Israel attackiert Ziele im Libanon – eine Reaktion auf Angriffe der Hisbollah. Hunderttausende sind mittlerweile auf der Flucht. Wer keinen Platz in einer Notunterkunft gefunden hat, schläft in Zelten – oder unter freiem Himmel.
Wieder Explosionen über Beirut: Israelische Kampfflieger zielen auf Einrichtungen der Hisbollah. Dicke Rauchwolken steigen über dem Süden der libanesischen Hauptstadt auf.
Seit die pro-iranische Miliz Israel am Montag letzter Woche mit Raketen beschossen und heftige Luftangriffswellen provoziert hat, liefern sich beide Seiten einen verbissenen Schlagabtausch – auch im Osten und Süden des Libanon. Zulasten der Zivilbevölkerung.
Wieder suchen viele Libanesen nur mit dem Nötigsten Zuflucht in der Hauptstadt Beirut, wie schon im Krieg vor anderthalb Jahren. Und auch solche, die durch die israelischen Angriffe auf den Süden Beiruts obdachlos geworden sind, campieren entlang der Uferpromenade, im Auto, in kleinen Zelten oder unter freiem Himmel.
Im Camille-Chamoun-Stadion in Beirut wurde eine Notunterkunft eingerichtet – mit nur zwei Tagen Vorlauf.
800 Menschen in Stadion untergekommen
Andere kommen in Notunterkünften unter. Zum Beispiel im Camille-Chamoun-Stadion, mit 45.000 Plätzen das größte des kleinen Landes am östlichen Mittelmeer.
„Mit zwei Tagen Vorlauf wurden Schlafplätze, Waschräume, Strom- und Wasserversorgung eingerichtet“, erläutert Naji Hammoud, Generaldirektor der libanesischen Sportstätten.
Bisher sind hier rund 800 Menschen untergekommen – ein Bruchteil der Vertriebenen. Deren Zahl im ganzen Land wird bereits auf 760.000 geschätzt, bei knapp sieben Millionen Einwohnern.
Laut Vereinten Nationen haben bereits 120.000 Menschen Platz in staatlichen Notunterkünften gefunden – so wie hier in Beirut.
Menschen fliehen nach Syrien
Karolina Lindholm Billing leitet das UN-Flüchtlingshilfswerk im Libanon. Rund 120.000 von ihnen nutzten die staatlichen Notunterkünfte schon, erläutert sie. Viele kommen aber auch bei Verwandten oder Freunden unter. Und nicht wenige fliehen in eine Richtung, die vor Kurzem noch undenkbar war: nach Syrien.
Nach Angaben der syrischen Behörden sind seit der Eskalation mehr als 78.000 Syrer aus dem Libanon dorthin ausgereist, außerdem über 7.700 Libanesen. Manche Syrer wollten vermutlich ohnehin dauerhaft zurück in ihre Heimat, aber viele fliehen vor dem Krieg, so Lindholm Billing.
570 Tote infolge der Kämpfe hat das libanesische Gesundheitsministerium bis Mittwoch gezählt, darunter mehr als 80 Kinder, 14 Sanitäter und ein maronitischer Priester, sowie weit mehr als 1.000 Verletzte.
Israel will Hisbollah endgültig zerschlagen
Libanons Präsident Michel Aoun wäre wohl bereit, direkt mit Israel über ein Ende der Angriffe zu verhandeln. Denn die Regierung muss fürchten, dass bald auch zivile Infrastruktur von israelischen Bomben zerstört wird.
Doch Israel ist entschlossen, die Hisbollah ein für allemal zu zerschlagen. Die libanesische Regierung will die Miliz zwar einhegen und entwaffnen, doch bisher waren ihre Bemühungen erfolglos, auch weil die Streitkräfte die Konfrontation mit der Hisbollah scheuen. Die Zeit, um Libanons Zerstörung abzuwenden, wird derweil knapp.
Source: tagesschau.de