Hotelbau hinauf Eis: Der Krieg bremst beiläufig Villeroy & Boch

Vor zwei oder drei Wochen hätte die Prognose von Villeroy & Boch noch ganz anders ausgesehen. Dann aber, sagt Finanzvorstand Markus Warncke, habe der Krieg im Nahen Osten begonnen, und man habe alle Erwartungen noch einmal überdacht. Das Geschäft mit Hotels am Golf – die Ausstattung der Bäder – sei schließlich relevant für Villeroy. Der Umsatz in der Region liege aktuell aber am Boden. Zudem treibe der Konflikt den Ölpreis. Und welche Auswirkungen dieser Krieg auf die Konsum- und Investitionsbereitschaft der Kunden habe, sei auch noch nicht klar.

So äußerten sich Warncke und die Vorstandsvorsitzende Gabi Schupp bei der Bilanzvorlage am Donnerstag betont vorsichtig und prognostizieren für das laufende Jahr einen Umsatzrückgang im mittleren bis höheren einstelligen Prozentbereich. Das Betriebsergebnis soll zwischen 75 und 85 Millionen Euro liegen und damit ebenfalls deutlich unter dem Vorjahreswert von fast 98 Millionen Euro. Zugleich machte Warncke deutlich, dass die Prognose bewusst konservativ gestellt worden sei, bedeutet: Sollte der Krieg doch nicht so lange dauern, könnten die Zahlen auch besser ausfallen.

Mehr Bad, weniger Geschirr

Dabei könnte das Traditionsunternehmen aus dem Saarland nach schwierigen Jahren eigentlich mit konjunkturellem Rückenwind rechnen. Schließlich zeichnet sich ein Ende der Bauflaute ab, nicht nur in Deutschland. Seit der Übernahme des Konkurrenten Ideal Standard vor zweieinhalb Jahren – der größte Zukauf der Geschichte – haben sich die Gewichte innerhalb des Unternehmens weiter verschoben: Die Ausstattung von Bädern mit WCs, Wannen, Waschtischen und den mit der Übernahme neu hinzugekommenen Armaturen macht aktuell fast 80 Prozent des Umsatzes aus. Das ehemalige Geschirrgeschäft – heute als Dining & Lifestyle ausgerichtet, mit dem Fokus auf Geschenke – erwirtschaftet den Rest der Erlöse: Im Vorjahr sind so fast 1,5 Milliarden Euro zusammengekommen. Die Zahl ist mit den Vorjahreswerten wegen der laufenden Neustrukturierung schwer zu vergleichen. Offiziell ist der Umsatz leicht gestiegen, auf vergleichbarer Basis wäre er nach Warnckes Worten leicht gefallen.

Die Lifestyle-Produkte sind, obwohl in den beiden deutschen Werken Merzig und Torgau hergestellt, nach wie vor profitabler als das umkämpfte Badgeschäft. Die Badwerke hingegen sind wegen des schwachen Absatzes nach Warnckes Worten nicht voll ausgelastet: Ein Produktionswerk für Acrylbadewannen im belgischen Roeselare hat das Unternehmen deshalb geschlossen, die Produktion wandert nach Ägypten. Eine Produktionslinie in Großbritannien für WCs und Spültische hat die Unternehmensleitung stillgelegt.

„Gut behauptet“

Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte die Vorstandsvorsitzende Gabi Schupp, man habe den Zukauf als Katalysator genutzt und das Unternehmen neu aufgestellt: den Vertrieb vereinheitlicht, die IT harmonisiert und das Portfolio entschlackt. So hat das Unternehmen die beiden auf Nordeuropa fokussierten Marken Gustavsberg und Vatette an die finnische Oras Group verkauft, um sich auf die beiden Kernmarken Ideal Standard und Villeroy & Boch zu konzentrieren. Die Akquisition habe das Unternehmen deutlich resilienter gemacht. „So konnten wir uns trotz allgemeiner Konsumzurückhaltung und schwacher Baukonjunktur gut behaupten.“

Einen massiven Stellenabbau habe es dabei nicht gegeben: Der Vorstand bezifferte die Streichliste am Donnerstag auf drei Prozent der Belegschaft, vieles davon habe man durch Fluktuation aufgefangen. Mit der Übernahme hat Villeroy die Zahl der Beschäftigten auf etwa 12.000 verdoppelt, darunter 1700 am Unternehmenssitz im Saarland.

Die Transformation ist nach Schupps Worten noch nicht abgeschlossen. Finanzvorstand Warncke sagte, der Schwerpunkt der Konsolidierung liege im laufenden Jahr nicht mehr auf den Produktionswerken, sondern der Logistik: Nach der Übernahme habe Villeroy noch zu viele Lager.

Obwohl der Ideal-Standard-Zukauf – im Unternehmenswert 600 Millionen Euro – die Bilanz belastet hat, sieht sich Villeroy finanziell gut aufgestellt und will weitere Zukäufe nicht ausschließen. Schupp sagte, man sei dafür offen. Es gelte, von Fall zu Fall die Lage neu zu bewerten.

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