Gold kann man bekanntlich weder essen noch trinken. Es wirft auch keine Zinsen oder Dividenden ab. Und dennoch kostet ein Krümel (ein Gramm) derzeit 128 Euro und eine Handvoll (ein Kilogramm) entsprechend 128.000 Euro. Die Preise erreichen ständig neue Hochs und immer mehr Fachleute wundern sich.
Stärkster Treiber ist sicherlich Donald Trump. Der amerikanische Präsident hat das klar kommunizierte Ziel, den Dollar zu schwächen. Da Trump in dieser Hinsicht nicht machtlos ist und sein Dauerfeuer gegen die Unabhängigkeit der Notenbank Fed Wirkung zeigt, gehen viele Marktteilnehmer derzeit davon aus, dass der Dollar auch dieses Jahr weiter an Wert verlieren lässt.
Der Dollar verliert seinen Nimbus
Das ist für Amerikaner, die gern ins Ausland reisen oder Waren von dort kaufen, unschön, wenn sie dies mit schwächerer Währung bezahlen müssen. Aber Trump will das Geld ohnehin lieber im Land halten. Die Amerikaner sollen selbst wieder mehr Produkte herstellen, als dass diese aus China oder Mexiko importiert werden müssen. Ob es für die Amerikaner nicht charmanter war, den Rest der Welt für sie produzieren zu lassen und dies dank reicher Geldzuflüsse in den Dollar-Raum mit starker Währung zu bezahlen, sei dahingestellt.
Wenn nun aber die Weltleitwährung so offensichtlich geschwächt werden soll, fragen sich zu Recht immer mehr Anleger, warum sie dort Geld investieren sollen, zumal die Fed unter erheblichem Druck die Zinsen eher häufiger als seltener senken wird. In US-Aktien stecken die Anleger dennoch nolens volens Geld, da die erfolgreichsten Unternehmen der Welt nun einmal in den USA sitzen und die Kursgewinne einen schwachen Dollar wahrscheinlich überkompensieren können.
Das Goldangebot ist relativ klein
Aber US-Staatsanleihen kaufen? China ist der größte Gläubiger, der dezidiert Dollar-Positionen ab- und Goldpositionen aufbaut. Da Gold aber nicht so leicht vermehrt werden kann wie Papiergeld, führt die Knappheit zu stark steigenden Preisen. Gut 200.000 Tonnen Gold sind seit der Antike zutage gefördert worden. Das entspricht zu derzeitigen Kursen einem Wert von 25 Billionen Euro. Allein die ausstehenden US-Staatsschulden übertreffen diesen Betrag mit umgerechnet 32 Billionen Euro deutlich. Der Goldmarkt ist also wesentlich kleiner und kann immense Umschichtungen aus US- und anderen Staatsanleihen nicht so einfach aufnehmen. An den internationalen Aktienmärkten wird der aktuelle Börsenwert auf 125 Billionen Euro taxiert – das Fünffache des Goldes. Wenn nun also angesichts eines schwächeren Dollars und hoher Unsicherheit ob der Konflikte in der Ukraine, im Iran, in Israel und in Venezuela auch nur ein Teil der Anleger auf die Idee kommt, künftig lieber mehr Gold besitzen zu wollen, treibt das die Preise enorm.
Auf gut 4640 Dollar belaufen sich die Rekordpreise dieser Woche. Vor einem Jahr waren es noch 2700 Dollar (damals auch ein Rekordwert), vor zwei Jahren 2000 Dollar. Der steile Anstieg ruft nach einer Korrektur. Die Knappheit und der schwache Dollar sprechen für weiter steigende Preise. In unserer Umfrage unter großen Banken und Anlagehäusern wird meist bestätigt, dass die treibenden Faktoren weiter wirken und für einen steigenden Goldpreis sprechen. Angesichts des hohen Zuwachses in den vergangenen Jahren wird aber kein weiteres solch großes Plus erwartet. Am optimistischsten äußert sich Felix Herrmann, Chefvolkswirt von Aramea Asset Management, der wegen der „strukturellen Nachfrage nach Gold seitens der Notenbanken und anderer institutioneller Anleger“ 5000 Dollar als das nächste Zwischenziel erwartet, aber auch wegen seiner Erwartung steigender Inflationsraten in den USA weiteres Potential sieht.
Sören Hettler, Leiter Anlagestrategie und Privatkunden der DZ Bank, sieht auch mittelfristig Potential für Goldpreissteigerungen: „Über einen längeren Zeitraum betrachtet, sind es vor allem die Zentralbanken, gerade in den Schwellenländern, die auf der Suche nach Alternativen zu Euro- und US-Dollar-Währungsreserven das gelbe Edelmetall wiederentdeckt haben“, sagt Hettler: „Mit den Zentralbanken bleibt dem Goldmarkt im nächsten Jahr eine Investorengruppe erhalten, die nicht so genau auf den Preis schaut und damit weiter Auftrieb gibt.“
Silber steigt derzeit noch schneller im Preis
Claudia Windt von der Helaba hält zwar die Wiederholung eines „außergewöhnlichen Rekordjahres wie 2025 für wenig wahrscheinlich“, doch auf Basis der strukturellen Treiber seien weitere Rekorde durchaus drin. Klaus Bauknecht von der Deutschen Industriebank (IKB) hält „extreme Preissteigerungen wie im Jahr 2025 nur unter aggressiven Annahmen wie einer nicht mehr unabhängigen Fed“ für möglich. Er sieht den aktuellen Preis von Gold aber „über dem geschätzten Fundamentalwert“.
Längst haben manche Anleger daher Silber für sich entdeckt als Ergänzung. Hier gab es am Mittwoch schon den zweiten Tag diese Woche, an dem der Preis um mehr als fünf Prozent stieg und damit deutlich schneller als Gold. Mit 90 Dollar je Unze von 31 Gramm wurden auch hier Bestmarken verzeichnet. Das Niveau ist aber noch weit vom Gold entfernt.
Auch nehmen einige Anleger stärker die Goldminenaktien in den Blick, da derartige Rekordpreise wie derzeit den Abbau in Minen deutlich attraktiver macht. Weltmarktführer Newmont aus den USA hat den Aktienkurs seit November um 40 Prozent erhöhen können. Angesichts drastisch gestiegener Gewinnerwartungen liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis verglichen mit dem übrigen Aktienmarkt noch auf moderaten 13. Ähnliches gilt für Barrick Mining aus Kanada. Der Goldminenindex NYSE Arca Gold Bugs (auch HUI genannt), der einige Goldminenaktien umfasst und auch in Finanzprodukten erwerbbar ist, hat sich im vergangenen Jahr ebenfalls mehr als verdoppelt. Die Relation aus Index und Goldpreis gilt aktuell als niedrig, was für Aufholpotential für die Goldminenaktien sprechen könnte – oder einen überteuerten Goldpreis.
Source: faz.net