Inflationssorgen wegen Iran-Krieg – US-Notenbank hält an Leitzins Festtag

Der Leitzins verbleibt in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Dafür stimmten am Mittwoch elf der zwölf Zentralbankrats-Mitglieder. Grund ist die Teuerungsrate durch den Krieg in Nahost. Einzig Stephen Miran, Berater von US-Präsident Trump, sprach sich für eine Zinssenkung aus.

Angesichts von Inflationssorgen infolge des Iran-Krieges tritt die US-Notenbank Federal Reserve auf die Bremse. Die Mehrheit des zwölfköpfigen Zentralbankrates stimmte dafür, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Und es dürfte nicht das letzte Mal sein, dass die Fed den Zins nicht anrührt: Denn die Aussicht auf ein Anziehen der Teuerungsrate lässt Zinssenkungen in diesem Jahr in weite Ferne rücken.

Ende Februar hatten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran begonnen, seither hat sich der Krieg dramatisch auf die Weltwirtschaft ausgewirkt: Unter anderem stieg der Ölpreis auf den höchsten Stand seit Jahren, weil der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gestört ist.

Die Meerenge südlich des Irans gilt als die wichtigste Ölhandelsroute der Welt. Zuletzt hatten die Vereinigten Staaten zudem die für Ölexporte wichtige iranische Insel Charg ins Visier genommen.

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Elf der zwölf Zentralbankrats-Mitglieder stimmten am Mittwoch für die Beibehaltung des derzeitigen Zinses. Lediglich der Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Miran, votierte wie bei den vorherigen Sitzungen für eine Senkung.

2025 drei Senkungen, 2026 bislang Ruhe

2025 hatte die Fed drei Mal aus Sorgen um den Arbeitsmarkt den Leitzins um jeweils einen Schritt (25 Basispunkte) gesenkt. Bei ihrer ersten Sitzung im Januar dieses Jahres legte sie dann eine Pause ein.

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Noch vor Kriegsbeginn war am Markt mit zwei Senkungen im späteren Jahresverlauf gerechnet worden. Ob die Fed tatsächlich 2026 noch zwei Mal ihre Zinsen lockert, steht mittlerweile auf dem Prüfstand.

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„Voraussichtlich wird es bis Juni dauern, bevor die Fed das Leitzinsband erneut um 25 Basispunkte auf dann 3,25 bis 3,5 Prozent senken wird“, kommentierte Volkswirt Felix Schmidt von der Privatbank Berenberg vor dem Zinsentscheid. Das Szenario dürfte zudem nur dann eintreten, wenn sich die Lage im Iran entspannt.

Zinssenkungen dürften sich über Monate verzögern

Bei der Frage, ob es zu weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr kommt, dürfte der potenzielle Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell indes eine untergeordnete Rolle spielen. Trump hatte Kevin Warsh nominiert, um nach Powells Abgang im Mai die Bank weiterzuführen. Der Präsident hofft damit, Einfluss auf den geldpolitischen Kurs der USA nehmen zu können und indirekt Zinslockerungen zu erwirken. Er hätte den früheren Fed-Gouverneur vorgeschlagen, wenn dieser sich für Zinserhöhungen ausgesprochen hätte, sagte Trump Anfang Februar. Der Senat muss die Personalie noch bestätigen.

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Erst jüngst forderte er Powell erneut dazu auf, den Leitzins zu lockern. Anders als von Trump regelmäßig verkürzt dargestellt, entscheidet der Fed-Chef nicht allein über den Leitzins. Stattdessen stimmt der zwölfköpfige Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen über den weiteren geldpolitischen Kurs ab.

Kaum Gründe für weitere Lockerungen

Allerdings dürfte Trumps ewiger Ruf nach Zinssenkungen erst einmal folgenlos bleiben. Denn lockert die Fed das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden. Im Februar stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 2,4 Prozent. Allerdings wurden die Daten noch vor Kriegsbeginn erhoben. Die Folgen des Iran-Konflikts mit deutlich gestiegen Ölpreisen werden sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

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Zudem ist die US-Wirtschaft robuster als etwa Europa gegenüber hohen Energiepreisen. Schließlich sind die Vereinigten Staaten Nettoexporteur von Öl – sie verkaufen mehr Öl ins Ausland als sie selbst importieren – und die US-Wirtschaft profitiert daher von der aktuellen Entwicklung. Die Fed muss also weniger Angst vor einem wirtschaftlichen Einbruch haben und kann sich stattdessen auf die Bekämpfung der Inflation fokussieren. Allerdings: „Sollte der Ölpreisschock anhalten oder sich verstärken, wäre selbst eine erneute Straffung der Geldpolitik nicht mehr auszuschließen“, schrieb Volkswirtin Lena Dräger vom Kiel Institut.

Für das laufende Jahr rechnet die Fed mittlerweile mit einer Teuerungsrate von 2,7 Prozent – noch im Dezember standen hier 2,4 Prozent auf dem Zettel. 2027 dürfte die Inflation dann bei 2,2 Prozent liegen (bislang: 2,1 Prozent). Unterdessen rechnet die Notenbank mit einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 2,4 Prozent, gefolgt von 2,3 Prozent 2027. Bislang rechneten die Experten mit 2,3 Prozent in diesem Jahr und 2,0 Prozent im kommenden Jahr.

Augen auch auf Zinsentscheid bei der EZB

Mit Spannung wird auch die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank an diesem Donnerstag erwartet. Dabei dürfte die EZB den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins weiter bei 2,0 Prozent belassen, so wie bei ihrer jüngsten Entscheidung Anfang Februar.

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Zuletzt hatte EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir unterdessen eine schnellere Zinserhöhung als mögliches Szenario ins Spiel gebracht. „Ich würde sagen, eine Reaktion der EZB ist möglicherweise näher als viele denken“, sagte der Präsident der Notenbank der Slowakei der Nachrichtenagentur Bloomberg.

dpa/doli

Source: welt.de

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