Immer Zorn mit Timmy: Gebt Walfreiheit!

Schlimm ist es zweifellos: das Geschrei und Gestöhne all der Tiere, die täglich auf dieser Welt verenden. Die gefressen werden, sich verletzen, absaufen oder verdursten. Hart ist sie, die Natur. Und wir, die wir uns ihrem Schutz verschrieben haben, sind Teil von ihr. Wobei, und auch das ist hart: Wir schützen eigentlich nur Tiere einer bestimmten Art und Größe. Je näher sie uns scheinen oder je exotischer sie sind, desto mehr fühlen wir mit.

Mitfühlen ist das eine. Jedem ist es unbenommen, mit dem in der Ostsee gestrandeten Buckelwal zu leiden, im gleichen Gewässer zu baden, sich zu solidarisieren. Die andere Frage ist aber, ob sich der halbe Staatsapparat mit Timmy befassen muss. Auch der Bundespräsident hat schon ein Expertengespräch angekündigt.

Die Verwaltungsgerichtsbarkeit ist mit Eilanträgen in Beschlag genommen. Und der zuständige Landesminister durchlebt gerade, wie er sagt, die „schlimmste Hölle“: Er kümmert sich, hat schon früh öffentlich Sterbehilfe für den Wal abgelehnt, bekommt aber selbst Morddrohungen. Mehr geht nicht; allenfalls Trump könnte noch Stellung nehmen, doch ist ungewiss, inwieweit Timmy blockadetauglich ist.

Keine Blockade in Sicht

Der große Säuger blockiert weder die christliche Seefahrt, noch ist er durch Menschenhand gestrandet. Der Mensch, als Teil der Natur, mag auch daran seinen Anteil haben. Er ist aber nicht in der Pflicht, das Tier gleichsam wider die Natur mit großem Aufwand wieder in Bewegung zu setzen. Schutz vor menschlichen Störern kann geboten sein. Das Tier seinem offenbar instinktiv gewählten Schicksal zu überlassen, ist nicht grausam. Sondern eine Hilfe im Sterben oder auch zum Weiterleben, wie wir es dem Geschöpf schuldig sind.

Der Wal ist zum Symbol geworden. Die Gefühlsausbrüche, die seine Lage verursacht, mag mancher als Zeichen dafür nehmen, wie grausam unsere Zeit ist. Man kann aber auch sagen: Hier ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie gut es uns geht. Es ginge uns noch besser, wenn wir uns auf das Wesentliche konzentrieren würden. Immerhin: Wäre der Wal in Berlin gestrandet, wäre wie immer der Staat aus dem Spiel. Die Touristen müssen ran.

Source: faz.net