Markus Lanz erreicht mit seiner Sendung ein Millionenpublikum, doch in sein Privatleben gibt er nur selten Einblick. In einem Interview spricht er jetzt ausführlich über seine Kindheit in Südtirol und das Aufwachsen in Armut.
Markus Lanz ist einer der beliebtesten und erfolgreichsten Talkshowmoderatoren der Deutschen – kommt aber ursprünglich aus Italien: Der 57-Jährige wuchs in der Region Südtirol auf.
In einem Interview im „Stern“ hat Lanz nun ausführlich über seine Kindheit und Jugend in Südtirol gesprochen. „Sie dürfen nicht vergessen, dass ich als Angehöriger einer Minderheit eine Ahnung davon habe, wie man Leute unterdrückt oder gängelt“, sagte Lanz. Seine Mutter habe es traumatisiert, in der Schule nicht in ihrer Muttersprache sprechen zu dürfen.
Hintergrund: Italien annektierte Südtirol 1920 nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg. Jahrzehntelang versuchte der italienische Staat, Südtirol zu italienisieren. Ab 1972 erhielt Südtirol dann schrittweise Autonomie.
Doch auch der 1969 geborene Lanz musste noch Deutschenfeindlichkeit erfahren. „Ich selbst wurde beim Grundwehrdienst in Neapel von Vorgesetzten gern als ‚bastardo tedesco‘ angesprochen, als deutscher Bastard, und hatte am Wochenende praktisch immer Küchendienst“, sagte Lanz. Heute erwäge die italienische Regierung von Giorgia Meloni, ein Denkmal zur Annexion Südtirols in Bozen zu restaurieren. „Meine Begeisterungsfähigkeit für diese politischen Strömungen tendiert gegen null“, sagt Lanz über die Regierung in Rom.
Er sei das „Kind kleiner Leute“, „aufgewachsen in prekären Verhältnissen“, antwortete der ZDF-Moderator dem „Stern“ auf die Frage nach seiner politischen Ausrichtung. „SPD und Linke adressieren völlig zu Recht die soziale Frage. Wobei ‚prekär‘ explizit die finanzielle Seite meint und keine Vernachlässigung oder gar Verwahrlosung“, sagte Lanz.
Im Alter von 14 Jahren starb Lanz‘ Vater an Leukämie. Seine Mutter habe unglaublich hart gearbeitet, um die Familie durchzubringen. „Das schrecklichste Wort meiner Kindheit war Gerichtsvollzieher“, sagte Lanz. „Es war mit der Angst meiner Mutter verbunden, alles zu verlieren. Leute, die so was nie erlebt haben, können nicht verstehen, wie sich das anfühlt.“
Als Kind habe er drei Monate Ferien gehabt, was traumhaft klinge, es aber nicht gewesen sei. „Ich habe nur geschuftet, auf Kartoffeläckern, in Hotels als Tellerwäscher, bis spätabends. Und morgens ging’s weiter. Und dabei habe ich ständig von Leuten gesagt bekommen, was ich zu tun habe. Das war üble Kinderarbeit und hat mich sehr geprägt.“
„Ich wollte da raus, das war mein Antrieb“, sagte Lanz. „Deswegen bin ich so schlecht mit Obrigkeiten. Rumgeschubst zu werden, ist ein Minderwertigkeitskomplex, den viele arme Leute haben.“ Heute führe er ein selbstbestimmtes Leben. „Das ist das Beste, was man erreichen kann.“
Lanz: „Ein richtiger Öko“
Nach einer Recherche von WELT AM SONNTAG erhielt Lanz vom ZDF für seine Arbeit 2024 knapp 1,9 Millionen Euro, im Folgejahr sollten es rund zwei Millionen Euro sesin. Geld nehme ihm Existenzängste, bewege sein Leben aber nicht, sagte Lanz dem „Stern“. „Ich feiere nicht im Käferzelt beim Oktoberfest, ich süffele keinen Champagner auf Sylt. Das gibt mir alles nichts.“
Er sei irgendwie auch ein „Müsli“ – „ein richtiger Öko“, bekannte Lanz. „Mich faszinieren erneuerbare Energien, ich mache eigenen Honig. Und bevor die Frage gleich kommt: Ich bin ein klassischer Wechselwähler – nur mit der AfD will ich nichts zu tun haben.“
sebe
Source: welt.de