Im Alter von 95 Jahren: Schauspieler Mario Adorf ist tot

Der Schauspieler Mario Adorf ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Er sei am Mittwoch „nach kurzer Krankheit in seiner Wohnung in Paris eingeschlafen“, teilte sein langjähriger Manager Michael Stark am Donnerstag in Offenbach mit. Adorf habe ihm bei einem letzten Besuch vor kurzer Zeit noch mit auf den Weg gegeben, dass er sich „bei seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue bedankt“, erklärte Stark weiter.

Adorf gehörte zu den profiliertesten deutschen Schauspielern und war durch zahlreiche Film- und Fernsehrollen bekannt. Der am 8. September 1930 im schweizerischen Zürich als uneheliches Kind geborene Darsteller wuchs in prekären Verhältnissen und absolvierte eine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Anschließend ging er ans Theater und zum Film. 1957 gelang ihm mit der Verkörperung eines geistig behinderten Mörders in dem Film „Nachts, wenn der Teufel kam“ der Durchbruch. In den Sechzigerjahren machte er international Karriere.

221 Kino-, Fernseh- und Serienproduktionen

Eine Wende zum Charakterdarsteller ermöglichte ihm Anfang der Siebzigerjahre der neue deutsche Film. Regisseur Volker Schlöndorff besetzte ihn in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und danach in der mit dem Oscar ausgezeichneten Verfilmung „Die Blechtrommel“. Für Helmut Dietl spielte er im Kinoerfolg „Rossini“ und in der Serie „Kir Royal“. 1958 war Adorf der freche Bänkelsänger in Rolf Thieles Wirtschaftswunder-Satire „Das Mädchen Rosemarie“, 1959 der intelligente „Kopf“ einer Berliner Jugendbande in Gerd Oswalds „Am Tag als der Regen kam“. In Georg Tresslers Verfilmung von Travens Roman „Das Totenschiff“ (1959) gab er den Matrosen Lawski mit einer für das damalige deutsche Kino unbekannten ungeheuer starken physischen Präsenz.

Auch Regisseure wie Billy Wilder, Rainer Werner Fassbinder oder Dieter Wedel wollten den Darsteller, der Schurken ebenso eindrücklich spielen kann wie Patriarchen, eitle Gecken oder Feingeister. Das Deutsche Filmmuseum hat einmal mitgeteilt, Adorf habe in 221 Kino-, Fernseh- und Serienproduktionen mitgewirkt.

Mario Adorfs Rollen

Seine Beliebtheit hat sich Mario Adorf gerade auch mit seinen Bösewichten erworben, etwa Santer im ersten „Winnetou“-Film. Dass er die Schwester des edlen Apachen erschießt, hat ihm Beschimpfungen eingebracht, wie er häufiger erzählte. In der Serie „Kir Royal“ war er ein rücksichtsloser Fabrikant. „Isch scheißʼ dich sowat von zu mit meinem Geld“, heißt es im legendären Monolog des Provinzindustriellen.

„Mit 94 darf man auch mal krank sein, oder?“

Auch im neueren deutschen Kino hat Adorf seine Spuren hinterlassen: in Auftritten in den beiden Jugendfilmen „Die rote Zora“ (2008) und in Detlev Bucks „Same Same but Different“ (2009). Oder als KZ-Überlebender in „Der letzte Mentsch“ (2014). Er kenne sich aus im deutschen Kino und sei offen für die Jungen, betonte er.

2003 war Adorf ein Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie. Vier Jahre später gehörte er unter dem Vorsitz des amerikanischen Regisseurs Paul Schrader zur Jury der internationalen Filmfestspiele von Berlin. Zudem war Adorf als Hörspiel- und Synchronsprecher tätig. Seit 2018 vergeben die Stadt Worms und die Nibelungenfestspiele Worms den Mario-Adorf-Preis. Ausgezeichnet werden Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner oder andere Mitglieder der Nibelungenfestspiele, die mit besonderen künstlerischen Leistungen auffallen.

Adorf selbst hat etliche Preise gewonnen: den Bambi, das Filmband in Gold, den Ernst-Lubitsch-Preis, den Bayerischen Fernsehpreis, die Carl-Zuckmayer-Medaille, den Grimme-Preis und den Ehrenpreis des Festivals von Locarno. Den Deutschen Fernsehpreis konnte er 2024 nicht persönlich entgegennehmen. „Mit 94 darf man auch mal krank sein, oder?“, sagte er.

„Mit seiner Schauspielkunst hat er die Welt zum Erschaudern, Nachdenken, zum Lachen und Weinen gebracht“, erklärte Stark. „Seine Kunst war es, Schurken, Mafiosi und hinterhältige Patriarchen so menschlich darzustellen, dass das Publikum sich oft auf die Seite des ‚Bösen‘ schlug“. Adorf habe zudem „nie seine Bodenhaftung verloren“. Er hinterlässt nach Angaben seines Managements seine französische Ehefrau Monique sowie seine Tochter Stella aus erster Ehe und Enkel Julius.

Source: faz.net