An Ostern kommt der Osterhase? Nicht unbedingt! In anderen Ländern gibt es ganz unterschiedliche Traditionen rund um das christliche Fest.
Eier färben, Osterlamm backen, Schokohasen naschen: In Deutschland gibt es viele Bräuche rund um Ostern. Auch die Suche nach dem Osternest und ein gemütliches Familienfrühstück gehören dazu. Weltweit wird das wichtigste christliche Fest jedoch sehr unterschiedlich gefeiert. Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, wie vielfältig Ostern sein kann.
Australien: Beuteltier statt Osterhase
In Australien hat der Osterhase Konkurrenz bekommen. Dank des Einsatzes von Artenschützern übernimmt der Bilby, ein kleines Beuteltier mit langer Nase und spitzen Ohren, die Lieferung der Ostereier. Hasen und Kaninchen gelten in Down Under als Plage: Die aus Europa eingeschleppten Tiere verdrängten einheimische Arten wie den vom Aussterben bedrohten Kaninchennasenbeutler. Tierschützer starteten deshalb eine Kampagne, um das putzige Tierchen als Alternative zum Osterhasen zu etablieren. Mit Erfolg: Heute sind die Supermarktregale voll mit Schokoladen-Bilbys. Ein Teil der Erlöse dient dem Schutz der Beuteltiere.
Irland: Begräbnis für einen Fisch
Auch in Irland steht zur Osterzeit ein nach deutscher Wahrnehmung ungewöhnliches Tier im Mittelpunkt. Das sogenannte Heringsbegräbnis ist ein alter Osterbrauch, der den Abschied von der christlichen Fastenzeit symbolisiert. Während dieser 40 Tage war es traditionell üblich, auf Fleisch zu verzichten. Stattdessen stand häufig Fisch auf dem Speiseplan, besonders Hering. Gegen Ende der Fastenzeit hatten sich viele Menschen verständlicherweise daran abgegessen. Beim Heringsbegräbnis wird der Hering feierlich zu Grabe getragen, um das Ende der Fastenzeit zu zelebrieren. Gleichzeitig beginnt damit die Rückkehr zu üppigeren Mahlzeiten – sehr zur Freude der Metzger, die nach der Fastenzeit wieder Fleisch verkaufen durften.
Polen: Nasse Überraschung
Am Ostermontag heißt es in Polen: Wasser marsch! Beim sogenannten „Śmigus-Dyngus“ bespritzen sich Menschen gegenseitig mit Wasser. Dafür kommen Spritzpistolen, Wasserbomben oder auch ganze Eimer zum Einsatz. Der Brauch geht vermutlich auf slawische Frühlingsrituale zurück, bei denen Wasser als Symbol für Reinigung, Erneuerung und Fruchtbarkeit stand. Früher war es üblich, dass Jungen die Mädchen, die ihnen gefielen, mit Wasser begossen. Am darauffolgenden Tag konnten sich die Mädchen revanchieren. Heute beteiligen sich in Polen alle an der wilden Wasserschlacht.
Bermuda-Inseln: Drachen am Himmel
Auf den Bermuda-Inseln gehört ein ganz besonderes Bild zu Ostern: bunte Drachen, die am Himmel tanzen. Die Tradition des Drachensteigens am Karfreitag zieht Einheimische wie Urlauber an. Der Brauch soll auf einen Lehrer im 19. Jahrhundert zurückgehen. Um seinen Schülern die Himmelfahrt Christi anschaulich zu erklären, ließ er einen Drachen steigen. Die Idee kam so gut an, dass daraus eine feste Ostertradition wurde. In den Wochen vor dem Fest basteln Familien aus Holzstäben und buntem Papier ihre eigenen Drachen, die am Karfreitag für ein farbenfrohes Spektakel sorgen.
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Source: stern.de