Das Marketing für den neuen Roman von Franzobel hätte nicht besser laufen können. Grönland ist – dem amerikanischen Präsidenten sei’s gedankt – nicht mehr nur Stoff für ZDF-Naturreportagen, sondern auf der geopolitischen Landkarte. Donald Trump will den Dänen Grönland abkaufen. Schaut auf diesen Fleck, sagt auch die internationale Presse. Robben, Schneehühner, Eiderenten, ewiger Sommer oder ewige Nacht. Und Raketenstellplätze, wohin das Polarfuchsauge reicht.
So unwirtlich das große Weiß sein mag, so war es schon zu Zeiten der Seefahrerei ein Ort für männliche Obsessionen. Mancher Entdecker wollte dort unter Verlust mehrerer Zehen seine Nationalflagge ins Packeis rammen und schreien: Ich war als Erster am Nordpol! Dies sollte erst in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts einem Amerikaner nachweislich gelingen. Zuvor gab es eine ganze Reihe von Hasardeuren mit Vaterkomplex (überdurchschnittlich viele Polforscher sind vaterlos aufgewachsen!), die im ewigen Eis herumstocherten, es allen beweisen wollten und deshalb behaupteten, den Nordpol bezwungen zu haben.