Inflation liegt im März zusammen mit 2,2 Prozent

Inflation liegt im März zusammen mit 2,2 Prozent

Die Inflationsrate in Deutschland liegt im März bei 2,2 Prozent. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag nach einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im Februar hatte die Rate wie im Januar 2,3 Prozent betragen. Nach dem Harmonisierten Verbraucherpreis-Index HVPI, der für Vergleiche mit anderen Ländern verwendet wird, war sie nachträglich nach unten korrigiert worden, von 2,8 auf 2,6 Prozent.

Insbesondere die Energie- und Kraftstoffpreise waren zuletzt gesunken. Nahrungsmittel dagegen steigen weiterhin im Preis. Am stärksten haben sich auf Jahressicht Dienstleistungen verteuert, wenn auch mit plus 3,4 Prozent nicht mehr ganz so stark wie in den Vormonaten.

„Die Inflationsrate dürfte auch in den kommenden Monaten weitgehend unverändert bei etwas mehr als zwei Prozent liegen“, sagte Timo Wollmershäuser, der Konjunkturchef des Ifo-Instituts.

Folgen der Politik Trumps für hiesige Inflation

Während die Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) in ihrer jüngsten Prognose angedeutet hatten, das Inflationsziel der EZB von zwei Prozent werde für den Euroraum insgesamt nachhaltig wohl erst im nächsten Jahr erreicht werden, hatte Bundesbankpräsident Joachim Nagel sich nach den jüngsten Energiepreisrückgängen zuversichtlich gezeigt, dass dies noch in diesem Jahr gelingen werde.

Bei all dem herrscht noch viel Unsicherheit; unter anderem, weil niemand genau weiß, wie sich die Politik von Donald Trump auf die Inflation hierzulande auswirken wird. Zölle und Gegenzölle könnten sie in Zukunft steigen lassen, aber über das Abwürgen der Konjunktur auch drosseln. Fed-Chef Jerome Powell hatte es für die Vereinigten Staaten als denkbar bezeichnet, dass die Zollpolitik zu einer „transitorischen Inflation“ führt, also einem einmaligen Anstieg der Preise, der dann im Verlauf des Jahres wieder aus den Inflationsraten herauswandert.

„Dass der Ölpreis die deutsche Inflation im März gedrückt hat, liegt nicht in erster Linie an Trump“, sagt Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Wichtiger seien die Konjunktursorgen in China, die immer noch hohe Produktion einzelner OPEC-Länder sowie die Aussicht auf eine höhere Produktion der OPEC als Ganzes. „Trump mag unsere Inflation kurzfristig durch seine Zollpolitik dadurch senken, dass große Länder wie China weniger in die USA exportieren und stattdessen mehr bei uns absetzen“, sagt Krämer. Dieses erhöhte Angebot würde die Preise hierzulande drücken. Aber in der langen Sicht dürfte die EU auf steigende Importe aus China mit höheren Zöllen reagieren. Sie werde ohnehin Gegenzölle gegen die USA verhängen, sagt der Ökonom: „ Alles in allem schwächt Donald Trump die Globalisierung, was am Ende auch bei uns für eine höhere Inflation spricht.“

Kraftstoff und Heizöl deutlich günstiger als vor Jahresfrist

Was genau alles im März teurer oder billiger geworden ist, verraten die schon detaillierter veröffentlichten Zahlen für Nordrhein-Westfalen, die meistens relativ repräsentativ für Deutschland sind.

Benzin wurde demnach gegenüber dem Vorjahresmonat 4,5 Prozent billiger, Diesel 5,9 Prozent. Zeitweise erreichte der Dieselpreis den niedrigsten Stand des Jahres. Heizöl verbilligte sich um 7,7 Prozent, Erdgas zum Heizen um 4,6 Prozent. Fernwärme war im Schnitt 2,2 Prozent teurer als vor Jahresfrist.

Unter den Nahrungsmitteln verteuerte sich Obst auf Jahressicht um 7,7 Prozent, Gemüse um 5,0 Prozent, Fleisch um 0,9 Prozent. Speiseöle und -fette wurden 7,9 Prozent teurer, Molkereiprodukte und Eier 5,3 Prozent und alkoholfreie Getränke 7,1 Prozent. Schwächer stieg der Preis für Brot, um 0,1 Prozent. Günstiger gegenüber dem Vorjahr wurden beispielweise Fisch und Meeresfrüchte, um 2,6 Prozent.

Prämien für Versicherungen steigen erheblich

Besonders spürbar ist weiterhin der Preisauftrieb für Dienstleistungen. Versicherungsdienstleistungen verteuerten sich um 9,5 Prozent. Dienstleistungen sozialer Einrichtungen wurden im Schnitt 6,9 Prozent teurer. Hier spielen unter anderem die Preissteigerungen in der Pflege eine Rolle. Essengehen im Restaurant verteuerte sich um 5,0 Prozent, Übernachten im Hotel um 2,1 Prozent. Pauschalreisen stiegen auf Jahressicht 3,2 Prozent im Preis. Gegenüber dem Vormonat Februar 2025 war besonders auffällig der Anstieg der Preise für Bekleidung um 4,0 Prozent.

Die Inflationsrate für den Euroraum insgesamt wird am Dienstag vorgestellt. In anderen Euroländern sind die Raten zum Teil völlig anders, in Frankreich beispielsweise verharrte die Rate von Februar auf März auf 0,9 Prozent, dem tiefsten Stand seit vier Jahren. Dabei spielt eine Rolle, dass die Regulierungsbehörde von Februar an für niedrigere Strompreise sorgte.

Die EZB trifft sich am Gründonnerstag zur April-Zinssitzung. Im EZB-Rat wird darüber diskutiert, dann eine Zinspause einzulegen. Die Notenbank hat sich aber in dieser Frage noch nicht festgelegt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte einem Radiosender: „Wir sind alle absolut entschlossen, dieses Ziel zu erreichen, nämlich eine Inflationsrate von zwei Prozent.“ Was den Weg dorthin angehe, so wollten einige „im Galopp“, also sehr schnell, vorankommen. Andere sagten: „Lasst uns einen kleinen Trab machen, lasst uns abwarten, was die Hindernisse auf dem Weg sind.“

Der Goldpreis hat unterdessen am Montag seine Rally fortgesetzt. Mit Gold wollen viele Anleger sich gegen geopolitische Risiken, aber auch gegen Inflationsgefahren absichern. Eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls kostete erstmals in der Geschichte mehr als 3100 Dollar.

Source: faz.net