Am 7. und 8. April 2026 platzierten Investoren ungewöhnlich große Wetten im Umfang von rund 950 Millionen Dollar auf fallende Ölpreise. Das zeigten Handelsdaten der London Stock Exchange, über welche die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Diese Geschäfte wurden nur wenige Stunden vor der Ankündigung eines Waffenstillstands zwischen den USA und Iran abgewickelt. Der anschließende Einbruch der Ölpreise brachte den dahinterstehenden Akteuren erhebliche Gewinne ein.
Es war nicht der einzige Fall, in dem der Verdacht aufkam, dass Insider mit exklusiven Informationen aus dem Trump-Umfeld kassierten. Besonders auffällig war ein Vorgang vom 21. März. Am Samstagabend, wenige Minuten vor 20 Uhr Ostküstenzeit, verbreitete Präsident Donald Trump eine unmissverständliche Drohung: Sollte Iran die Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden vollständig öffnen, würden die USA die Kraftwerke des Landes zerstören – beginnend mit dem größten. Die ohnehin erhöhten Ölpreise zogen daraufhin weiter an.
Nutzer wettet auf fallende Ölpreise – eine halbe Stunde später postet Trump
Am folgenden Montag registrierten Marktbeobachter um 6.49 Uhr einen plötzlichen Schub im rund um die Uhr laufenden Terminhandel: Rund 6000 Öl-Futures im Wert von mehr als einer halben Milliarde Dollar wechselten nach Berechnungen der „Financial Times“ den Besitzer. Kurz darauf zog auch der Handel mit Kontrakten auf den S&P-500-Index stark an. Aus den Preisbewegungen schlossen Marktteilnehmer, dass jemand im großen Stil auf fallende Ölpreise setzte und zugleich auf steigende Aktienkurse – eine Wette auf Entspannung.
Diese ging auf: Um 7.23 Uhr kündigte Trump auf seiner Plattform Truth Social an, er habe das Pentagon angewiesen, Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen. Die Märkte reagierten sofort: Der Ölpreis fiel um mehr als zehn Prozent, während Aktien-Futures um rund 2,5 Prozent zulegten.
Keine Beweise für Insiderhandel
Beweise dafür, dass Insider mit Vorwissen gehandelt haben, gibt es nicht. Doch Timing und Volumen der Geschäfte nähren Zweifel – zumal es keine öffentlich verfügbaren Hinweise auf ein Einlenken Irans gab. Für den demokratischen Senator Chris Murphy war der Fall eindeutig. „Wer war es? Trump? Ein Familienmitglied? Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses? Das ist Korruption. Atemberaubende Korruption“, schrieb er auf der Plattform X. Das Weiße Haus wies die Vorwürfe zurück.
Ganz untätig blieb die Regierung jedoch nicht. Wie sich später herausstellte, warnte das Weiße Haus seine Mitarbeiter intern davor, ihre Position für persönliche Gewinne zu missbrauchen. In einer E-Mail vom 24. März – einen Tag nach Trumps überraschender Ankündigung – wurde ausdrücklich auf das Verbot hingewiesen. Ein Sprecher teilte jetzt mit: „Präsident Trump hat unmissverständlich klargemacht: Zwar strebt er einen starken und profitablen Aktienmarkt für alle an, doch Mitglieder des Kongresses und andere Regierungsvertreter sollten daran gehindert werden, nicht öffentliche Informationen zum eigenen finanziellen Vorteil zu nutzen.“ Alle Bundesbediensteten unterlägen staatlichen Ethikrichtlinien, die die Nutzung nicht öffentlicher Informationen zum finanziellen Vorteil untersagten.
Wetten auf politische Ereignisse
Doch Plattformen wie Polymarket und Kalshi eröffnen neue Versuchungen. Sie ermöglichen Wetten auf politische Ereignisse – etwa auf militärische Eskalationen oder Machtwechsel. Im Januar verdiente ein anonymer Nutzer auf Polymarket mehr als 400.000 Dollar mit einer Wette auf den Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Das Konto war erst kurz zuvor eröffnet worden. Auch vor der Tötung des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei Ende Februar kam es zu auffälligen Aktivitäten. Laut Reuters identifizierte das Analyseunternehmen Bubblemaps sechs Konten, die zusammen rund 1,2 Millionen Dollar gewannen – mit Einsätzen, die erst Stunden vor den Angriffen platziert wurden.
Die Nähe zur Trump-Familie verstärkt die politische Brisanz. Donald Trump Jr. fungiert als Berater mehrerer Prognosemärkte, und das Familienkonglomerat plant nach früheren Angaben einen eigenen Markt dieser Art. Bereits zuvor hatten ungewöhnliche Kursbewegungen im Umfeld von Memecoins der Trump-Familie und von Zollentscheidungen Spekulationen über mögliche Insidergeschäfte ausgelöst.
Bekannt gewordene Ermittlungen der zuständigen Behörden gibt es bislang nicht. Zugleich wurden Kontrollstrukturen ausgedünnt. Die nach der Watergate-Affäre geschaffene Public Integrity Section zur Verfolgung korrupter Amtsträger schrumpfte laut Axios unter Trump drastisch. Auch in der Börsenaufsicht SEC kam es zu Spannungen; die Chefin der Strafverfolgung trat Berichten zufolge zurück.
Vorwürfe von Eigengeschäften betreffen allerdings nicht nur die Exekutive. Auch im Kongress stehen Abgeordnete beider Parteien regelmäßig in der Kritik. Besonders das stark gewachsene Vermögen der Demokratin Nancy Pelosi hatte die Debatte über politische Aktiengeschäfte neu entfacht. Trump selbst hatte gefordert, Politikern den Handel mit Aktien zu verbieten. Entsprechende Gesetzesentwürfe, die von Politikern beider Parteien auf den Weg gebracht wurden, liegen vor, kommen aber nicht voran.