Die Schweizer Großbank UBS dreht weiter an der Kostenschraube. Der Vorstand unter Führung von Sergio Ermotti will bis zum Ende dieses Jahres zusätzlich 500 Millionen Dollar einsparen. Damit steigen die gesamten Einsparungen, die man sich nach der Notübernahme des Rivalen Credit Suisse vor knapp drei Jahren vorgenommen hatte, auf 13,5 Milliarden Dollar. Davon sind nach Angaben der UBS schon 10,7 Milliarden Dollar eingefahren. Das Kostensenkungsprogramm ist das wesentliche Element, um auf das Ertragsniveau zurückzukehren, das die UBS vor dem Kauf der problembeladenen Credit Suisse hatte.
Wie Ermotti anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen 2025 ankündigte, soll das Aufwand-Ertrags-Verhältnis bis 2028 auf rund 67 Prozent sinken. Im vierten Quartal 2025 betrug diese Quote fast 85 Prozent. Das bedeutet: Die Bank musste 85 Cent aufwenden, um einen Dollar Ertrag zu erwirtschaften. Der Hebel für die für 2026 avisierten Einsparungen von 2,8 Milliarden Dollar ergibt sich aus der Integration der Credit Suisse (CS), die bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein soll.
Mehr als eine Million Kundenkonten müssen überführt werden
Die größte Hürde auf diesem Weg ist die Überführung der rund 1,1 Millionen CS-Kundenkonten in der Schweiz auf die technische Plattform der UBS. Diese hochkomplexe und heikle Arbeit ist bisher weitgehend pannenfrei über die Bühne gegangen. Sie soll plangemäß Ende März beendet sein. Im Zuge der Zusammenführung habe man bislang weniger Kunden verloren als erwartet, sagte Ermotti im Gespräch mit Journalisten. Sobald alle CS-Kunden eine neue digitale Heimat im Haus der UBS haben, können die CS-Plattformen stillgelegt und alle Anwendungen geschlossen werden. Dies ist ein wesentlicher Faktor in Ermottis Kalkulation zur Kostensenkung.
Der zweite wesentliche Faktor ist der Abbau von Arbeitsplätzen. Viele der Mitarbeiter, die auf operativer Ebene diesen ersten Zusammenschluss zweier systemrelevanter Großbanken auf den Weg gebracht haben, werden in Kürze nicht mehr gebraucht. Sie machen sich gleichsam selbst überflüssig. Ermotti wollte nicht darüber sprechen, wie viele Stellen nun insgesamt gestrichen werden. Bekannt ist lediglich, dass es in der Schweiz rund 3000 Kündigungen geben soll. Mit dem Abbau, intern „Reduction in Force“ genannt, sei vor allem in der zweiten Jahreshälfte sowie Anfang 2027 zu rechnen, sagte Ermotti.
In den Geschäftsberichten der Bank ist nachzulesen, wie stark die Einschnitte bisher schon waren. 2023 beschäftigte der Bankriese 115.000 Mitarbeiter. Per Ende 2025 meldet die UBS indes nur noch 103.000 Vollzeitstellen. Mithin sind bislang also mehr als 10.000 Stellen weggefallen. Spekulationen zufolge könnte die Stellenzahl noch auf 85.000 oder gar 80.000 sinken. Dazu sagte Ermotti: „Ich neige dazu, nicht alles zu glauben, was in der Zeitung steht.“ Zugleich sprach er von einem „schmerzhaften Prozess“, bei dem die Leistung der jeweiligen Mitarbeiter im Vordergrund stehe. Damit widersprach er den zahlreichen Äußerungen aus dem Innern der Bank, wonach vor allem frühere CS-Mitarbeiter aussortiert würden.
Deutlich erhöhter Reingewinn von 7,8 Milliarden Dollar
Die UBS hat den Reingewinn im vergangenen Jahr um 53 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar erhöht. Das war mehr als von Analysten erwartet. Trotzdem sank der Aktienkurs im Verlauf des Mittwochs um gut vier Prozent auf 35,50 Franken. Den Anlegern stieß sauer auf, dass der Zufluss von Kundengeldern in Amerika deutlich abgeebbt ist. In Übersee werden die Geschäfte durch ein andersartiges Vertriebsmodell behindert. Dort arbeitet die Bank mit halbunabhängigen Finanzberatern zusammen, bei denen ein vergleichsweise großer Teil der Erträge hängen bleibt. Nachdem die UBS den Beratern im vergangenen Jahr die Vergütung gekürzt hatte, zogen etliche von ihnen mitsamt ihrer Kunden davon. Der Exodus dürfte sich im ersten Halbjahr 2026 fortsetzen, hieß es in der Telefonkonferenz.
Per Ende Dezember verwaltete der Konzern Kundenvermögen von sieben Billionen Dollar. Der Bank flossen netto neue Gelder von 101 Milliarden Dollar zu – 2,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Sergio Ermotti hat angekündigt, dass er Ende 2026 oder Anfang 2027 zurücktreten wolle. Als mögliche interne Kandidaten für seine Nachfolge gelten Aleksandar Ivanovic, der das Asset-Management leitet, die Ko-Leiter der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan und Robert Karofsky, sowie die für das operative Geschäft zuständige Beatriz Martin. Der Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher liebäugelt offenbar damit, Ermotti irgendwann zu seinem Nachfolger zu machen. Dazu müsste der Tessiner aber wohl zuvor eine gewisse Auszeit nehmen, wobei es dafür in der Schweiz anders als in Deutschland keine gesetzliche Notwendigkeit gibt.