Der frühere Vizekanzler zieht Parallelen zwischen dem Ukraine-Krieg und dem Iran-Konflikt. Was er daraus ableitet, betrifft Europas Sicherheit und Energieversorgung direkt.
Es gebe Parallelen zwischen dem Ukraine-Krieg und dem aktuellen Konflikt mit Iran: In einem Gastbeitrag für den „Guardian“ beschreibt der frühere Grünen-Politiker Robert Habeck sowohl Russlands Präsidenten Wladimir Putin als auch den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump als von „Größenwahn“ getrieben.
Habeck schreibt, beide hätten weniger aus rationalen Motiven gehandelt, sondern aus dem „Rausch ihrer eigenen historischen Größe“. Das mache sie unberechenbar und führe dazu, dass internationales Recht für sie kaum eine Rolle spiele.
Zugleich sieht Habeck gravierende militärische Fehleinschätzungen. Beide hätten „den Willen der angegriffenen Länder, Opfer zu bringen, massiv unterschätzt“. Während die Ukraine „sofort begann, für ihre Freiheit zu kämpfen“, habe die iranische Bevölkerung „offenbar noch keine Chance gesehen“, sich gegen das Regime zu erheben.
Auch geopolitisch erkennt Habeck Parallelen. Russland und China hätten ein Interesse daran, dass die USA „lange im Iran gebunden bleiben“ und dort „Munition verbrauchen und Kräfte binden“. Der Konflikt drohe sich dadurch zu einem „Abnutzungskrieg“ zu entwickeln.
Besonders warnt Habeck vor den Folgen für die Energieversorgung. Diese werde erneut „als Waffe eingesetzt“, um Europas Verwundbarkeit offenzulegen. Schon 2022 habe Russland die Gaslieferungen gestoppt, nun blockiere Iran die Straße von Hormus. Putin habe Deutschland im Zuge seiner Kriegspläne erfolgreich in eine „billige Energie-Falle“ gelockt. Aus seiner Sicht seien die hohen Preise nur das zweitgrößte Problem gewesen – entscheidend sei die Frage gewesen, ob überhaupt genug Energie vorhanden ist.
Aus diesen Parallelen lassen sich laut Habeck mehrere zentrale Lehren ziehen: Europa müsse sich auf lange Konflikte einstellen. Dafür brauche es „neue Produktionskapazitäten“ und militärische Fähigkeiten, etwa „Bestände an Abwehrdrohnen“. Verteidigung müsse zudem „Lieferketten“ und „wirtschaftliche Sicherheit“ umfassen.
Auch energiepolitisch fordert Habeck schnelles Handeln. Die Strategien seien vorhanden und müssten „dringend umgesetzt werden“ – etwa durch „rasche Elektrifizierung“ und den Ausbau der Stromproduktion.
Das Kostenargument weist er zurück: Die EU gebe rund 450 Milliarden Dollar pro Jahr für fossile Energien aus – oft aus Staaten, die „nicht besonders der liberalen Demokratie verpflichtet sind“. Dieses Geld solle besser in die eigene Energieversorgung fließen.
Seine Schlussfolgerung fällt deutlich aus: Europa müsse sich besser vorbereiten. „Hoffnung ist keine Strategie“, schreibt Habeck – und fordert, das Schlimmste aktiv zu verhindern.
jra
Source: welt.de