Die Inflation in Deutschland ist wieder etwas gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag aufgrund einer ersten Schätzung mitteilte, betrug die Inflationsrate im Januar 2,1 Prozent. Im Dezember waren es 1,8 Prozent gewesen, im November und Oktober jeweils 2,3 Prozent. Wie der vierteljährliche F.A.Z.-Preisbericht zeigt, ist die Teuerung für Dienstleistungen im Berichtszeitraum weiter überdurchschnittlich gewesen. Energie ist auf Jahressicht günstiger geworden. Die Preise für Lebensmittel steigen weiter, aber zumindest im Durchschnitt nicht mehr so stark wie noch vor einiger Zeit. Gleichwohl müssen Verbraucher heute im Supermarkt wesentlich mehr für den gleichen Einkauf ausgeben als vor fünf Jahren.
Was genau auf Jahressicht teurer oder billiger geworden ist, verraten die schon detaillierter veröffentlichten Zahlen für Nordrhein-Westfalen, die meistens relativ repräsentativ für Deutschland sind. Demnach wurden Obstkonserven 33,7 Prozent teurer, Gurken 25,7 Prozent, Bohnenkaffee 24,7 Prozent und Schokoladentafeln 21,5 Prozent. Alkoholfreie Getränke stiegen acht Prozent im Preis, Obst verteuerte sich um 7,7 Prozent. Fleisch wurde 5,1 Prozent teurer, Fisch 2,9 Prozent und Brot 0,3 Prozent. Tabakwaren waren im Januar 4,4 Prozent teurer als vor Jahresfrist.
Deutlich günstiger angeboten als im entsprechenden Vorjahresmonat wurde beispielsweise Butter mit minus 33,6 Prozent, Quark mit minus 24,1 Prozent und Toastbrot mit minus 12,7 Prozent.
Benzin mit höherem CO2-Preis
Mit den Kraftstoffpreisen und dem Ölpreis war es im vergangenen Vierteljahr ein Auf und Ab. Die schwache globale Wirtschaftsentwicklung hält die Nachfrage nach Öl niedrig, aber immer wieder sorgen geopolitische Turbulenzen für einen Ölpreisanstieg. Derzeit ist Öl mit gut 68 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent und knapp 65 Dollar für die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) zwar im historischen Durchschnitt nicht besonders teuer, aber doch deutlich teurer als in vielen Monaten zuvor.
Benzin der Sorte Super E10 kostete zuletzt 1,74 Euro je Liter, das war wieder mehr als im Dezember. Diesel kostete zuletzt 1,70 Euro je Liter, auch deutlich mehr als Ende vergangenen Jahres. Dabei spielt unter anderem auch der CO2-Preis für den Klimaschutz eine Rolle, der zum Jahreswechsel angehoben wurde, von 55 auf 55 bis 65 Euro je Tonne Kohlendioxid. Auf Jahressicht war Kraftstoff den Statistikern zufolge im Januar gleichwohl im Schnitt rund 1,4 Prozent billiger. Diesel sank 2,1 Prozent im Preis, für Super E10 waren es 1,2 Prozent.
Heizen wird teilweise billiger
Der Preis für Heizöl war im Januar erheblich niedriger als vor einem Jahr, er sank um elf Prozent. Zuletzt kostete Heizöl nach Zahlen der Internetplattform Heizoel24, an die 500 Ölhändler ihre Preise melden, 94 Euro je hundert Liter bei der Abnahme von 3000 Litern. Erdgas zum Heizen sank auf Jahressicht um 1,8 Prozent im Preis, Strom um 0,2 Prozent. Fernwärme hingegen war 2,5 Prozent teurer als im Januar 2025.
Gaststättendienstleistungen verteuerten sich auf Jahressicht um 4,4 Prozent. Übernachten im Hotel wurde 1,6 Prozent teurer. Die Preise für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen, dahinter steckt unter anderem die Pflege, stiegen um 6,1 Prozent. Versicherungsdienstleistungen kosteten 5,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Pauschalreisen stiegen sechs Prozent im Preis. Möbel verteuerten sich um 0,3 Prozent.
Höhere Raten im zweiten Halbjahr
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel vertritt die Einschätzung, in der ersten Jahreshälfte 2026 könnte die Inflation in Deutschland unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent liegen. „Das sollte aber nur wenige Monate dauern“, sagt er. Auf längere Sicht sei der Inflationsausblick stabil um die zwei Prozent. „Gut ist, dass auch die Kerninflationsrate, die die schwankungsanfälligeren Preise für Energie und Nahrungsmittel außen vor lässt, inzwischen merklich rückläufig ist“, sagte Nagel.
Im Euroraum insgesamt ist die Entwicklung der Inflation nicht grundlegend anders als in Deutschland. Von sehr hohen Werten aus dem Jahr 2022 kommend, sind die Inflationsraten mittlerweile wieder in die Nähe des EZB-Ziels zurückgekehrt. Im September 2025 betrug die Inflationsrate im Euroraum 2,2 Prozent, im Oktober und November 2,1 Prozent und im Dezember 1,9 Prozent. Die Inflationsrate für Januar im Euroraum wird in der nächsten Woche am Mittwoch vorgestellt. In Spanien beispielsweise hat sich die Inflation deutlich abgeschwächt, von 3,0 auf 2,5 Prozent.
Am kommenden Donnerstag wird der EZB-Rat dann über die Leitzinsen entscheiden. Nach allem, was man hört, dürften die Zinsen unverändert gelassen werden. Der entscheidende Leitzins, der Einlagensatz, dürfte damit auf 2,0 Prozent verbleiben.
Leitzins bleibt voraussichtlich unverändert
Die Investmentbank Goldman Sachs sagt in ihrer Langfristprognose sogar vorher, die Leitzinsen könnten theoretisch auf mehrerer Jahre unverändert bleiben, wenn es keine neuen Schocks gäbe. Bundesbankpräsident Nagel ist allerdings skeptisch, ob sich das über längere Zeiträume wirklich vorhersagen lässt. Er sagte der F.A.Z.: „Wir wissen aus der Erfahrung, dass es immer wieder Situationen gibt, die neu eingeordnet werden müssen.“ Aus heutiger Sicht seien die Leitzinsen aber „in der Tat auf einem angemessenen Niveau, um mittelfristig Preisstabilität sicherzustellen“.
Das dürfte heißen, in der kommenden Woche wird es bei der EZB-Zinssitzung ruhig werden. Die Commerzbank meint, es sei keine Zinsänderung zu erwarten. Die EZB-Oberen seien aber vom höheren Euro-Dollar-Wechselkurs nicht begeistert und könnten deshalb verbal gegensteuern. Commerzbank-Ökonom Michael Pfister sagt: „Die Entwicklung am Devisenmarkt dürfte zumindest die Chance erhöhen, dass die EZB bei ihrer Entscheidung in der kommenden Woche wieder weniger falkenhaft klingt.“
Source: faz.net