tagesschau.de