#Interview – „In einem selektiven Marktumfeld entscheidet nicht nur Kapital“

#Interview

„Gründerinnen und Gründern würde ich aktuell drei Dinge raten: Klarheit, Fokus und Kapitaldisziplin“, sagt Moritz Otterbach, Head of Investments bei amberra. In den vergangenen Jahren investierte der Geldgeber in Unternehmen wie LillianCare, ubiMaster und nuuEnergy.

Hinter amberra verbirgt sich das Corporate Venturing Studio der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. „amberra sorgt dafür, dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken mehr sind als reine Finanzpartner – nämlich Partner für das ganze Leben“, erklärt Moritz Otterbach, Head of Investments bei amberra, die Idee hinter dem jungen Berliner Geldgeber, der 2022 gegründet wurde.

Zum Konzept führt er weiter aus: „amberra investiert in Unternehmen oder kooperiert mit ihnen und macht sie mit den fast 700 Genossenschaftsbanken den 30 Millionen Kunden zugänglich. Gibt es noch keine passende Lösung, dann baut amberra auch selbst innovative Services auf. So entstehen neue Lösungen und Angebote für das tägliche Leben der Menschen in den Regionen.“

In den vergangenen Jahren investierte das amberra-Team in aufstrebende Unternehmen wie LillianCare, ubiMaster und nuuEnergy.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht amberra-Macher Moritz Otterbach einmal ausführlich über die aktuelle Investmentsituation in Deutschland.

Wie würdest Du Deiner Großmutter amberra erklären?
amberra sorgt dafür, dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken mehr sind als reine Finanzpartner – nämlich Partner für das ganze Leben. Stell dir vor, deine Volksbank Raiffeisenbank kümmert sich nicht nur um Geld, sondern sichert auch die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum, unterstützt Familien mit Bildungsangeboten oder Hausbesitzer bei der energetischen Sanierung mit regionalen Handwerkern. In Deutschland gibt es schon viele tolle junge Unternehmen, die mit solchen Lösungen das Leben der Menschen vereinfachen. amberra investiert in diese Unternehmen oder kooperiert mit ihnen und macht sie mit den fast 700 Genossenschaftsbanken den 30 Millionen Kunden zugänglich. Gibt es noch keine passende Lösung, dann baut amberra auch selbst innovative Services auf. So entstehen neue Lösungen und Angebote für das tägliche Leben der Menschen in den Regionen.

Wie bewertest Du die aktuelle Investmentsituation in Deutschland?
Die Investmentsituation in Deutschland ist aktuell deutlich selektiver als noch vor wenigen Jahren. Das veränderte Zinsumfeld und makroökonomische Unsicherheiten haben dazu geführt, dass Investoren stärker auf Substanz, klare Marktpositionierung und belastbare Geschäftsmodelle achten. Kapital ist weiterhin vorhanden – es wird jedoch bewusster und mit höherer Prüfungsintensität eingesetzt. Gleichzeitig sehe ich darin auch eine positive Entwicklung: Die Phase des Wachstums um jeden Preis ist vorbei. Investoren finanzieren heute viel mehr in belastbare Geschäftsmodelle. Dadurch verändert sich das Spielfeld: weniger Momentum-getriebene Dynamik und gleichzeitig der Weg zu langfristig tragfähiger Wertschöpfung, also mehr Substanz. Für Gründerinnen und Gründer ist es die Chance, sich mit Qualität, Kapitaleffizienz und klarer strategischer Positionierung nachhaltig zu differenzieren.

Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?
Ich blicke mit konstruktivem Optimismus auf die kommenden Monate. Gerade in Deutschland sehen wir enorme strukturelle Herausforderungen – etwa in der Energie- und Wohnungswirtschaft. Genau dort entsteht jedoch nachhaltiger Innovationsdruck. „Strategy first“ wird dominieren. Ich erwarte, dass Corporates in Zukunft noch gezielter Innovation einkaufen werden – nicht als Experiment sondern als strategisches Asset. Auch im M&A-Umfeld dürfte wieder mehr Bewegung entstehen. Börsengänge werden kurzfristig zwar eine untergeordnete Rolle spielen, aber eine Stabilisierung der Kapitalmärkte könnte mittelfristig neue Exit-Optionen eröffnen. Auf Startup-Seite erleben wir derzeit ein spannendes Momentum: technologisch starke fokussierte Teams, die visionär denken und gleichzeitig sehr pragmatisch umsetzen. Gerade im Corporate-Venture-Bereich wird deutlich, dass Kapital allein nicht ausreicht – entscheidend sind strategische Partnerschaften, Marktzugang und Umsetzungskraft. Genau das, was wir auch mit amberra und der genossenschaftlichen FinanzGruppe bieten. Ich bin überzeugt: Es ist eine Phase, in der Substanz, Mut und strategische Zusammenarbeit stärker zählen als reine Bewertungshöhen – und das ist langfristig gesund für das Ökosystem.

Was rätst Du Gründer:innen, die derzeit auf Kapitalsuche sind?
Gründerinnen und Gründern würde ich aktuell drei Dinge raten: Klarheit, Fokus und Kapitaldisziplin. Erstens: Schärft eure Marktpositionierung. Investoren suchen keine Vision im Vakuum, sondern eine Lösung für ein klar definiertes Problem und nachvollziehbare Wertschöpfungslogik. Zweitens: Belegt Traktion. Klare Unit Economics, valide Kundenbeziehungen und belastbare Annahmen sind heute wichtiger als ambitionierte Wachstumsfolien. Drittens: Wählt Investoren bewusst. In einem selektiven Marktumfeld entscheidet nicht nur Kapital, sondern strategischer Fit – also Zugang zu Kunden, Branchenkompetenz und langfristige Partnerschaftsfähigkeit. Kapital ist commodity. Strategischer Fit ist Differenzierung!

Welche Startups begeistern Dich derzeit ganz besonders?
Mich begeistern aktuell vor allem Startups, die technologische Exzellenz mit realer Anwendungsnähe verbinden. Also Teams, die nicht nur ein starkes Produkt entwickeln, sondern ein tiefes Verständnis für Markt, Regulierung und operative Umsetzung mitbringen. Besonders interessant für amberra sind natürlich Lösungen an der Schnittstelle von Technologie und konkreter Umsetzung in zentralen Lebens- und Wirtschaftsbereichen – etwa Wohnen, Gesundheit, Bildung, Energie und regionale Wirtschaft. Das spiegelt sich auch in unserem Portfolio wider: Mit LillianCare stärken wir zum Beispiel die hausärztliche Versorgung, ubiMaster bietet eine digitale Lernunterstützung für Schülerinnen und Schüler, nuuEnergy adressiert die Energiewende. Und mit unserer Eigenentwicklung stroya bringen wir Mieterstrom als Lösung in die Fläche. Entscheidend ist für uns nicht ein kurzfristiger Hype, sondern Substanz, strategische Anschlussfähigkeit an die genossenschaftliche FinanzGruppe und Teams, die Vision und Umsetzungsstärke verbinden. 

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Foto (oben): amberra

Source: deutsche-startups.de