Eine Trendwende ist für Wacker Chemie zwar nicht in Sicht, trotzdem hat die Börse auf die jüngsten Geschäftszahlen erleichtert reagiert. Am Mittwoch sprang der Aktienkurs des Spezialchemieunternehmens um sechs Prozent nach oben. Analysten wie Sebastian Satz von der Citigroup werteten es als positiv, dass sich die aktuellen Ziele mit den durchschnittlichen Analystenerwartungen decken.
Doch der Ausblick des Vorstandsvorsitzenden Christian Hartel ist nach dem schon Ende Januar mitgeteilten Rekordverlust 2025 von Vorsicht geprägt: „Wir sehen momentan keine Trendwende“, sagte er auf der Bilanzpressekonferenz in München. Das Marktumfeld werde herausfordernd bleiben, das weltweite Wachstum der Chemieproduktion sich weiter verlangsamen. Besonders kritisch sieht es für Hartel, der Vizepräsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) ist, in Deutschland aus. Die Industrie werde hierzulande noch mal weniger als im schwachen Jahr 2025 produzieren.
Markt verändert sich grundlegend
Einmal mehr forderte Hertel bessere Standortbedingungen und sprach die im Vergleich zu den Wettbewerbern in den USA oder China strukturellen Nachteile wie die hohen Energiepreise oder die überbordende Regulierung an: „Damit die chemische Industrie hier eine Zukunft hat, brauchen wir ein ,level playing field‘ – also vergleichbare internationale Wettbewerbsbedingungen.“
Die Chemieindustrie befindet sich seinen Worten zufolge längst in einem strukturellen Wandel. Der Markt verschiebe sich grundlegend, das Wachstum finde in anderen Regionen statt. Neue Wettbewerber, vor allem aus Asien, drängten auf den Markt – mit deutlich niedrigeren Kostenstrukturen. Gleichzeitig führten hohe Überkapazitäten zu einem enormen Preisverfall, vor allem für chemische Standardprodukte. Als Beispiel nannte er Solarpolysilizium, Grundstoff für Solarmodule. Infolge des stark subventionierten Kapazitätsausbaus in China seien die Preise drastisch gefallen. Ähnlich sieht es nach seinen Angaben bei Siloxan, einem Vorprodukt für Silikone, aus.
Leichtes Umsatzplus
Aktuell bleibt das Umfeld für Wacker schwierig. In den ersten beiden Monaten 2026 lag der Umsatz nach Angaben des Vorstands unter dem Vorjahresniveau. Die schwache Konjunktur präge weiterhin das Bestellverhalten vieler Kunden. Im Bau und in der Autoindustrie herrsche weiter Zurückhaltung. Trotzdem hofft Hartel in diesem Jahr auf ein leichtes Wachstum. Er erwartet ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich – getrieben von dem Halbleiter-Vorprodukt Polysilicon und dem Biotechnologiebereich Biosolutions.
Das operative Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern (Ebitda) prognostiziert der Vorstand in der Spanne von 550 bis 700 Millionen Euro, nach 427 Millionen Euro 2025. Sollte der Mittelwert von 625 Millionen Euro erreicht werden, rechnet Finanzvorstand Tobias Ohler unter dem Strich abermals mit einem Fehlbetrag: „Nach Abschreibungen, Zinsen und Steuern wird das nicht für ein ausgeglichenes Ergebnis reichen.“
Für 2025 weist Wacker einen Rekordverlust von 805 Millionen Euro aus. Der Vorstand will mit einem Sparprogramm rund 300 Millionen Euro im Jahr einsparen. Dabei werden 1500 Stellen, überwiegend in Deutschland, abgebaut. Der Vorstand schlägt aufgrund der schlechten Zahlen keine Dividende vor.