Infantinos Iran-Albtraum

Die WM in den USA ist für Gianni Infantino ein Prestigeprojekt. Jetzt ist der Präsident der Fifa in einen heiklen politischen Fall geraten. Es geht darum, ob und wo der Iran spielt. Infantino muss zwischen Donald Trump und dem Regime vermitteln.

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Gianni Infantino kämpft plötzlich nicht mehr nur um eine WM. Der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa kämpft um seine Autorität.

Wenige Wochen vor dem Start der Endrunde ist der 56-Jährige in den heikelsten politischen Fall seiner Amtszeit geraten: Iran ist sportlich qualifiziert, doch nach dem Krieg mit den USA steht die Frage im Raum, ob die Mannschaft überhaupt wie geplant in Amerika antreten kann.

Iran soll in der Vorrunde in Inglewood bei Los Angeles und Seattle spielen. Teheran verlangte zuletzt jedoch, die Partien nach Mexiko zu verlegen. Die Fifa lehnt das ab, wie Mexikos Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum erklärte. Aus Sicht des Weltverbands hätte dies „einen enormen logistischen Aufwand“ bedeutet.

Die WM in den USA, Kanada und Mexiko ist Infantinos Prestigeprojekt. Und ausgerechnet jetzt droht das Turnier von Krieg, Visa-Streit und Sicherheitsfragen überschattet zu werden.

Je näher der Anpfiff rückt, desto größer wird der Druck auf den Fifa-Boss, weil ein Konflikt zwischen Gastgeber USA und einem qualifizierten Team die Glaubwürdigkeit des gesamten Turniers beschädigen würde.

Gianni Infantino biedert sich bei Donald Trump an

Donald Trump hat die Lage schon früh zusätzlich angeheizt. Er erklärte, Irans Team sei zwar willkommen, eine Teilnahme sei wegen „Leben und Sicherheit“ aber problematisch. Und das trotz all der Anbiederungen von Infantino an Trump, dem er sogar einen eigens kreierten „Fifa-Friedenspreis“ verlieh.

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Ende März machte Infantino einen demonstrativen Schritt. Er flog in die Türkei, wo Iran ein Testspiel gegen Costa Rica absolvierte. Dieser Besuch war eine politische Mission.

Infantino wollte den Iranern zeigen, dass die Fifa an ihrer Teilnahme festhält. Und er wollte zugleich nach außen demonstrieren, dass er die Kontrolle über die Lage nicht verloren hat. In der Halbzeitpause formulierte er seine Botschaft unmissverständlich: „Iran wird bei der WM dabei sein. Deshalb sind wir hier.“

Nach den Visa-Leitlinien des US-Außenministeriums fallen Spieler, Trainer, notwendiger Betreuerstab und unmittelbare Angehörige unter Ausnahmen. Die Mannschaft könnte also einreisen und antreten.

Das größere Problem sind die Fans. Für sie gelten die amerikanischen Einreisebeschränkungen weiter. Genau das macht den Fall politisch so explosiv. Für Infantino geht es um seine Glaubwürdigkeit. Um sein Verhältnis zum Weißen Haus. Und um die Frage, ob die Fifa in einer geopolitischen Krise wirklich noch Herrin ihres eigenen Turniers ist.

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Schon jetzt ist klar: Diese WM wird nicht nur auf dem Rasen entschieden. Sondern auch in den Hinterzimmern der Macht.

Dieser Artikel wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT/BILD/SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD.

Source: welt.de

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