„Ich finde da gar nichts Schlimmes dran“, sagt dieser Konservative-Politiker oberhalb seinen Wehrmacht-Post

Der CDU-Lokalpolitiker Frank Bommert steht wegen einer Instagram-Story in der Kritik. Weil er Fotos von Wehrmachtsfahrzeugen geteilt hatte, werden aus seinem Verband Rücktrittsforderungen laut. Gegenüber WELT bezieht er Stellung.

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Eine Instagram-Story bringt den Brandenburger CDU-Politiker Frank Bommert in Bedrängnis. Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende und Kreisvorsitzende der CDU Oberhavel hatte das Video eines Militärfahrzeug-Treffens gepostet, in dem auch restaurierte Motorräder der Deutschen Wehrmacht zu sehen waren. Bommert bezeichnete die Veröffentlichung als Versehen. „Das hatte mir ein Bekannter von der Bundeswehr geschickt“, sagte er in einer ersten Reaktion gegenüber der „BZ“. „Ich wollte es meinem Freund Brian weiterleiten, weil der auf sowas steht. Er sammelt altes Kriegsgerät.“ Statt auf Weiterleiten habe er auf Story getippt

Der Brandenburger CDU-Fraktionsvorsitzende, Steeven Bretz, reagierte unwirsch auf den Vorfall. Er „distanziert sich in aller Deutlichkeit von Inhalten dieser Art sowie von deren Verbreitung“, erklärte seine Sprecherin gegenüber der „BZ“. „Der Sachverhalt wird kurzfristig intern besprochen und aufgearbeitet.“ Nach Ostern werde er das persönliche Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten Bommert suchen.

Bommert ist sich keiner Schuld bewusst. „Ich stehe zu der ganzen Geschichte. Ich finde da auch überhaupt nichts Schlimmes dran“, sagte er im Gespräch mit WELT. Eine „Wehrmachtsverherrlichung“ könne er nicht erkennen. Für die Besucher des Militärfahrzeugtreffens fungieren die Maschinen als „eine gewisse Wertanlage“, so Bommert. 50 bis 60 Treffen dieser Art fänden jedes Jahr in Deutschland statt: „Der Markt ist da. Es ist nicht verboten, es ist nichts Illegales.“

„Ich kann damit nicht so viel anfangen, habe aber Bekannte, die Panzer haben – und denen habe ich das weiterleiten wollen“, erklärte Bommert. „Ich habe aber nichts mit der Armee am Hut. Ich bin kein Militarist – im Gegenteil.“ Ob er dementsprechend auch auf einen Besuch bei derlei Treffen verzichten würde? „Wenn hier sowas in der Nähe wäre, würde ich sicherlich hingehen. Das würde mich schon interessieren“, sagte Bommert.

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Von Parteikollegen wird Kritik an Bommerts Instagram-Story laut – etwa in seinem Kreisverband Oberhavel. Dessen Versuch, sich herauszureden, sei „an den Haaren herbeigezogen“, sagte ein CDU-Mitglied gegenüber WELT. „Das ist typisch Bommert, der meint, alle anderen sind doof, nur er wäre besonders schlau.“ Es gebe „eine ganze Reihe an anderen Funktionsträgern, die die ganze Sache sehr kritisch ansehen“.

Bommert müsse entweder von seinen Ämtern enthoben oder aus der Partei ausgeschlossen werden, forderte ein Mitglied aus dessen Kreisverband. Diese Rücktrittsforderungen wies der Politiker umgehend zurück: „Nein, ich habe nichts gemacht, was verwerflich oder illegal wäre.“

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Auch abseits der jüngsten Instagram-Story steht Bommert in seinem Kreisverband in der Kritik. Dem Landtagsabgeordneten wird vorgeworfen, mit Russland und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu sympathisieren. Mindestens einmal pro Jahr lade Bommert den ungarischen Botschafter in Berlin, Péter Györkös, zu Veranstaltungen ein. Grenzwertig, wenn man sich das Statut der CDU anguckt, heißt es aus dem Kreisverband Oberhavel gegenüber WELT: „Ich kann nicht auf der einen Seite Friedrich Merz die Hand geben und auf der anderen Seite nach Ungarn fahren und privat posten, wie herrlich das Parlament sei und dass Herr Orbán ein ganz guter Mensch ist.“

Bommert selbst wischte die Kritik gegenüber WELT beiseite. „Ich habe keine Russland-Nähe. Das ist totaler Quatsch“, betonte er. Teile seiner eigenen Familie seien aus der Sowjetunion vertrieben worden. „Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, wir müssen miteinander reden, wir müssen miteinander auskommen.“ Es sei deshalb vollkommen falsch, auf diplomatische Gespräche zu verzichten. „Jeden Tag sterben Leute und das sind nicht die, die an Tischen sitzen und Befehle geben, das sind die armen Schweine, die an die Front müssen.“

Ungarn gegenüber empfinde er als früherer DDR-Bürger wiederum „tiefe Dankbarkeit“. Den Botschafter Péter Györkös habe er kennengelernt, duze sich mit ihm und möge ihn „als Mensch“. Zudem habe er ihn zwar „mal eingeladen“, regelmäßig komme dies aber nicht vor. Für ihn bedeute die Verbindung zum Botschafter auch nicht, dass er Orbáns Kurs unterstütze, unterstrich Bommert.

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Beim kritisierten Instagram-Post handelt es sich nicht um den ersten Fauxpas des CDU-Politikers. Anfang 2024 hatte Bommert mit einer Statusmeldung auf WhatsApp den Eindruck erweckt, dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz sowie Mitgliedern der Ampel-Regierung den Tod zu wünschen. Gott habe seinen Lieblingsrockstar Tina Turner, seine Lieblingsskifahrerin Rosi Mittermaier und seinen Lieblingsfußballer Franz Beckenbauer zu sich gerufen, schrieb er damals. Und ergänzte: „Meine Lieblingspolitiker sind Robert Habeck, Annalena Baerbock und Ricarda Lang. Ach, und Olaf Scholz.“

Nachdem er zunächst geleugnet hatte, den Post verfasst zu haben, räumte er es schließlich doch ein und entschuldigte sich für den Inhalt. Das Amt des Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Wirtschaft und Energie legte er nieder. Das CDU-Präsidium hatte ihm anschließend einen Verweis erteilt, da er gegen die Partei-Grundsätze verstoßen habe. Das sei „die Gelbe Karte“, hieß es damals.

Nach dem jüngsten Post Bommerts müssten nun Konsequenzen folgen, heißt es nun aus dem Kreisverband Oberhavel. „Nach der Gelben Karte kann es nur die Rote Karte geben. Und die Rote Karte bedeute in dem Fall: Entweder eine Enthebung von sämtlichen Ämtern oder den kompletten Rauswurf.“

Source: welt.de

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