Die Zahl der Toten bei der Niederschlagung von Protesten im Iran ist weiter gestiegen. Mindestens 5.848 Menschen seien getötet und mehr als 41.280 Menschen festgenommen worden, teilte das Menschenrechtsnetzwerk Hrana mit Sitz in den USA mit. Es bezog sich dabei auf Aktivisten im Iran.
Die iranische Regierung hatte zuvor von 3.117 Toten gesprochen. In der Vergangenheit nannte die iranische Führung häufig zu geringe
Opferzahlen. Die Stiftung der im Iran inhaftieren Friedensnobelpreisträger Narges
Mohammadi bezeichnete die brutale Niederschlagung der Proteste als „Massaker von
gewaltigem Ausmaß“. Es sei eine nationale Tragödie, teilte die Stiftung
auf der Plattform X mit. „Die Geschichte wird dem Regime dieses
Verbrechen nicht verzeihen.“
Menschen nutzen VPN für Internet
Das Ausmaß des tödlichen Vorgehens des Staates gegen die Zivilbevölkerung werde verdeckt durch Internetsperren, teilte die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks mit. Der iranische Sicherheitsapparat hatte am 8. Januar Netzsperren verhängt. Mehr als zwei Wochen nach Beginn der Kommunikationsblockade bleibt das Internet aber auch weiter gestört. Wie Daten IT-Unternehmens Cloudflare zeigten, entspricht das derzeitige Benutzeraufkommen nur rund 30 Prozent des Wertes, der vor der Sperre gemessen wurde. Immer mehr Menschen gelingt es, mit sogenannten Tunneldiensten, VPNs,
wieder Verbindung mit der Welt aufzunehmen.
Die Internetsperre habe Diskussionen innerhalb des Machtapparats ausgelöst, hieß es in einer Analyse des amerikanischen Critical Threats Projects (CTP). Einige Gruppen hätten demnach Sorge, eine Aufhebung der Internetsperre könne neue Proteste entfachen. Andere sehen in den wirtschaftlichen Folgen der Blockade einen möglichen Auslöser für weitere Demonstrationen.
Laut dem Präsidenten der iranischen Industrie- und Handelskammer sind mehr als 400.000 Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. Halte die Internetsperre an, stehe der Lebensunterhalt von rund neun Millionen Beschäftigten auf dem Spiel.