Investoren willkommen: Strategisches Denken ist ein Schlüssel im Wettbewerb mit China

Dass die chinesische Handelskammer in Deutschland ihre hier tätigen Unternehmen als strategische Investoren sieht, sollten wir ernst nehmen. Denn strategisches Denken bedeutet, im eigenen Interesse zu handeln. Das ist das gute Recht jedes Unternehmens und eines jeden Landes und sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Im ach so idealistischen und moralaffinen modernen Deutschland jedoch hat der aus der griechischen Antike stammende Begriff der Strategie einen anrüchigen Beigeschmack bekommen. Strategie wurde hierzulande gern mit Militarismus oder Egoismus verwechselt und war daher verpönt. Dieses Vorurteil hat das strategische Denken ausgerechnet auf politischer und wirtschaftlicher Ebene viel zu oft gelähmt. Wir sind dadurch an vielen Stellen verwundbar geworden.

Deutschland sieht zuweilen wie ein strategischer Zwerg aus

Im wirtschaftlichen Wettstreit mit dem Partner und Rivalen China sieht Deutschland zuweilen wie ein strategischer Zwerg aus. Die deutsche Wirtschaft besitzt durchaus strategische Stärken, wie ihren Blick für technische Details und ihre Zuverlässigkeit. Doch spielt sie ihre Trümpfe selten nachhaltig aus. Verwundert reiben wir uns die Augen, wenn wir Chinas führender Position auf strategischen Feldern wie der Herstellung von Computerchips oder der Förderung seltener Erden gewahr werden.

Ja, die deutsche Seite war oft skeptisch, wenn sich chinesische Investoren im hiesigen Mittelstand einkauften. Man befürchtete den Abbau von Arbeitsplätzen und die Verlagerung von Produktion nach China. Betriebsräte und Gewerkschafter reagierten erleichtert, wenn die Chinesen das Personal unangetastet ließen oder sogar ausbauten. Das hinderte die Investoren nicht, von ihren deutschen Unternehmen zu lernen und sich wichtiges Prozesswissen anzueignen. Das könnte am Ende der strategisch weit wichtigere Aspekt sein als der Erhalt bestehender Jobs.

Wir dürfen es als Stimmungsaufheller sehen, dass chinesische Unternehmen den deutschen Standort weiter als strategisch wichtig beurteilen. Doch sollten wir uns darauf nicht ausruhen, denn Deutschland wird nur so lange für Investoren aus China und anderen Ländern attraktiv bleiben, wie unsere Unternehmen mit neuen Ideen und Lösungen ihre strategische Position stärken. Ausländische Investitionen bereichern unsere Industrie und verdrängen sie nicht. Ein Ausverkauf findet erst statt, wenn wir aufhören, selbst hier zu investieren.

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