Inflation durch den Nahostkrieg: Die Energiepreise könnten nur dieser Anfang sein

Der letzte Preisschock ist vielen Menschen in Deutschland
noch in guter Erinnerung. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die
Ukraine im Februar 2022 stiegen zunächst die Energiepreise rasant. Doch schon
bald machten sich die höheren Kosten für Öl und Gas nicht nur beim Tanken und
Heizen bemerkbar. In zahlreichen Branchen nahmen die Produktionskosten wegen
der teuren Energie zu. Und die Unternehmen gaben die Kosten an die Verbraucherinnen
und Verbraucher weiter.

Besonders spürbar war das für die meisten Menschen im
Supermarkt. Seit 2020 haben die Preise für Lebensmittel nach Daten des
Statistischen Bundesamts im Schnitt um rund 37 Prozent zugelegt.

Nun ist es wieder ein Krieg, der die Preise in Deutschland erneut steigen lässt, diesmal im Iran.
Durch die Blockade der Straße von Hormus hat sich vor allem der Ölpreis
sprunghaft erhöht, da rund ein Fünftel der globalen Öltransporte normalerweise
diese Meerenge passiert. Je länger der Krieg anhält, desto größer werden die
Inflationssorgen hierzulande. Wird bald wieder vieles teurer?

Noch ist die Inflation in Deutschland auf einem
unbedenklichen Niveau. Im Februar lagen die Preise 1,9 Prozent über dem
Vorjahresniveau
, also nahe der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von
zwei Prozent. Doch das könnte sich nun ändern. Ökonomen erwarten, dass die
Inflationsrate in den kommenden Monaten wegen des Krieges im Iran zunehmen
wird. Das gewerkschaftsnahe Institut für ​Makroökonomie
und Konjunkturforschung (IMK)
rechnet mit einem Wert von deutlich über 2,5
Prozent in der ersten Jahreshälfte.

Unsichere Prognosen

Aktuell kann jedoch niemand seriös einschätzen, wie lange
der Krieg noch andauern wird und ob er sich weiter ausweitet. Prognosen wie die des
IMK sind deshalb unsicher. Im Falle einer Eskalation könnte die Inflationsrate
hierzulande länger erhöht bleiben und in der Spitze auf knapp drei Prozent
steigen, prognostizierte das Münchner ifo-Institut vor etwa einer Woche. In
diesem Szenario würden die hohen Energiepreise zunehmend auch auf andere Waren
und Dienstleistungen durchschlagen, erwarten die ifo-Konjunkturforscher.
Der ökonomische Beirat von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hält sogar
eine Inflationsrate von 3,5 Prozent für möglich.

Selbst dieser Wert wäre noch weit entfernt vom
Inflationsschub infolge des Ukrainekriegs. Im Herbst 2022 lag die
Inflationsrate in der Spitze bei gut 10 Prozent. Es war der höchste Wert seit
Jahrzehnten. Ein Grund dafür war, dass Russland damals für die unmittelbare
Energieversorgung in Deutschland eine entscheidende Rolle spielte: Die
Bundesrepublik bezog etwas mehr als die Hälfte ihrer Gasimporte und mehr als ein
Drittel seines Rohöls direkt aus Russland.

Eine vergleichbare
Abhängigkeit zum Iran gibt es nicht. Silke Tober, Inflationsexpertin am IMK,
rechnet daher nicht mit einem dauerhaften Effekt auf die Preise: „Wird die
Blockade der Straße von Hormus im Sommer wieder aufgehoben und bleibt die Öl-
und Gasinfrastruktur der Golfstaaten weitgehend intakt, dürften die Rohöl- und
Erdgaspreise im weiteren Jahresverlauf wieder auf ihre Niveaus von Ende 2025
zurückfallen“, sagt Tober.

Dass es so kommt, ist allerdings nicht sicher. Die Energieinfrastruktur in der Golfregion ist infolge des Krieges bereits
beschädigt worden. Zuletzt griff der Iran Flüssiggasanlagen in Katar an.
Sollten Öl- oder Gasanlagen verstärkt zum Ziel von Angriffen werden, wäre das
für die Entwicklung der Energiepreise nach Einschätzung von Experten
verheerend.

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