Im Western nichts Neues – Läster-Showdown zwischen Team Ariel und Gil Ofarim

Das 19. Dschungelcamp folgte bisher einer klassischen Western-Dramaturgie. Eine junge Wildwütige fordert den abgehalfterten Platzhirsch mit finsterer Vergangenheit heraus. Tag 14 steuert auf den Showdown zu. Die braven Bürger im Camp begehren auf – besonders Simone Ballack.

Noch nie in seinen 19 Ausgaben folgte das Dschungelcamp so sehr der klassischen Western-Dramaturgie. Keiner komplexen Anordnung, wir sind immer noch „beim RTL“, also nix mit „Mexican Standoff“ (drei, die sich zugleich duellieren), sondern ein stinknormales Duell, auf das das Geschehen in unserem kleinen „Star“-Dorf wie auf Schienen hinschnurrt. Nur dass der Showdown eben nicht am O.K. Corral oder Rio Bravo stattfindet, sondern vermutlich an einem Tümpel auf einem verwilderten ehemaligen Farmgelände in Dungay, New South Wales, etwa zehn Kilometer nordwestlich von dem Ort Murwillumbah.

Aber, so viel „Credit“ muss man denen „vom RTL“ geben, sie haben sich immerhin auch ein paar „New Western“ angeschaut („Jung Guns“, „Erbarmungslos“, auch „Kill Bill“) und sich danach für ein Duell Frau gegen Mann, jung gegen mittelalt entschieden. Vor allem aber dafür, ausschließlich Antihelden in den Ring zu schicken, mit denen sich kaum einer so richtig identifizieren mag. Für die aber – wie es sich in einem guten Western gehört – einfach nicht genug Platz ist an diesem Ort.

Als ewige Herausforderung in diesem Duell: die Schweizerin Ariel, eine Art weiblicher Billy the Kid, schnell an der Waffe, immer angezündet, niemals Gefangene machend, menschlich arg unreif, dafür umso überzeugter von sich selbst. Eine Revolverheldin, jederzeit bereit, beim kleinsten Zucken von irgendjemandem die verbale Waffe zu ziehen und erst dann mit dem Schimpfen aufzuhören, wenn keine Patrone mehr in der Trommel steckt. Ihr Gegner: Gil Ofarim in der Rolle des berühmten „Doc“ Holliday, eines erfahrenen „Gunslingers“, gesundheitlich angeschlagen, emotional und finanziell weitestgehend Bankrott. Ein Haudegen, der eigentlich keine Lust mehr hat zu kämpfen (es aber noch kann). Einer, der, vor allem nicht mehr darauf angesprochen werden will, dass er mindestens einmal viel zu schnell gezogen und einen Unschuldigen zum Krüppel instagrammiert hat.

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Das ist die Lage im Dschungelcamp 2026 – es gibt die zwei, alle anderen Einwohner sind mehr oder minder Staffage. Maximal dazu da, um eine bestimmte Type darzustellen. Da gab es anfangs etwa die ein bisschen seltsame Alte (Nicole), den liebenswert-verpeilten Halbstarken (Umut), die angeraute Eminenz (Stephen) oder das gefallene Mädchen, welches sich nicht mehr berappelte (Eva) – sie alle haben mittlerweile den Ort verlassen. Geblieben sind die lustige Krämerseele (Hubert), die junge Alleinerziehende, aus der niemand schlau wird (Samira), der kraftstrotzende Farmer, der sich chronisch unterschätzt fühlt (Patrick), die Besitzerin des Saloons, patent, zupackend, lange eher wortkarg (Simone). Und natürlich der ehemalige Dorfpfarrer, eine gute, ein wenig faule Seele, die sich dann doch für die Freuden des Familienlebens entschied, aber unter der Vergangenheit leidet (Hardy).

Lauter Nebendarsteller, die zittern, wenn die junge Pistolera, Ariel „the Kid“, mit boshaft-stechendem Blick in den Saloon schlendert – und sich fragt, mit wem sie jetzt mal wieder Stress anfangen kann. Und täglich schier wahnsinnig darüber wird, dass Gil „Doc“ Ofarim weiter wie eine Sphinx in der Ecke sitzt – und partout das Shootout verweigert. So weit, so bekannt, so unbefriedigend.

Womit wir bei Tag 14 wären: In der Westerndramaturgie entspricht er dem Moment, in dem die Spannung wie Blei über der kleinen Stadt liegt. Die Nerven liegen blank, die Sonne brennt gnadenlos auch noch die letzten Hirnzellen weg. Es kommt zu kleine, freudlosen wie unnötigen Scharmützeln, einfach, damit sich die Spannung entladen kann. Und alle, alle warten darauf, dass es endlich zum Showdown (Finale) kommt. Eine unbefriedigende, höchst nervige Situation. Die Uhr steht auf fünf vor Zwölf, die Nebenfiguren müssen sich entscheiden, auf welcher Seite sie nun stehen.

Runde 1: Du bist so verletzt, Du musst gehen. Dass Gil – trotz Sturz und Krankenhaus und Medikamenten – einfach partout nicht seinen Platz im Camp räumen will, geht Ariel, geht Samira, geht nun auch Simone, also den drei Damen vom heutigen Gil-Grillen, mächtig auf den Zünder. Ariel („Ich bin eine reine Seele“) eröffnet gewohnt feinfühlig mit der ersten Attacke des Tages: „Gil, Du bist ein Lügner und Du bleibst ein Lügner. Ob Du verletzt bist oder nicht, hat nix damit zu tun, dass Du ein schlechter Mensch bist.“

Samira, die ihrer rausgewählten Konkurrentin Eva noch eine Schlange als Symboltier überreicht hatte, versucht es auf eine verständigere (und maximal verlogene) Tour: Sie alle im Camp hätten sich ja große Sorgen um Gil gemacht, als sie vom Unfall hörten und ihn danach ins Camp zurückkommen sahen – gestützt auf zwei Ranger. Aber, großes Aber: „Wir haben noch vier fucking Tage hier. Ich frage mich: Fühlst Du Dich bereit, ‚all-in‘ zu gehen oder sagst Du Dir: ‚Mir geht es eigentlich echt scheiße, was mache ich hier?‘“ Simone Ballack: „Du bist nicht voll einsatzfähig. Wenn Du aber eine Mannschaft hast mit einem verletzten Spieler, dann musst Du den rausnehmen, den ersetzen oder ohne den spielen.“ Gil: „Ich gebe alles, was ich kann. Macht Euch keine Sorgen.“ Simone: „Ich weiß, warum Du nicht freiwillig gehen möchtest. Aber für uns ist das schwer nachzuvollziehen.“ Ariel, sich wieder einmischend: „Du bist und bleibst ein Lügner und Verbrecher.“ Patrick, genervt: „Sag doch mal etwas Neues, Ariel.“

Fazit Jan Köppen: „Das Einzige, was öfter wiederholt wird als Ariels Platte ist ‚Der kleine Lord‘“.

Alt gegen jung: Bevor sich das Camp endgültig in zwei Lager trennt, Männer und Frauen, durften noch einmal die „Alten“ geschlechterübergreifend erzählen, was sie für erste Jobs hatten (Hardy: „Tellerwäscher“, Hubert: „Bürokaufmann“, Simone: „Apothekenhelferin und abends Service in der Gastro“). Und natürlich kollektiv ihr Missfallen an der Weichei-Jugend von heute äußern. Besonders Simone, die immer fünf Jobs gleichzeitig gemacht haben will, bemängelt die Einstellung „der Jungen“: Die brächten „wenig Disziplin“ mit, die „chillen gern“ und wenn man einen aus dieser Generation frage, ob er zu der Acht-Stunden-Schicht noch zwei Stunden Extra machen könne: „Dann winkt der ab“. Hubert: „Die Jugend ist gar nicht belastbar. Die wollen nicht am Wochenende arbeiten. Und die Disziplin lässt auch zu Wünschen übrig.“ Jan Köppen: „Tante Sonja, war früher wirklich alles besser.“ Die Antwort lassen wir hier einfach mal – gerade selbst total faul – liegen.

Die Prüfung: Zunächst darf „Doktor Bob“, im wahren Leben u.a. Rettungssanitäter, Gil im Dschungeltelefonhäuschen die Nachricht überbringen, dass dieser „hundertprozentig fit“ sei für die Prüfung, obwohl Gil – endlich mal ein konkreter Hinweis! – beim Aufprall mit dem Kopf auf die Plattform eine Gehirnerschütterung erlitten haben soll. Patrick bekommt die meisten Stimmen für die Prüfung, zudem Gil, aber aus unterschiedlichen Motiven. Patrick und Hardy wählten ihn, weil Gil immer verlässlich Sterne/Essen liefert, gerade bei Essensprüfungen. Ariel und Samira wählten ihn, weil sie auf eine strapaziöse Sport-Prüfung hofften, eine, die Gil zur endgültigen Aufgabe zwänge. Tja, falsch gehofft.

Es wurde eine Essensprüfung – süße Leckereien der besonders widerlichen Art. Bei der Prüfung namens „backWÜRG“ mussten die beiden sieben spezielle Desserts verzehren, Patrick, weil mehr Stimmen, dabei eine mehr. Etwa „Muhhhss au Chocolat“, 50 Gramm Kuhschnauze auf einer Zimtschnecke. Die Schnecke musste der Bauer nicht mitessen. Gil, anfeuernd: „Du bist so ein geiler Typ, wie Du hier die Schnauze verdrückst.“ Sonja Zietlow: „Der Bauer is ’nen Kauer.“ Dann kam Ofarim dran, etwa mit einer „Erd-Bäh-Tarte“ (5 Beachwürmer auf einer Tarte). Beide Männer zogen durch, scheiterten jeweils einmal nur knapp an der Zeit (eine Minute). Fünf von sieben Sternen. Zietlow: „Well done, Männer!“ Ausgelassenheit? Freude? Nicht im Camp – nicht bei den „Muttis“.

Das Lästern der Ladies: In Abwesenheit der Männer (Gil und Patrick bei der Prüfung, Hubert einfach mal wieder in anderen Sphären) schlug sich Simone in die Büsche und auf die Seite von Ariel und Samira. Großes Frauen-Empowerment! Verschwesterung! Verständlich, irgendwie, Ballack ist mit Ofarims Ex-Frau befreundet und hatte bereits angedeutet, dass sie ein paar Dinge wisse, die nicht sonderlich vorteilhaft für Gil seien. Ob es aber strategisch schlau war, sich mit Giftspritze Ariel und deren – leider doch nicht so schlauen – Adjutantin Samira zu verbünden? Wie es ein User stellvertretend für viele (nicht nur Männer) auf X recht rustikal ausdrückte: „Boah, wie die Weiber einfach Gil zum Dschungelkönig quatschen.“

Simone jedenfalls deutete diesmal an, ohne wieder richtig konkret zu werden, Gil habe mit „Ekat“ (Ekaterina Leonova), seiner Profi-Tanzpartnerin aus „Let’s Dance“ (berüchtigt dafür, einigen ihren TV-Partnern auch privat den Kopf verdreht zu haben), mehr als nur getanzt. Als Simone ihn später darauf anspricht, windet Gil sich in bewährter Ofarim-Manier heraus. Er wolle dazu nicht sagen, vor allem um seine Frau zu schützen, der es damals nicht gut gegangen sei. Er wolle das heute wieder okaye Verhältnis zu ihr nicht gefährden. Jan Köppen: „Auf wen Gil alles Rücksicht nimmt: Der schützt inzwischen mehr Menschen als Batman!“

Halbwegs ignoriert: Das Ohropax-Gate! Wegen fortwährender Verstöße gegen die Camp-Regeln (u.a. das gestrige Waschen mit Seife im Teich von Samira) müssen alle „Luxusgegenstände“ (etwa: Kissen) abgegeben werden – bis auf insgesamt zwei. Langes hin und her: Hubert und Hardy wollen ihre Ohrstöpsel behalten, Samira plädiert dafür, dass Simone ihre Erinnerungskette an ihren toten Sohn behält. Hubert gibt nach, Simone gibt nach, am Ende behalten die Männer ihre Stöpsel. Samira findet es – nachträglich – unsensibel und respektlos. „Typisch Männer!“ Hubert, der seine ja abgeben wollte, heult: „Immer bin ich das Arschloch! Es kotzt mich an.“

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Völlig ignoriert: Hubsis nächste Ladung Esoterik (nur ein Schüppchen hier: sein Ehemann Matthias Mangeapane streut Salz vor den Eingang, um die bösen Geister zu vertreiben). Evas Auszug (Patrick: „Schade, aber das Leben geht weiter“). Die endlosen Diskussionen, wer jetzt wen im Finale sieht – ein in diversen Konstellationen durchgekautes Thema. „Es ist wie bei Game of Thrones: Alle drehen durch – weil sie die Krone wollen. Nur Intrigen“, stellt Patrick fest. Kurze Zusammenfassung. Die drei Frauen können sich nicht vorstellen, wie es einer dieser Männer ins Finale schaffen sollte. Die Männer trauen es Simone und Samira zu. Was unterscheidet die Dschungelcamper 2026 von Borussia Dortmund? Sie wollen alle Meister werden.

Runde 2: Du bist zu gut drauf, Du musst gehen. „Ich habe einfach verpasst, wann diese Heldenreise gestartet ist“, fragt Simone entgeistert. Ihr stößt massiv auf, dass Gil nach der Prüfung sichtlich gut drauf ist, mit Patrick seine Bromance feiert („Terminator ist schlank geworden“), mit Hardy scherzt. Vor allem aber, dass er immer noch da ist. Um einmal einen Standardsatz des kleinen Gerechtigkeitstaliban aus der Schweiz zweckzuentfremden, Simone fragt sich: „Zuschauer, was stimmt nicht mit Euch?“ Ariel zu Simones Sinneswandel: „Besser spät als nie.“ Sie selbst geht dann nochmal „ganz chillig“ zu Gil rüber: „Gil, jetzt mal eine ehrliche Frage: Wen willst Du eigentlich verarschen? – „Ariel, lass gut sein.“ – „Ach, bist Du jetzt wieder der Schweigefuchs? Du bist hier als Täter drin. Weißt Du. Du bist verlogen. EHRENLOS!“ Dazu das Netz:

Was RTL nicht zeigte: Ausziehen gegen den Auszug – Stephen nützte es nichts, Simone drohte nun damit und Ariel setzte es in die Tat um. Die Kreischboje holte ihre Trümpfe heraus, wie Mit-Camperinnen pikiert erwähnten. RTL aber dazu: „Och, nö, lass mal!“

Finale, oho? Simone kam aus der Deckung und hat sich damit souverän selbst von der Pole-Position geschossen. Das Dauergeläster mit Ariel über die Herren im Camp stand ihr nicht gut. Gleiches gilt für Samira. Lachender Minderleister: Hubert. („Ich will die Krone. Ich will einmal im Leben etwas gewinnen!“)

Beste Sprüche: „Ich hab‘ keine Ahnung, was Du für eine Seele hast, aber ich habe eine sehr reine.“ (Ariel zu Gil)

„Die kann Dir doch nicht die ganze Zeit auf den Kopf pissen und dann sagen: es regnet.“ (Gil über Ariel)

„Krank, der Typ ist so krank“(Ariel über wen wohl?)

„Jeder hat eine Meinung, jeder hat ein Urteil, vor allem über mich.“ (Gil)

„Es gibt eine neue Einheit im Dschungel: Sie heißt ‚Ariel‘ und wird gemessen in Dezibel und Penetranz.“ (Sonja Zietlow)

Wer musste gehen: ein erstes „vielleicht“ für Samira, das Aus aber traf Hardy Krüger. Der Hinweis, es etwas „zivilisierter“ miteinander zu versuchen, war übrigens nicht der schlechteste in Krügers arg salomonischer Abschiedsrede („Hört auf zu streiten. Bleibt geduldig. Ich mag Euch alle gern!“)

Das Duell: Verschoben auf mindestens heute um 20.15 Uhr auf RTL und RTL+.

Source: welt.de

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