„Inside America“-Newsletter: Charlie Kirks Aussagen waren widerlich. Dennoch sollte uns sein Tod berühren

Im Gericht von Manhattan lauern sie Einwanderern auf, die zu ihren Asylanhörungen erscheinen. So bedrohlich wirken die maskierten Gestalten, dass sich Kinder an den Händen ihrer Eltern festklammern. So auch der acht Jahre alte Sohn einer jungen Frau aus Ecuador, die ihren Lebensgefährten zu dessen Asylanhörung begleitete. In den Stunden des Wartens stillte sie ihr gemeinsames fünf Monate altes Baby.   

Während auf den Fluren martialisch der Trump’sche Polizeistaat aufmarschiert, versuchen die Richterinnen und Richter, in den Gerichtssälen den Rechtsstaat aufrechtzuerhalten. Sie geben Aufschübe, wenn es das Gesetz erlaubt, sie gewähren weitere Anhörungen, falls Unklarheiten über den Asylgrund bestehen. Ich saß beispielsweise im Gericht, als ein Mann aus Kolumbien erzählte, er habe wegen einer schweren Krankheit noch nicht alle Dokumente auftreiben können. Die Richterin gab ihm einen weiteren Anhörungstermin im März kommenden Jahres.  

Der Mann strahlte, bedankte sich und ging Richtung Tür, ich folgte ihm. Kaum war er auf dem Flur, stürmten die maskierten Einheiten auf ihn zu, drückten ihn gegen die Wand und legten ihn in Handschellen. Ich hörte ihn noch rufen: „Ich habe doch einen Termin im März.“ Sekunden später drückten die Männer ihn in den Fahrstuhl und brachten ihn ins Abschiebegefängnis.  

In den Tagen im Gericht habe ich auf den Fluren auch einige Politiker der Demokraten gesehen. Sie wirkten fassungslos. Sie sprachen von einer Unterhöhlung des Rechtsstaates – und doch bleiben sie trotz aller Proteste ohnmächtig in diesen Tagen. 

So wie die junge Mutter aus Ecuador. Als sie erfuhr, dass ihr Lebensgefährte abgeführt worden war, legte sie ihr Baby in den Kinderwagen, nahm ihren Sohn an die Hand und ging mit schnellen Schritten an den maskierten Einheiten vorbei Richtung Ausgang. Dann, erst dann, weinte sie bitterlich.  

Take care!  

Nicolas Büchse
aus New York City

Source: stern.de