Antoine Monot spricht über seine Zeit mit Wanda Perdelwitz bei der Krimireihe „Behringer und die Toten“ und erzählt, wie das Team mit ihrem unerwarteten Tod umging.
Herr Monot, am 3. März erscheint der neue Film aus der Reihe „Behringer und die Toten – ein Bamberg Krimi“. Es ist eines der letzten filmischen Werke Ihrer Kollegin Wanda Perdelwitz, die im Oktober nach einem Radunfall starb. Haben Sie die Folge schon gesehen?
Ja, ich schaue mir meine Filme immer noch einmal an, um zu gucken: Was kann ich daraus für meine nächste Arbeit ziehen? Aber dieses Mal war es natürlich merkwürdig, die Szenen mit Wanda zu sehen. Ich drehe jetzt seit 33 Jahren Filme, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Es war ein Schock für uns alle.
Wie haben Sie von ihrem Tod erfahren?
Unsere Showrunnerin Berit Walch hat uns am Tag zuvor erzählt, dass Wanda einen Unfall hatte und im Krankenhaus sei. Da habe ich ihr noch eine Whatapp geschrieben, gute Besserung gewünscht. Aber als wir am nächsten Morgen ans Set kamen, hat uns Berit die traurige Nachricht überbracht, dass Wanda gestorben ist. Es war surreal.
Wissen Sie noch, was Ihr erster Gedanke war?
Ich war erst einmal fassungslos. Die eigene Sterblichkeit, die Endlichkeit unseres Lebens wird in so einer Situation deutlich. Wanda ist gefühlt aus der Mitte des Lebens gerissen worden, deshalb trifft mich das noch mehr. Sie hatte Familie, sie hatte Pläne. Wir hatten gerade noch darüber gesprochen, dass sie einen Film schreibt, sie hat von der Finanzierung erzählt, an der sie dran war.
Die Showrunnerin hat für alle am Set eine Stunde Pause angesetzt und freigestellt, ob sie danach wiederkommen möchten. Wie haben Sie diese Stunde verbracht?
Es war gut, dass wir einmal durchschnaufen konnten. Wir haben in der Fußgängerzone in München gedreht, ausgerechnet in einer ehemaligen Kirche. Ich bin dann auf einen der Balkons dieser alten Klosteranlagen raus, hab einfach auf die Straße geblickt und meine Gedanken schweifen lassen.
Hat Sie das Thema Sterblichkeit zuvor beschäftigt?
Seit rund zehn Jahren beschäftigt mich das Thema. Ich bin vergangenes Jahr 50 geworden. Wahrscheinlich habe ich jetzt mehr Jahre hinter mir als vor mir. Das Thema Endlichkeit spielt seit einigen Jahren doch eine größere Rolle. Ich denke dann manchmal auch darüber nach, wie verrückt es ist, dass wir uns diese Leistungsgesellschaft erschaffen haben. Dabei wissen wir doch, dass das Ding sowieso irgendwann für uns alle zu Ende sein wird.
Alle kamen danach zurück ans Set. War das für Sie klar?
Schon. Es gibt im Theater so einen Spruch, der lautet: Der Lappen geht hoch. Damit ist der Vorhang gemeint. Dass die Vorstellung über die Bühne geht, egal, was sonst ist. Die Realität war, dass jeder Drehtag unfassbar viel Geld kostet und wir da mit 60 Leuten standen. Es war klar: Wir müssen das durchziehen. Ich wollte mit gutem Beispiel vorangehen.
Ist Ihnen das gelungen?
Ich habe an dem Tag eine Szene gedreht, in der meine Rolle, Kommissar Behringer, mit Wandas Rolle Charly telefoniert. Telefonate im Film laufen meist so ab, dass jemand am Set den Text für die andere Person, die am Hörer sein soll, vorliest. Aber ich hatte trotzdem das Gefühl, mit Wanda zu spielen. Das ist mir nahegegangen.
Was hat Ihnen beim Weiterdrehen geholfen?
Es war allen wichtig, irgendwie ein Statement zu setzen. Wir haben uns dann für ein Teamfoto auf der großen Freitreppe beim Drehort versammelt und Plakate für Wanda hochgehalten. Um zu zeigen, dass wir an sie denken und sie mitnehmen.
Sie haben drei Staffeln der Krimireihe mit Wanda Perdelwitz gedreht. Welche Erinnerungen kommen als Erstes, wenn Sie an Ihre Kollegin denken?
Ich höre noch immer dieses helle, starke Lachen von ihr. Wanda war ein fröhlicher Mensch, sie hat viel gelacht. Und sie war immer sehr meinungsstark. Sie hat ihre Ansichten vertreten und auch dafür gekämpft, etwa in Bezug auf ihre Rolle, wie sie die Charly spielen wollte.
Wanda Perdelwitz am Set von „Behringer und die Toten“ in ihrer Rolle Charly Behlke © Behrus Yazdanfar
Was war ihr da wichtig?
Charly war eine besondere Rolle, sie war die ehemalige Polizei-Partnerin von meiner Rolle Behringer und saß nach einem Einsatz im Rollstuhl. Wanda war wichtig, dass Charly eine selbstbewusste Frau ist, auch wenn sie mit dem Rollstuhl manchmal haderte und dadurch ihren Beruf verloren hatte. Sie sollte meinungsstark und selbstständig sein, Wanda hatte da eine klare Vision ihrer Rolle. Und das ist immer gut, wenn jemand mit einer Meinung spielt. Das hat mit Wanda immer sehr viel Spaß gemacht, denn als Schauspieler ist man auf der Suche nach Impulsen, an die man anknüpfen kann.
Erinnern Sie sich an das letzte Treffen mit Wanda Perdelwitz?
Rund eine Woche vor ihrem Unfall haben wir zusammen in der Nähe von München gedreht. Ich weiß noch, dass es einen längeren Umbau gab und wir gemeinsam eine halbe Stunde im Garten in der Sonne sitzen und uns unterhalten konnten. Das war schön, weil es einer der wenigen Momente war, wo nicht tausend Leute um uns herumgewuselt sind. Damals stand in Hamburg der Zukunftsentscheid an, eine Abstimmung über Umweltschutz, das war ihr wichtig, das hat sie beschäftigt. Sie hatte mich gefragt, ob wir nicht zusammen ein Video für Social Media dazu posten wollen. Ich wollte mich darüber informieren und hab ihr gesagt, dass wir das dann beim nächsten Mal machen können. Wir haben dann noch zwei, drei Stunden zusammen gedreht und uns am Ende des Drehtages aber gar nicht mehr gesehen.
Was hat ihr Tod für Sie verändert?
Mir ist noch einmal bewusst geworden, wie schnell so ein Unfall passieren kann. Ich bin selbst leidenschaftlicher Radfahrer, fahre meist mit dem Fahrrad ans Set und ich achte jetzt noch mehr darauf, ob sich etwas in parkenden Autos tut, an denen ich vorbeifahre, halte noch mehr Abstand.
Wie wird es jetzt mit der Behringer-Krimi-Reihe weitergehen?
Da gibt es jetzt unterschiedliche Ideen, aber nichts davon ist spruchreif. Auch für Behringer ist das ein großer Verlust, ich hab die Rolle so gespielt, dass er Charly bewunderte und ganz toll fand. Für Berit Walch, unsere Showrunnerin, steht aber fest, dass Wanda nicht ersetzt werden kann. Also es wird keine andere Person die Charly spielen. Und das finde ich auch gut so.
Zwei neue Folgen von „Behringer und die Toten – Ein Bamberg-Krimi“ sind am 3. und 10. März, jeweils um 20:15 Uhr auf RTL zu sehen
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Source: stern.de