Niederschlag und frostige Temperaturen haben im Winter viele Straßen aufgesprengt. Städte müssen zahlreiche Schlaglöcher ausbessern, obwohl viele Kommunen klamm sind.
Dampfend bröckelt der zähflüssige Asphalt aus dem Erhitzer eines kleinen Baustellenfahrzeug. Hermann Krieger und sein Kollege stopfen Schlaglöcher in Karlsruhe. „Gerade bin ich nur dafür zuständig“, sagt der Straßenbauer. Das Schlagloch, das Krieger gerade auffüllt, war gestern noch nicht da. Weil Regen tagsüber durch Risse in die Straße eindringt und nachts bei den tiefen Temperaturen gefriert, springt der Asphalt im Winter wortwörtlich über Nacht auf.
Die Winter-Schlaglöcher sorgen jährlich bundesweit für Milliardenschäden. Die Stadt Karlsruhe stellt dem Tiefbauamt für die Ausbesserung rund eine Million Euro zur Verfügung und damit etwas weniger als in den Vorjahren. Denn die Haushalte vieler Städte sehen aus wie ihre Straßen: löchrig. 15 Prozent der Karlsruher Straßen, immerhin rund 200 Kilometer, gelten als schwer beschädigt. Nach und nach sollen sie in den kommenden Jahren saniert werden.
Doch die finanzielle Lage ist prekär. „Wir können uns nicht mehr auf den Standpunkt stellen, dass jede Straße glatter Asphalt und total perfekt sein muss. Das geht heute nicht mehr“, gibt die Leiterin des Karlsruher Tiefbauamts zu. Heike Weißer setzt Prioritäten: Verkehrssicherheit vor Schönheit. Wichtige Verkehrsadern vor kleinen Wohngebietsgassen.
Sanierungsstau in Milliardenhöhe
Der Automobilclub ADAC weiß um die schwierige Lage der Kommunen. „Ich hoffe, das Geld reicht. Sonst haben wir sehr viele Schäden an Fahrzeugen, an Fahrrädern oder Fußgängern, die auch in so ein Schlagloch laufen können“, sagt Holger Bach, Abteilungsleiter Verkehr beim ADAC Württemberg, mit Blick auf die Winterschlaglöcher. „Eine Aufgabe, neben all den anderen die die Städte haben, ist eben auch die Sanierung der Straßen und die darf eben nicht zu kurz kommen.“
Der kalte Winter habe den Zustand der städtischen Straßen in diesem Jahr deutlich verschlimmert, so Bach. Der Automobilclub kritisiert, dass schon zuvor mindestens ein Drittel aller Gemeindestraßen in Deutschland als schwer beschädigt – konkret in den Schadensklassen vier und fünf – gelistet waren. Damit nimmt der ADAC Bezug auf eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Urbanistik, die im August 2023 vorgestellt wurde.
„Bis 2030 wurde ein Nachholbedarf bei kommunalen Straßen und Wegen in Höhe von insgesamt 283 Milliarden Euro ermittelt“, sagt Studienautor Stefan Schneider auf Nachfrage der ARD. Schätzungen zufolge hätten die Gemeinden deutschlandweit für den Untersuchungszeitraum aber nur rund 50 Milliarden Euro an Investitionen ins Straßennetz geplant. „Wenn wir die Studie heute für einen Zeitraum von zehn Jahren bis 2035 durchführen würden, würde die Gesamtsumme des Nachholbedarfs deshalb noch größer ausfallen.“
Infrastruktur-Milliarden helfen nur bedingt
Das von der Bundesregierung aufgesetzte Sondervermögen für die Infrastruktur kann den Städten bei ihrem Straßenproblem jedoch nur bedingt Luft verschaffen. Die Milliarden sollen einerseits neue Investitionen in die Infrastruktur ermöglichen und andererseits erhalten die Kommunen davon nur einen geringen Teil. „Wenn sowohl die Investitionen als auch die laufende Instandhaltung dem Bedarf nicht hinterherkommen, wird dies mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer weiteren Verschlechterung des Zustands vieler Straßen führen“, prognostiziert Stefan Schneider vom Deutschen Institut für Urbanistik.
Der ADAC pocht daher darauf, dass die Ausbesserung der Winter-Schlaglöcher gleich richtig gemacht wird. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Kaltasphalt, der auch bei Minusgraden verarbeitet werden kann und Heißasphalt. Dieser muss jedoch stets heiß gehalten werden und kann nicht bei jedem Wetter verarbeitet werden. Dafür verbindet er sich besser mit der Tragschicht der Straße, sagt Experte Bach. So könne das Eindringen von Schmelz- und Regenwasser im Winter besser verhindert werden.
Der Joker heißt Kaltasphalt
Obwohl der Kaltasphalt im Vergleich zum heißen teurer ist, hat er für die Tiefbauämter entscheidende Vorteile. Er ist stets verfügbar, weil er temperaturunabhängig verarbeitet werden kann und härtet innerhalb weniger Stunden aus. Keine langen Baustellen also.
Deshalb haben Straßenarbeiter wie Hermann Krieger immer einen Eimer Kaltasphalt auf der Pritsche ihres Straßenkontrollwagens. „Wenn wir ein neues Schlagloch entdecken, können wir den gleich nutzen“, sagt der Straßenarbeiter. Und klopft das nächste Schlagloch zu. Bei leeren Kassen ist aktuell viel Improvisationskunst gefragt.
Source: tagesschau.de