Der 1. April 1976: ein Datum, das die Wirtschaftsgeschichte der modernen Welt tiefgreifender geprägt hat als die meisten politischen Entscheidungen jener Dekade. Wer ein halbes Jahrhundert später auf die Gründung der Apple Computer Company durch Steve Jobs, den genialen Ingenieur Steve Wozniak und den heute in der Retrospektive oft vergessenen Ronald Wayne zurückblickt, betrachtet nicht nur die Historie eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Vielmehr blickt man auf die Evolution des eigenen digitalen Lebens.
Die Gründungsgarage ist längst zu einem Mythos verklärt worden. Doch die Realität von Apple im Jahr 2026 hat mit dem romantischen Bild der lötenden Bastler noch so viel gemein wie das neueste, von Künstlicher Intelligenz (KI) durchdrungene iPhone mit dem klobigen „Apple I“ im selbst gezimmerten Holzgehäuse aus dem Jahr 1976.
Selbstzerstörerische Achterbahnfahrt
Die ersten Jahrzehnte dieses Unternehmens glichen einer fast selbstzerstörerischen Achterbahnfahrt. Nach dem kommerziellen Durchbruch mit dem „Apple II“ folgte im Jahr 1984 der Macintosh mit seiner grafischen Benutzeroberfläche, dem integrierten Monitor und der Maus als Eingabeinstrument. Es war ein technologischer Paradigmenwechsel. Der berühmte Werbespot von Regisseur Ridley Scott, übrigens nur ein einziges Mal ausgestrahlt, inszenierte Apple als die bunte, befreiende Macht gegen das graue, monolithische Imperium von IBM. „Warum 1984 nicht wie 1984 sein wird“, lautete die danach millionenfach zitierte Botschaft. Es war eine Kampfansage: Jobs, der charismatische wie für seine Mitarbeiter oft unerträgliche Visionär, hisste die Piratenflagge auf dem Firmencampus. Er meinte das ernst.
Jobs wollte nicht weniger als eine „Delle ins Universum“ schlagen. Es war genau diese unfassbare Hybris, gepaart mit einer beispiellosen Kompromisslosigkeit im Design, die Apple von der versammelten Konkurrenz abhob. Doch der Perfektionismus hatte seinen Preis: Der Computer war viel zu teuer und mit dem Rest der PC-Computerwelt „inkompatibel“, ein Wort, das die Welt damals neu lernte. Die Folge: Jobs verlor 1985 den Machtkampf gegen den von ihm selbst geholten Pepsi-Manager John Sculley, und er wurde aus seiner eigenen Firma gedrängt.
Nah am Bankrott
Ohne seinen spirituellen Gründervater aber geriet Apple in den Neunzigerjahren gefährlich nah an den Rand des Bankrotts. Das Produktsortiment war unübersichtlich, Innovationen blieben aus, das Betriebssystem war veraltet. Taschencomputer wie Apples „Newton“ funktionierten nicht und wurden gar zur Zielscheibe von Witzen. Erst die triumphale Rückkehr von Jobs im Jahr 1997 – realisiert durch die Übernahme seines Unternehmens NeXT – markierte den Wendepunkt. Es war der Beginn der bemerkenswertesten Wiederauferstehung der jüngeren Wirtschaftsgeschichte, interessanterweise ermöglicht durch eine seinerzeit vom Kartellverfahren gegen Microsoft motivierte Investition des damaligen PC-Software-Erzfeindes in Apple-Aktien (ohne Stimmrecht).
Einen Schuss hatten Jobs und Apple danach noch frei: den iMac. Und der wurde der dringend notwendige Erfolg. Mit dem iMac, der aussah wie ein buntes Bonbon und das graue PC-Einerlei radikal durchbrach, einer von Microsoft nun ebenfalls für den Mac entwickelten Office-Version, dem völlig neuen Betriebssystem Mac OS X und schließlich dem iPod im Jahr 2001 legte Jobs das robuste Fundament für das, was heute jeder sieht. Apple war nun nicht mehr nur eine ambitionierte Computerschmiede im Silicon Valley. Der Konzern wandelte sich systematisch zum Kurator unserer digitalen Lebenswelt, beginnend mit der Musikbranche, die durch den iTunes Store regelrecht umgekrempelt und neu geordnet wurde.
Weit mehr als ein Telefon
Und dann kam das Jahr 2007. Die Präsentation des allerersten iPhones durch Steve Jobs ist bis heute die Blaupause für jede Keynote-Rede im Silicon Valley, ein Meisterstück der Rhetorik und des berühmten „Reality Distortion Fields“. Es war weit mehr als ein Telefon; es war ein vernetzter, hochleistungsfähiger Computer für die Hosentasche, der das mobile Internet für die breiten Massen überhaupt erst nutzbar machte. Dieses eine handtellergroße Gerät hat nicht nur etablierte Industrien – von der Fotografie über die Uhrenbranche bis hin zur mobilen Navigation – binnen weniger Jahre kannibalisiert, sondern auch unsere Art zu kommunizieren, zu arbeiten und zu leben für immer verändert. Das iPhone machte Apple, später gemeinsam mit dem iPad, zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Es erschuf das hochprofitable Ökosystem der Apps, eine unerschöpfliche digitale Goldgrube, die den Konzern bis heute finanziell trägt.
Als Steve Jobs im Oktober 2011 an Krebs verstarb, war die Skepsis auf den internationalen Finanzmärkten und in den Medien riesig. Konnte ein kühler Logistiker und Operationsspezialist wie Tim Cook dieses Imperium der Kreativität weiterführen? Die Antwort lautete: Ja, und es war für die nächste Wachstumsphase sogar der zwingend notwendige Wechsel. Jobs war der geniale Erfinder, Cook ist der Meister der globalen Lieferketten. Er hat Apple von einer kalifornischen Ideenschmiede in eine wahre Gelddruckmaschine verwandelt. Cook perfektionierte das Modell der Auftragsfertigung, balancierte die Abhängigkeit von asiatischen Partnern wie Foxconn, baute das unfassbar lukrative Servicegeschäft rund um die iCloud, Apple Music und den App Store aus und führte strategisch klug Produkte wie die Apple Watch und die kabellosen AirPods ein.
Hinzu kommt der Kraftakt rund um die „Apple Silicon“-Chips, mit denen sich Apple von Intel unabhängig gemacht hat, sowie das andauernde Experiment „Vision Pro“. Apples milliardenschwerer Vorstoß in das „Spatial Computing“, der kühne Versuch, nach dem Smartphone die nächste revolutionäre Computerplattform im Raum zu etablieren, läuft schleppend und krankt an sehr hohen Preisen. Er zeigt aber, dass der Anspruch auf radikale Innovation und den technologischen Wurf in der DNA des Unternehmens nicht verschwunden ist.